Unser Trail-Spezialist ist mit dem Hoka One One Speedgoat 3 auf den Trails unterwegs gewesen. Hier sein Eindruck.

Trailschuhe von Hoka One One sind mir seit Jahren bekannt, waren mir lange Zeit aber auch irgendwie ein bisschen suspekt. Die auch optisch auffallende üppige Dämpfung von Hoka-Schuhen, das Markenzeichen des US-Unternehmens, vermittelte mir das Gefühl, dass die Schuhe für lange Asphaltläufe bestimmt gut, für anspruchsvolle Trails aber weniger geeignet wären.

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Nachdem aber viele Top-Läufer*Innen (z.B. UTMB-Sieger Ludovic Pommeret, Lauf-Legende Karl Meltzer oder US-Rakete Jim Walmsley) auf den Trails höchst erfolgreich in Hoka-Schuhe unterwegs sind, konnte ich davon ausgehen, dass meine Außenwahrnehmung einem Realitäts-Check nicht standhalten würde.

Dementsprechend gespannt war ich, wie ich mit dem Hoka One One Speedgoat 3 zurecht kommen würde.

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Schon das erste Anprobieren ist eine neue Erfahrung für mich. Stolze fünf Zentimeter größer macht mich der Schuh mit seiner hohen Dämpfung und ich fühle mich beim Gehen zu Hause eher wie in wolkig-weichen Wellness-Schuhen als in Laufschuhen.

Echt gemütlich, aber funktioniert das auf dem Trail? Ja! Gleich der erste Trailrun auf technisch mittelschweren Mittelgebirgstrails lässt meine Skepsis schwinden.

Trotz seines massiven Aussehens ist der Schuh mit (nachgewogenen) 359 Gramm pro Schuh (bei Größe 46) nicht übertrieben schwer und wirklich toll und agil zu laufen. 

Die Dämpfung ist sowas von komfortabel, nie bin ich bequemer v.a. bergab gelaufen! Ich bilde mir ein, dass meine Gelenke und meine Füße gegenüber anderen Trailschuhen enorm geschont werden und sich mit diesen Schuhen bei langen Läufen oder bei hohen Wochenumfängen Schmerzen vermeiden lassen oder sich diese erst später einstellen.

Die Schuhe vermitteln zudem erstaunlicherweise ein recht direktes Laufgefühl, die "Informationsübertragung" vom Untergrund ist wider Erwarten "störungsfrei", die wurzeligen und felsigen Downhills der Fränkischen Schweiz lassen sich sicher und auch in hohem Tempo bewältigen. 

Insgesamt geht der Schuh gut nach vorn los und lässt sich auch dank des tollen Abrollverhaltens schnell und dynamisch laufen, eine Speedrakete wie etwa der Salomon S/LAB Sense 7 ist der Schuh aber nicht unbedingt.

Auch am Grip lässt sich nichts aussetzen, die fünf Millimeter hohen multidirektional angeordneten Gummistollen der Vibram-Megragrip-Außensohle beißen ordentlich zu.

Genau der richtige Schuh also für meinen Hauptwettkampf 2019, die Salomon 4 Trails? Bei diesem viertägigen Etappen-Lauf in alpinen Gefilden sollte der Schuh seine Stärken ja eigentlich voll ausspielen können.

Nun, was den geschilderten Laufkomfort anbelangt, hat dies auch gestimmt. Auch der in alpinem Gelände notwendige Schutz war durch die Zehenkappe sowie das verstärkte Obermaterial im Vorfußbereich gewährleistet.

Aber auf der ersten Etappe von Seefeld nach Leutasch kam ich mit dem Schuh beim technisch anspruchsvollen Downhill vom Seefelder Joch (2.060 m) ins Gießenbachtal dann doch an Grenzen.

In steilen Querungen hatte ich ein etwas schwammiges Laufgefühl, mein Vorfuß bewegte sich beim Auftreten milimeterweise hangabwärts, was mich unsicher machte. Ein festeres Schnüren brachte dann ein unangenehmes Druckgefühl am Spann. Eine individuelle Geschichte, da bei breiterer Fußform als der meinen kein Problem? 

Zudem hätte ich mir in den schwierigen Passagen dann doch noch einen Ticken mehr Bodenkontakt und damit Gefühl für den Trail erhofft. Mega war der Schuh dann wieder beim Forstweg-Abwärts-Ballern.

In Summe ließen mich die Erfahrungen der ersten Etappe ab der zweiten Etappe zu einem anderen Schuh greifen. Denn Sichehrheit geht vor Komfort.

Fazit: Der Hoka One One Speedgoat 3 ist aus meiner Perspektive ein richtig guter, extrem komfortabler Trailschuh auf langen und ganz langen (Ultra-)Läufen von Forstwegen aufwärts bis hin zu mittelschweren Trails. Auf technisch schweren Trails sind für mich andere Schuhe besser geeignet.

Text von Holger Rupprecht

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