Wandern und Bergsteigen mit Kindern kann so schön sein. Aber nur, wenn Eltern Tour, Ausrüstung und Anspruch an die Bedürfnisse ihres Nachwuchses anpassen.

Wandern: Das ist doch ein Kinderspiel. Für Erwachsene vielleicht, mit dem Nachwuchs nicht unbedingt. Ganze Generationen arbeiten derzeit ihre Traumata durch Familien-Bergausflüge in Kniebundhosen und Karohemden ab.

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Zu Zeiten von Hans Rosenthal hieß es früher gerne "dalli, dalli!" und sicher war nicht der Weg das Ziel, sondern der Gipfel. Heute hat sich viel verändert. Auf die Bedürfnisse von Kindern wird mehr eingegangen und dieser Wandel hat auch das Wandern und Bergsteigen mit dem Nachwuchs nachhaltig geprägt.

Wandern mit Kindern

Für ältere Kinder darf es stellenweise auch etwas ausgesetzter sein.

| © Picture Alliance

Tourenplanung

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Zuerst ist es wichtig, dass Eltern die Planung einer Tour, sei es Klettern, Wandern oder Bergsteigen, immer an den Fähigkeiten und Wünschen der Kinder ausrichten. Dabei müssen Schwierigkeit und Länge mit dem Können der Kinder sinnvoll in Einklang gebracht werden. 

Überforderung auf Tour führt nicht nur zu einer grundsätzlichen Verweigerungshaltung der Kinder hinsichtlich Bergunternehmungen, sondern gefährdet den Nachwuchs auch. Denn Kinder sind physisch und psychisch deutlich schneller an ihren Grenzen als Erwachsene.

Wandern mit Kindern

Ein See bietet willkommene Ablenkung.

| © Picture Alliance

"Gute Eltern" lassen sich auf die kindliche Erlebniswelt ein, passen ihr Tempo dem der kleinen Kinder an. Zugegeben: Die Strecken sind dann stets kurz und die Zeit, die man dafür braucht, stets lang. Dafür entdeckt die ganze Familie Blumen, Steine, Aussichten, Vögel, Murmeltiere, Wolkenformationen und vieles mehr, was dem ungeschulten Erwachsenenauge gerne verborgen bleibt.

Werden Kinder älter (> 10 Jahre), können auch anspruchsvollere Ziele anvisiert werden. Bei der richtigen Routenwahl sind Mehrtagestouren mit Hüttenaufenthalt oder flache Gletschertouren durchaus möglich. Auch hier gilt es natürlich, die Gehzeiten anzupassen und genügend Puffer für Eventualitäten einzuplanen.

Motivation

"Das ist so langweilig": Wenn der Nachwuchs keine Lust mehr hat, müssen die Eltern ran. Mit der Schönheit der Natur oder der herrlichen Ruhe im Wald lockt man bei Unlust kein Kind mehr hinter dem Ofen hervor.

Ausgiebige Pausen helfen die Stimmung hoch zu halten.

| © Herbert Raffalt

Der Nachwuchs braucht dann den richtigen Ansporn zum Weiterlaufen oder gegebenenfalls muss eben eine "echte" Pause her, bei der Eltern sich Zeit nehmen fürs Spielen, Baden, Schnitzen etc. zusammen mit den Kindern.

Geht es dann weiter, ist Ablenkung in Form von Steine oder Blumen sammeln eine gute Strategie. Ebenso wie Verantwortung bei der Wegsuche zu übergeben. Motivierend wirkt sich auch das "Ziele setzen" aus wie "in der fünften Kehre gibt es etwas Leckeres zu trinken“ oder ähnliches.

Alter & Können

  • Kleinkinderalter (1 – 3 Jahre): In der Kraxe können kleine Touren unternommen werden, sobald das Kind alleine ausdauernd stabil (!) sitzen kann. Dabei muss man die Kleinen besonders vor Auskühlung und Überhitzung schützen. Insgesamt sollten Kleinkinder nicht länger als vier Stunden pro Tag in der Kraxe sitzen.

  • Vorschulalter (4 – 6 Jahre): Jetzt wollen Kinder ihre Umgebung entdecken. Deshalb sitzen sie nicht mehr gerne passiv in der Kraxe. Geeignet sind kleine, spielerisch gestaltete Wanderungen abseits von langweiligen Forstwegen. Oft ist ein Rundweg, ein See oder eine Hütte interessanter als der Gipfel.

  • Grundschulkindalter (7 – 10 Jahre): Ausdauer und Koordination verbessern sich merklich. Touren bis zu fünf Stunden sind möglich. Dabei sind auch anspruchsvollere Wegabschnitte wie Grate und "Kraxelstellen" wichtig, um Langeweile zu vermeiden.

  • Spätes Schulalter (11 – 14 Jahre): Jetzt wird es noch wichtiger, spannende Ziele anzuvisieren. Kondition und Koordination sind stark verbessert. Bei entsprechender Übung bieten sich Mehrtages-, Gletscher- oder Klettersteigtouren an.

