Philipp Reiter ist einer der besten Trailrunner Deutschlands. Im ALPIN-Interview erzählt der 25-Jährige, wie er vom Skitouren-Wettkämpfer zum erfolgreichen Bergläufer wurde und warum diese Sportart so wahnsinnig Spaß macht.

Du hast einmal gesagt, dass dir der Wettkampfsport nicht in die Wiege gelegt worden ist. Wie hast du das gemeint?

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Ich bin im schönen Berchtesgadener Land aufgewachsen. Da lag es nahe, dass unsere Eltern meine beiden Geschwister und mich schon immer mit in die Berge genommen haben. Egal ob Skitouren im Winter, Radfahren, Klettern oder Lagerfeuer brennen – rückblickend muss ich sagen, dass sie sich wirklich bemüht haben, uns ein Maximum an "draußen"-Erlebnissen zu bieten.

Interview mit Philipp Reiter

Philipp Reiter war erfolgreiches Mitglied der DAV Nationalmannschaft Skibergsteigen.

| © alpin.de

Aber dann mit 13 oder 14 Jahren hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf irgendwelche Naturausflüge. Freunde treffen, Gamesessions, Unsinn machen, aber einen Gipfel erklimmen und sich anstrengen? Wieso?!?! Zumindest eine Zeitlang hatte ich alles andere im Kopf außer Sport. 

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Aber dann mit 15 Jahren habe ich beim Skifahren eine Ausschreibung für ein Skitourenrennen bei uns daheim entdeckt und wollte – aus welchem Grund auch immer – da mitmachen. Aber Mama meinte nur, von nichts kommt nichts. So sind wir zweimal die Woche zum "Trainieren" gefahren. Das Rennen selber war zwar nicht grandios, aber ich habe mit Papas alter Ausrüstung einige Erwachsene überholt. Das hat mich motiviert, ich hatte Blut geleckt ...

Du läufst ja im Winter erfolgreich mit Ski die Berge hoch. Hast du schon immer parallel Trailrunning betrieben?

Nach einigen weiteren Skitourenrennen bin ich zusammen mit Anton Palzer und Josef Rottmoser ziemlich bald in die Skitourennationalmannschaft gekommen. Ab jetzt wurde es ernst. Oder zumindest ernster. Wir haben angefangen, unser Training zu optimieren und schnell war mir klar, dass ich auch im Sommer etwas machen muss, um für die nächste Wintersaison topfit zu sein.

Interview mit Philipp Reiter

Nach seiner Karriere als Skibergsteiger ist der Lehramtsstudent heute einer der bekanntesten Trailrunner Deutschlands.

| © alpin.de

Anfangs ging ich mit meinen Stöcken die Berge hoch, weil das dem Bewegungsablauf im Winter so nahe wie möglich kommt, "Speedhiking" würde man heute wohl sagen. Eines Tages ist ein Bergläufer an mir vorbeigeflitzt und ich dachte: "Irgendwie ist der schneller als ich, das probiere ich jetzt auch."

Doch zu Beginn ist das freilich gar nicht so einfach, der Puls hämmert durch den ganzen Körper, der Atem fliegt und die Beine schreien "Stooooopp". Aber ich habe mich langsam gesteigert, zuerst den Hausberg "Dötzenkopf" mit seinen 400 Höhenmetern durchlaufen, dann einen Gipfel mit 700 Höhenmeter und immer so weiter. Und freilich, wer bergauf laufen kann, muss auch wieder runterrennen ...

Wie wurdest du zum Trailrunning-Profi?

Ich habe ein Jahr lang versucht, beide Sportarten parallel auf hohem Niveau zu betreiben. Das hat anfangs relativ gut funktioniert, aber nach dem Winter war ich platt und ausgelaugt. Mir war klar, dass ich das wahrscheinlich nicht nochmal so durchziehen kann, ich musste wählen.

Da ich im Winter oftmals Probleme mit der eiskalten Luft hatte und nach einem intensiven Rennen tagelang Husten musste, ist mir die Entscheidung ein Stück weit abgenommen worden. Da mir beides wahnsinnig viel Spaß macht, ist es aber jetzt nicht so, dass ich eine Sportart komplett bleiben lasse.

Ganz im Gegenteil, ich trainiere im Winter auch mindestens genauso viel mit den Ski wie in meiner „Wettkampfzeit“ und laufe auch das eine oder andere Rennen mit, aber ich mache mir keinen Druck mehr. Wenn ich Lust habe, mir eine Startnummer umzubinden, dann mache ich das, und wenn nicht, dann eben nicht und gehe eine gescheite Skitour. Ich habe mich sozusagen auf Trailrunning "spezialisiert" und trainiere nun im Winter für den nächsten Sommer ...

Interview mit Philipp Reiter

Manchmal kommt man dem Schnee auch beim Trailrunning näher als gedacht.

| © imago / Eibner

Inzwischen hast du ja jüngst dein erstes Trailrunning-Event "Trail Raid" organisiert. Mit einem besonderen Konzept …

Die Idee hinter dem Trail-Raid ist eigentlich, möglichst vielen Läufern aller Leistungsbereiche die herrliche Bergwelt rund um Bad Reichenhall zu zeigen. Ich laufe da ja (fast) jeden Tag herum, mache Fotos und erzähle Geschichten, was ich auf meinen "Hometrails" so alles erlebe. Das inspiriert viele Läufer gerade aus alpenfernen Flachland-Regionen.

Und genau die will ich einladen, ein Wochenende lang bei uns herumzuflitzen, neue Leute zu treffen und Spaß zu haben. Um ein bisschen mehr als nur einen Community-Lauf zu bieten, wollte ich den Wettkampfgedanken als mehr oder weniger freiwillige Option mit einbauen.

Auf jeder Strecke gibt es drei Segmente, eine Bergwertung, eine Downhillsektion und eine schnelle Flachpassage, es ist also für jeden etwas dabei. Die heurige Auflage war so lustig, ich hätte mir die Sprüche auf der Strecke wirklich aufschreiben müssen. 2. Auflage? Ja, auf jeden Fall, Mitte Mai 2018!

Auf deiner Homepage steht der Spruch "Der Reiz des Unmöglichen besteht darin, es irgendwann doch zu erreichen". Was hast du in Zukunft vor?

Hehe, den höchsten Berg am Mars in Rekordzeit zu erklimmen und am Gipfel im Handstand mit der kleinen linken Zehe zurück zur Erde winken. Nein, freilich Quatsch, ich habe noch viele eigene Projekte im Sinn, die ich gerne machen würde.

Das reizt mich aktuell am meisten: sich selber etwas überlegen, Karten studieren, im Internet recherchieren, Leute befragen und dann ein Tagesprojekt in Angriff nehmen, am besten zusammen mit einem Freund. Das motiviert mich ungemein!

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