Abenteuerlich schön: Traillaufen um den Königssee in den Berchtesgadener Alpen.

Trailrunner sind immer auf der Suche nach spannenden Strecken durch schöne (Gebirgs-)Landschaften. Die Runde um den Königssee ist bei vielen auf der to-do- oder besser der to-run-list.

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Im Nebel: Am Bootsanlegeplatz in Schönau.

Auf geht's: Start am frühen Vormittag.

Es gibt einige Möglichkeiten, den eindrucksvollen Gebirgssee in den Berchtesgadener Alpen zu umrunden. Konditionsstarke bewältigen das Projekt in einem Tag, man kann aber auch mehrere Tage unterwegs sein und Stützpunkte wie die Wasseralm oder das Kärlinger Haus als Übernachtungsmöglichkeit nutzen. 

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Einsam: Die Fahrt geht vorbei an Christlieger, der einzigen Insel im Königssee.

Der Nebel lichtet sich, ein strahlender Tag beginnt.

Wilder Weg: Auf dem schmalen Viehtriebsteig. 

Wir haben uns an diesem Wochenende Ende September für eine eher kurze Variante entschieden, die wir zudem auf zwei Etappen aufteilen.

Mit dem Schiff der Bayerische Seenschifffahrt geht es am frühen Vormittag in Schönau am Königssee los. Die knapp 10 Kilometer lange Fahrt über den langgestreckten, bis zu 190 Meter tiefen See ist bereits ein Erlebnis für sich. 

Wir starten in dichtem Nebel und kommen in strahlendem Sonnenschein am Südufer des Sees in Salet an. Dazwischen liegt ein nahezu geräuchloses, majestätisches, einstündiges Dahingleiten des durch einen Elektromotor angetriebenen Bootes durch den fjordartig in eine wilde Gebirgslandschaft eingebetteten See. 

An diesem Tag haben wir uns die westliche Seite des Sees vorgenommen. Die kürzeste Verbindung von Salet nach St. Bartholomä ist der Viehtriebsteig, der zunächst nicht erkennbar über eine Kuhweide führt und dessen Einstieg im dahinter liegenden Bergwald versteckt ist. 

Der Charakter des Pfades ist wild. Ungeübten ist der Pfad nicht zu empfehlen, er ist nicht markiert, wird nicht gewartet und an einigen Stellen ist Trittsicherheit erforderlich. Ein Sturz hätte hier tiefe und böse Folgen. 

Der Pfad führt zunächst dicht am Ufer entlang, um dann einige Aufstiegshöhenmeter zu überwinden und schließlich in der sogenannten Saugasse wieder den offiziellen Wanderweg zu erreichen. 

Im Flow: Unterwegs Richtung St. Bartholomä.

Touristenmagnet:  Wallfahrtskirche St. Bartholomä.

Der Downhill durch die Saugasse ist bestens laufbar und ein reines Vergügen, ebenso wie das brettebene Wegstück direkt am See entlang nach St. Bartholomä.

Dort herrscht wie üblich großer Rummel. Hunderte mit dem Boot herübergekommene Touristen erfreuen sich an der barocken Wallfahrtskirche, der Gaststätte und dem bayerischen Bier sowie dem Blick in die beeindruckende Watzmann-Ostwand. 

Wir lassen Touristenmassen und Trubel schnell hinter uns und machen uns auf den - an diesem wunderbaren Herbsttag auch nicht eben einsamen - Aufstieg über den Rinnkendlsteig Richtung Kührointalm. 

Der landschaftlich reizvolle und aussichtsreiche Steig erfordert ein wenig Trittsicherheit und führt durch felsige Passagen mit Trittstufen, Leitern und Drahtseilen. 

Beeindruckend: Blick in die Watzmann-Ostwand.

Während der steilen 800 Höhenmeter ist an Laufen meist nicht zu denken, schon schnelles Gehen treibt den Puls kräftig in die Höhe.

Nach der ersehnten Pasta-Party-Pause auf der etwa 1.400 Meter hoch gelegenen Kührointalm geht es wieder hinab Richtung Ausgangspunkt am Königssee. 

Carbo Loading deluxe: Üppiger Nudelteller auf der Kührointalm.

Aussichtsreich: Gipfelkreuz am Grünstein.