Ernährung

Vorbei sind die Zeiten, als man beim Bergsteigen sagte: "Kein Schluck vor der Baumgrenze!" Kinder haben einen hohen Flüssigkeitsbedarf. Richtig ist, zwischendurch immer mal wieder zur Wasserflasche zu greifen und Flüssigkeit aufzunehmen (maximal 150 ml).

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist für die Kleinen auch auf Tour wichtig.

| © Herbert Raffalt

Der durchschnittliche Tagesbedarf für Sport treibende Kinder beträgt zwei bis drei Liter Flüssigkeit. Am besten eignen sich Wasser und Saftschorle. Bergsportgerechte Ernährung für Kinder heißt nicht, Eiweißdrink und Powerriegel in den Rucksack zu packen, sondern abwechslungsreiche, vollwertige Mischkost mit Obst, Gemüse, Müsliriegel und belegte Brote mitzunehmen. Ein paar Süßigkeiten als Belohnung sind natürlich erlaubt.

Ausrüstung

Wer mit Kindern unterwegs ist, egal welchen Alters, sollte beim Bergsteigen, aber auch beim Wandern immer ein Seilstück (9 mm Durchmesser, 10 m Länge) dabei haben. So kann man auch eine etwas schwierige oder ausgesetzte Passage ohne Gefahr für die Kinder meistern.

Viele Kinder wollen ihren eigenen Rucksack mit den wichtigsten Utensilien selbst tragen: Kuscheltier, Trinkflasche, kleine Brotzeit, wichtige Fundstücke. Die Richtlinie für das angemessene Rucksackgewicht ist hier: bis 8 Jahre weniger als 3 kg, bis 12 Jahre weniger als 5 kg und bis 16 Jahre weniger als 7 kg.

Packliste: Wandern mit Kindern

  • Wanderschuhe

  • Kinder-Rucksack

  • Softshelljacke

  • Fleecepulli

  • Funktionsshirt oder T-Shirt

  • Outdoor-Hose mit Taschen

  • Regenjacke

  • Buff-Tuch

  • Mütze / Basecap

  • Sonnencreme

  • Sonnenbrille

  • Erste-Hilfe-Set

  • Ersatzshirt /-hose

  • unzerbrechliche Trinkflasche / Thermosflasche

  • zum "Spielen": Lupe, Kompass, Messer, Fernglas

Wandern mit Kindern

Alles dabei? Gut gepackt, ist halb gewonnen.

| © Picture Alliance

Zusatzausrüstung zum Bergsteigen mit Kindern

  • knöchelhohe Bergschuhe

  • dünne Handschuhe

  • Mütze

  • Gurt und Seil zum Sichern

  • Steinschlag-Helm

  • Stirnlampe

  • Biwaksack

Expertentipp - Ein guter Abschluss ist gefragt

Kinder wandern anders als Erwachsene, das haben wir ja gerade gelesen. Aber was macht sie nun eigentlich aus – die perfekte Kindertour? Für Kinder ist die Natur ein Abenteuerspielplatz. Eine gute Familientour bietet ein Terrain, das die Fantasie anregt und Abenteuer ermöglicht, ohne die Kinder in Gefahr zu bringen.

Schmale Pfade mit vielen Kurven, auf denen immer wieder etwas Neues zu entdecken ist, sind dazu quasi die Grundvoraussetzung. Gibt es einen Bach oder sogar einen Badeplatz am Weg, gute Rastplätze mit Felsen oder Bäumen zum Klettern? Kann man Tiere beobachten, auf einer schönen Hütte rasten oder gibt es vielleicht eine Burgruine entdecken?

Zu lang darf die Wanderung auch nicht sein, sonst fehlt unterwegs die Zeit zum Spielen – und zum Picknicken. Essen ist für Kinder besonders wichtig, um Energie und Motivation zu erhalten. Für das Picknick sollten Sie ruhig auch auf Lieblingsspeisen der Kinder zurückgreifen. Schließlich geht es erst mal darum, sie fürs Wandern zu begeistern.

Und wenn das mit der Begeisterung mal nicht so klappt? Momente, in denen die gute Laune kippt, sind normal, jeder, der mit Kindern wandert, kennt sie. Dann ist zur Abwechslung die Fantasie der Eltern gefragt ... Wichtig ist es auch, am Ende der Tour zu einem guten Abschluss zu kommen, denn dieser ist es, der in Erinnerung bleibt und zur nächsten Wandertour animiert.

Lese-Tipp: Wandern mit Kindern

Wandern mit Kindern

Super Wanderführer für Touren mit Kindern von Stefanie Holtkamp.

| © alpin.de

Großartige Wanderführer-Reihe für Familien mit Kindern. Neben richtigen Wanderungen stehen auch kurze Touren zur Wahl, die auch mit kleinen Kindern zu schaffen sind. Je nach Region gibt es Vorschläge zu Höhlentouren, Canyoning, Paddeltouren sowie Hochseilgärten oder einfachen Familienklettersteigen.

Stefanie Holtkamp: Allgäu mit Kindern / Korsika mit Kindern

Preis: 15,90 / 16,90 Euro

Wer lieber online Schmöckern möchte, dem sei die Seite "Zwerg-am-Berg" von ALPIN-Autorin Ute Watzl empfohlen! 

Text von Romana Bloch

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