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Das große Lawinen-Spezial

Wie? Wo? Was?

30.11.2010 11:04:20
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Ein theoretisches lawinenkundliches Wissen aus Büchern reicht nicht aus. Die Verknüpfung von praktischer Erfahrung mit fachlichem Wissen und einer "Strategie" ist der Schlüssel zum Erfolg. Allein durch das Lesen dieser Beilage bekommt man noch keine Erfahrung! Die kann man sich nur in der Praxis aneignen.
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1. Die Infos zu Gefahrenstellen aus dem LLB herausfiltern

Die Beurteilung des Lawinenrisikos ist nicht so schwer.
Betrachtet man die Kerninformationen des Lageberichts, so lassen sich diese in drei Bereiche gliedern:

WIE? gefährlich ist es heute?
Angabe der Gefahrenstufe
WO? liegen heute die Gefahrenstellen?
Angabe im Text des LLB nach Höhenstufe, Exposition und Geländeform (Steilheit und Hangform).
WAS? ist die Ursache der Gefahr?
Angabe über mögliche Lawinenauslösungen.

Diese drei Fragen müssen beim Lesen des Lawinenlageberichts beantwortet werden: Das WIE? ist relativ einfach umsetzbar und zeigt auch bei der Studie ein zufrieden stellendes Ergebnis, da immerhin 64 Prozent der beobachteten Skitourengeher die lokale Gefahrenstufe kannten.

Das WO? stellt den ersten "Knackpunkt" dar. Lediglich sieben Prozent der Skitourengeher kennen die Zusatzinformationen zu den Gefahrenstellen und -ursachen. Hier ist eine Verbildlichung der Informationen hilfreich. Die bereits erwähnte"Piktogrammisierungsstudie" der DAV-Sicherheitsforschung wurde in Kooperation mit dem Innsbrucker Unternehmen Alp-S im Jahr 2008 durchgeführt.

Es konnte belegt werden, dass ein mit Piktogrammen ergänzter Lagebericht von den Skitourengehern bezüglich der wichtigen Zusatzinformationen deutlich besser reproduziert werden kann. Zusätzlich wurde deutlich, dass auf gezieltes Nachfragen viele der Informationen genannt werden konnten, was für ein "nachfragendes" Lesen des LLB spricht.

Daher: WIE? WO? WAS?
Hoffentlich sehen Sie solche Schneebretter immer nur von weitem.
Die Frage nach dem WO? lässt sich in drei Kategorien unterteilen: die Höhenstufe, die Exposition sowie die Geländeform mit Steilheit (z. B. Rinnen, Mulden, Hangkanten, Sonnenhänge, Schattenhänge etc.).

Diese genannten Gefahrenstellen werden als "Und-Verknüpfung" betrachtet. Gefahrenstellen sind demnach alle Geländebereiche, auf die alle drei Kategorien (Höhenstufe, Exposition und Geländeform mit Steilheit) zutreffen.

Das WAS? bezieht sich auf die Art und Ursache der Gefährdung sowie die im Allgemeinen nötige Zusatzbelastung für eine Auslösung einer Lawine. Die Arten der Gefährdung sind z.B. trockene oder feuchte Schneebretter oder Lockerschneelawinen.

Mögliche Ursachen sind z. B. Triebschnee, der logischerweise überwiegend in den Rinnen, Mulden und leeseitig in Kammnähe anzutreffen ist. Wer dies versteht, kann durch eine Verknüpfung des WAS? mit der Windrichtung das WO? selbstständig beantworten. Die Ursachen der Gefährdung können aber auch Erwärmung, eine Schwimmschneeschicht oder ganz simpel Wind und einsetzender Schneefall sein.

Bei der Erwärmung ist interessant, ob diese allgemein, höhenabhängig oder durch die Sonneneinstrahlung verursacht ist. In der Folge sind nämlich entweder alle Hänge in der entsprechenden Höhenstufe betroffen oder nur die sonnenbeschienenen. Zusätzlich wird eine weitere Information zur Zusatzbelastung erfragt.

Denn diese Information gibt Aufschluss darüber, ob es ggf. ausreicht, eine Gefahrenstelle einzeln zu überqueren (geringe Zusatzbelastung) oder ob man gar mit Selbstauslösungen rechnen muss.

Das WAS? spielt somit auch in der Planung eine wichtige Rolle, wenn z. B. vor der tageszeitlichen Erwärmung gewarnt wird. Dann heißt es, rechtzeitig zurück bzw. aus den Sonnenhängen draußen zu sein.

Klicken Sie für eine Großansicht!

2. Die genannten Gefahrenstellen im Gelände wiederfinden

Die nächste Hürde ist das Auffinden der Gefahrenstellen im Gelände. Untersuchungsergebnisse zeigen, dass dies selbst erfahrenen Skitourengehern Schwierigkeiten bereitet, zumindest bei der Aufgabe, die Gefahrenstellen in der Karte zu erkennen. Bleibt zu hoffen, dass das Zuordnen dieser Stellen im realen Gelände besser gelingt.

Dies erscheint plausibel, denn das Erkennen einer Rinne oder Mulde sowie kammnahen Geländes dürfte in natura wesentlich leichter fallen als auf einer Karte.

Nach Auffassung der DAV Sicherheitsforschung ist diese Karten-Lese-Fähigkeit vor allem bei der Tourenplanung sehr hilfreich. Sie ist trainierbar und verlangt etwas Übung im Umgang mit der Karte. Sie können im Folgenden ihre Fähigkeiten selbst testen:

Checkpunkte festlegen
Vor den laut LLB potentiellen Gefahrenstellen planen Sie Checkpunkte im Gelände. An diesen wird die noch offene Frage der Hangform und Gefahrenursache beantwortet, sprich: Liegt hier Triebschnee in Rinnen und Mulden oder hinter Hangkanten?,

Auf Tour
Durch die Planungsphase wurden Sie mit Hilfe der grafischen Umwandlung des Lageberichts (Schritt1) auf die potentiellen Gefahrenstellen sensibilisiert.

Mit dieser "Brille" gehen Sie nun durch das Gelände und bewerten fortlaufend die vor ihnen liegenden Hänge – relevant oder weniger relevant? Sie suchen die Gefahrenstellen im Gelände, gleichen ab mit dem WO? und WAS? in Ihrem LLB.



Hier geht's zum Startartikel des großen Lawinen-Specials auf alpin.de!
Fortsetzung (1 / 2)
Seite 2: Wie? Wo? Was? - Teil 2


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