Karte der Strecke. Quelle: alpenvereinaktiv.com

Die Verlockung siegt, noch einen Gipfel mitzunehmen und statt die kürzestmöglichen Variante nach Schönau zu nehmen, entscheiden wir uns, ein paar Höhenmeter zum höchsten Punkt des Grünsteins in Kauf zu nehmen. Angesichts der traumhaften Aussicht auf Watzmann und Königssee, die wir von dort genießen, definitiv die richtige Entscheidung.

Abschließend warten recht steile, aber gut laufbare 600 Downhill-Höhenmeter vorbei an der Bob- und Rodelbahn nach Schönau, gleichermaßen Start- und Zielpunkt der heutigen Königssee-Westufer-Etappe.

 Am Nachmittag, zurück in der Pension, legen wir uns nach einer heißen Dusche kurz hin. Und verlassen das Bett an diesem Tag nur noch kurz, um Verpflegung zu holen.

Statt die heimische Gastronomie zu testen, gibt es eine Pizza aus dem Karton und im Fernsehen die Sportschau. 18 Kilometer und gut 1.200 Höhenmeter waren doch ganz schön anstrengend. Und morgen wartet ja noch Etappe zwei ...

Der "vergessene" Ostufersteig

Über Nacht hat das Wetter umgeschlagen. Am Vortag herrschten eitel Sonnenschein und knapp 20 Grad. Nun regnet es bei 8 Grad. Wir verschieben den Aufbruch und entscheiden uns angesichts der Verhältnisse endgültig, den urprünglichen Plan aufzugeben, die Königssee-Osttufer-Etappe über die relativ hoch gelegene Gotzenalm zu laufen. 

Mystisch: Der Obersee im Nebel.

Stattdessen soll es heute der "vergessene" Ostufersteig sein, der ohne nennenswerte Steigungen am Ostufer des Königsees entlang führen soll und dessen ungefähren Verlauf wir im Internet recherchiert haben. 

Auftakt ist wiederum die Bootsfahrt von Schönau über die gesamte Länge des Königssees nach Salet inklusive des obligatorischen Stopps an der Echowandan der der Kapitän das Steuer mit der Trompete tauscht und ein von zahlreichen Touristen eifrig beklatschtes Ständchen zum Besten gibt.

Könnte der Pfad dort unten verlaufen?

Von Salet aus laufen wir zunächst ein paar hundert Meter Richtung Obersee, der nicht auf unserer heutigen Route liegt, den man aber aufgrund seiner außergewöhlichen und an diesem nebelverhangenen Tag auch ein wenig melancholischen Schönheit keinesfalls verpassen sollte.

Vom Obernsee geht es zunächst zurück zur Anlegestelle und dann ein paar hundert Meter auf dem Wanderweg entlang des Sees in südlicher Richtung. Ab der Abzweigung, wo es östlich aufwärts Richtung Regenalm geht, beginnt der Ostufersteig.

Doch wo genau? 

Die Wegfindung gestaltet sich äußerst schwierig. Immer wieder stehen wir mitten im tiefsten (Ur-)Wald, probieren es hier, scheitern, probieren es dort, kommen ein paar Meter weiter, um dann doch wieder ein wenig nach oben oder nach unten steigen und hier erneut nach dem Trail fahnden zu müssen.

Schnell wird klar: Was auf der gegenüberliegenden Seite für den Viehtriebsteig gilt, gilt hier erst recht und noch viel mehr. 

Wenig vertrauenserweckend: Seilsicherung im Ostufersteig.

Der alte Ostufersteig ist Ungeübten keinesfalls zu empfehlen. Er ist stark verfallen, nicht markiert und in Wanderkarten meist nicht verzeichnet. Aus gutem Grund: Die Gefahr, sich zu verlaufen ist hoch, die Gefahr, sich zu verletzen, auch.

Orientierung schaffen die unbewaldeten Stellen an der Wildtierfütterung sowie der Bootsanlegestelle Kessel, die jeweils schöne Auslicke auf die gegenüberliegende Kirche St. Batholomä eröffnen.

Beweglichkeit gefragt: Umgestürzte Bäume sind zu überwinden.

