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Besonders gefährlich ist das Phänomen Whiteout, wenn man keine Helligkeitsunterschiede mehr wahrnehmen kann.
Da können Urängste aufkommen, denn wer stürzt sich schon gern ins Ungewisse. Für den Führenden der Gruppe ist die Orientierung besonders herausfordernd. Die nachfolgenden Teilnehmer haben es leichter, sie können sich am Führenden orientieren. Generell sollten Sie Folgendes beachten:
Vor und während der Tour sollten Sie alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel nutzen. Planen Sie Ihre Tour zu Hause oder auf der Hütte mit Skitourenführern, topografischen Karten mit Skirouten, Kompass, Tourenberichten im Internet sowie mit den Infos von Hüttenwirten und Bekannten, die die Tour kennen. Nutzen Sie unterwegs die Orientierung mit GPS-Geräten.
Wenn Ihr GPS-Gerät keinen Empfang hat oder ausfällt, sollten Sie die klassische Orientierung mit Karte, Kompass, Marschzahlen und Höhenmesser beherrschen. Ohne Vorbereitung ist bei widrigen Wetterbedingungen (Schneefall, Kälte, Wind, Nebel) eine Orientierung mit Karte und Kompass erschwert bis unmöglich.
Passen sie ihre Abfahrt den Sichtverhältnissen an und lassen Sie sich Zeit: In der Bewegung des Skifahrens fällt es schwer, Entscheidungen zu treffen. Machen Sie deshalb Orientierungspausen, um sich bewusst für die beste Route zu entscheiden. Auch wenn der Skigenuss leidet, am sichersten sind Schrägfahrten mit Spitzkehren.
Eine geeignete Skibrille ist wichtig: Neben der Sonnenbrille gehört eine nicht beschlagende Skibrille mit großem Sichtfeld und Filtern für schlechte Sichtverhältnisse immer in den Rucksack. Sie verbessert die Wahrnehmung von Kontrasten (vorhandene Geländekanten oder Skispuren sind leichter erkennbar) und schützt die Augen bei starkem Wind vor mechanischer Einwirkung durch Schneekristalle und Eispartikel.
Orientieren sie sich anhand markanter Geländepunkte: In der Abfahrt kann es entscheidend sein, dass Sie im Aufstieg vermerkte Punkte und deren Höhe (Felsblöcke, Felsriegel, Grate, Hinweisschilder etc.) wiedererkennen.
Felsen helfen bei der Orientierung im Nebel und bilden einen Kontrast (Fotos: Gelder; Wölki).
Kehren Sie rechtzeitig um und orientieren Sie sich an Ihrer Aufstiegsspur: Bei Nebel können Sie sich an den sichtbaren Aufstiegsspuren zurück ins Tal tasten. Bei starkem Neuschneefall mit Windeinwirkung ist die Abfahrt ein "Blindflug" und Ihre Aufstiegsspuren sind im Nu zugeschneit. Kehren Sie rechtzeitig um und verzichten Sie auf den Gipfel, solange Sie sich an Ihren eigenen Spuren ins Tal orientieren können. Wenn Sie eine Abfahrt über eine unbekannte Route geplant haben: Verwerfen Sie den Plan und fahren Sie lieber entlang der Aufstiegsroute ab, auch wenn die Spuren schon zugeweht sind.
Vorsicht bei Abfahrt über unbekanntes Gelände und Gletscher
Die Orientierung in unbekanntem alpinen und unverspurten Gelände oder auf spaltenreichen Gletschern ist selbst mit modernen GPS-Geräten sehr anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung, Instinkt und manchmal eben auch Glück. Rechnen Sie damit, dass Ihr GPS-Gerät keinen Empfang hat oder ausfällt. Verlassen Sie sich nicht auf die in der Karte eingezeichneten Spaltenbereiche, da sich diese durch Gletscherrückgang verändern können.
Abfahrt von der Hütte
Planen Sie Ihre Abfahrtsroute mit allen verfügbaren Informationen. Auf der Hütte können Sie in Ruhe Ihre Abfahrt mit Karte, Kompass, Höhenmesser, GPS und dem Expertenwissen des Hüttenwirts planen. Erstellen Sie eine Marschtabelle und steuern Sie markante Punkte an (Felswände, Grate, Rippen etc.), die Sie auch bei schlechter Sicht eindeutig zuordnen können und an denen Sie sich ins Tal "hangeln" können. Dabei ist häufig nicht der kürzeste Weg der beste Weg. Lieber Umwege und auch Gegenanstiege in Kauf nehmen, wenn sie besser für die Orientierung sind.
Warten sie auf den richtigen Abfahrtszeitpunkt
Oftmals gibt es im Tagesverlauf eine Verbesserung der Sichtverhältnisse, die Sie nutzen sollten. In der sicheren Hütte können Sie relativ entspannt den besten Zeitpunkt abwarten und notfalls noch einmal übernachten. Bei starkem Neuschneefall müssen Sie allerdings das Risiko einschätzen, das sich bei späterer Abfahrt durch den Anstieg der Lawinengefahr ergibt.
Tipp: Bei der Orientierung im Nebel ist ein genauer Höhenmesser sehr hilfreich. Zusammen mit einer guten Karte kann man so in etwa feststellen, wo man ist. Der Kompass ist nur dann hilfreich, wenn man frühzeitig seinen genauen Standpunkt festgelegt hat und einer Marschzahl (Route) folgen will.
Text: Andreas Wölki
Aus ALPIN 02/2012
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