Wirklich laufbar sind von den knapp 10 Kilometern an diesem nassen Tag für uns nur ein paar hundert Meter. Zum zügigen Wandern reicht es meist. Doch oft rutschen und klettern wir auch durch matschige, teils absturzgefährdete Steilhänge, krabbeln unter umgestürzten Bäumen hindurch, klettern über sie drüber und staksen über wackelige Steine durch das ein oder andere Bachbett.

Zum Teil geht der Steig direkt am fesigen Ufer entlang, an einer Stelle gar durch das flache Wasser des Sees. Trockenen Fußes bleibt man hier nur, wenn man fehlerfrei auf einem im Wasser liegenden rutschigen Baumstamm balanciert. 

Nah am Wasser gebaut...

Die Unternehmung hat den Charakter eines Hindernisrennens, nur dass man keine Startgebühr zahlen muss und die Hindernisse nicht von irgendeiner Event-Agentur errichtet wurden, sondern da sind, weil sie da sind. "The Real Tough Mudder" gewissermaßen.

Empfehlenswert ist der Steig somit allenfalls für orientierungsstarke, körperlich fitte und mit passendem Schuhwerk ausgestattete Fans von eigenverantworteten Abenteuern. Und für jene, die es einsam lieben.

Trocken bleiben! Balanceakt im Ostufersteig.

Zurück in der Zivilisation: Ankunft in Schönau.

Als uns der Pfad am Malerwinkel ausspuckt, haben wir die vergangenen zwei Stunden keinen einzigen Mensch getroffen. Mit einem Male wuseln wieder dutzende Touristen um uns herum. Zeit für einen kräftigen Schlussspurt nach Schönau, wo sich für uns nach zwei tollen Trail-Tagen der Kreis schließt. 

Die Umrundung des Königssees ist - nicht nur, aber auch - für Trailläufer eine immens lohnende Unternehmung, die das Zeug zum Klassiker hat, auch wenn es dabei die eine, "allgemeingültige" Route gar nicht gibt und jede/r gefordert ist, die seinem Leistungsvermögen angepasste Variante zu wählen. 

Schön war's: Wir kommen wieder.

Text von Holger Rupprecht

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4 Kommentare

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AlpinAdventure

Danke für den interessanten Bericht. Selber bin ich bisher nur den Rinnkendlsteig gewandert. Der war schon echt schön in dieser traumhaften Landschaft.

Bitte benennt den "OberNsee" noch in den "Obersee" um. Danke und Grüße

Holger Rupprecht

Hallo Herr Scherer,

danke für Ihre Kritik.

Ich bin der Autor des Artikels und der Ansicht, unsere Leser nicht nur mit dem Hinweis "nur für Geübte" auf den Charakter des Steigs hingewiesen zu haben.

"Die Wegfindung gestaltet sich äußerst schwierig", "Der alte Ostufersteig ist Ungeübten keinesfalls zu empfehlen", "stark verfallen, nicht markiert", "Die Gefahr, sich zu verlaufen ist hoch, die Gefahr, sich zu verletzen, auch", "absturzgefährdete Steilhänge", "unter umgestürzten Bäumen", "über wackelige Steine"…

Diese Beschreibungen machen, wie ich finde, die Risiken des Steigs deutlich.

Wer nach dem Steig im Internet sucht, der findet ihn. Und in den bislang zu lesenden Artikeln wird weitaus weniger deutlich auf dessen Risiken aufmerksam gemacht als ich es getan habe.

Insofern könnte man den Artikel auch als einen Beitrag zu einer realistischeren Einschätzung des Steigs und somit als eine Minderung der von ihnen geschilderten Gefahren lesen.

Viele Grüße

Patrick Scherer

Insbesondere am Ostufer ist die Orientierung stellenweise äußerst schwierig und führt leicht in sehr absturzgefährdetes Gelände auf Laub und Gras. Auch wenn hier mit dem Hinweis "nur für Geübte" versehen, sollten solche Tipps, die im entsprechenden Alpenvereinsführer zu recht als lebensgefährlich beschrieben sind, meiner Meinung nach nicht einem größeren Publikum nähergebracht werden. Selbst Gebietskenner verzichten hier mittlerweile meist auf eine Begehung, was sicher auch den meisten ortsfremden Trailrunnern zu empfehlen ist.

Corinna

Geht auch alles an einem Tag ;-), nur sind wir über die Regenalm und Gotznalm zum Ausgangspunkt, Schönau, zurück. :-)