Die Alpspitze oberhalb von Garmisch-Partenkirchen ist nicht nur der schönste Berg im Wetterstein. Sie bietet auch – jenseits aller Eleganz – mit der Besteigung über den Klettersteig ein Skischmankerl der ganz besonderen Art.

Eine mächtige, ebenmäßige Pyramide, so wie ein Kind einen Berg malen würde, und obendrauf blitzt das Gipfelkreuz: Wer jemals im Werdenfelser Land war – oder auch bloß durchgerauscht ist –, ist dem Anblick der Alpspitze verfallen. Im Sommer ist sie über den Klettersteig eine häufig überlaufene Tour. Im Winter ist sie für die meisten nur Kulisse, ein Deko-Berg – dabei bietet sie erfahrenen Skibergsteigern ein sehr spezielles Abenteuer.

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Samt einer rassigen Abfahrt, die bei guten Bedingungen das Highlight einer Tourensaison sein kann. Aber dazu sollte es absolut sichere Firnverhältnisse haben, also eine klare, frostige Nacht nach mehrfach durchgefrorenem Schnee mit einem sonnigen Folgetag. Am wahrscheinlichsten treten diese Verhältnisse irgendwann zwischen Fasching und Ostern auf.

© Matthias Fend

Über die Laubhütte und den Stuiben, über die Tonihütte und die Hochalm, über die Schöngänge, über den Ostgrat, über das Grieskar: Es gibt viele Varianten, um die Perle des Wettersteingebirges zu erobern, man kann dabei insgesamt inklusive Gegenanstieg weit über 2000 Höhenmeter fressen – wenn man by fair means geht.

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Aus der Draufsicht erscheint der Durchstieg durch die Schneerinne zu Beginn steiler als in der Realität.

| © Matthias Fend

Die hier vorgestellte Tour über den Klettersteig hat das beste Preis-Leistungs-Verhältnis: Zu christlicher Zeit mit der ersten Bahn hinauf und für schlappe 600 Höhenmeter Aufstieg auf die Alpspitze das Dreifache an Abfahrtsgenuss – inklusive der steilsten Stelle im Ski-Weltcup, dem Freien Fall am Ende der Kandahar-Abfahrt.

Allerdings gibt es keine Umkehr aus dieser Tour, die Bedingungen, die Ausrüstung, die Schwindelfreiheit und die Kondition müssen passen. Wenn das alles der Fall ist – viel Spaß.

Die Tour auf die Alpspitze, 2628 m

Übersichtskarte

| © alpin.de

Ausgesetzte Skitour mit leichten Kletterpassagen und toller Abfahrt. Sollte der Bernadeinlift am Rückweg noch laufen, sind insgesamt nur 600 Hm Aufstieg zu bewältigen.

Schwierigkeit: Skitour, schwer

Dauer: 5 – 5 ½ Stunden

Höhenmeter: 950 Hm (auf) 2220 Hm (ab)

Beste Zeit: März – Mai

Talort: Garmisch-Partenkirchen, 750 m.

Ausgangspunkt: Bergstation Alpspitzbahn, 2057 m.

Route: Von der Bergstation der Alpspitzbahn am Osterfelderkopf ohne Höhenverlust nach Süden (rechts) zum Einstieg des Klettersteigs queren. Hier Ski an den Rucksack, Steigeisen an die Füße, Pickel in die Hand – oder griffbereit an den Rucksack.

Zunächst durch eine steile Rinne, die dann aber gemäßigter wird. Je nach Schneeverhältnissen entweder direkt weiter oder eher rechts haltend dem Klettersteig folgen entlang der Stifte und Drahtseile am Nordwestgrat. Weiter Richtung Gipfelkreuz über zuletzt wenige ausgesetzte Meter.

Die paar Meter vom Kreuz weiter zum Gipfel lohnen wegen der Aussicht ins Höllental! In der ostseitigen Abfahrt nicht zu weit nördlich (links) halten, gelegentlich führen einzelne Spuren auf steile Felsabbrüche zu! Das lawinengefährliche, steile, rassige Oberkar am besten stets einzeln passieren, um dann auf Höhe des Bernadeinkopfs (2143 m) nach Süden (rechts) abzubiegen.

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Die Schattenhänge unter der Stuibenwand haben meist den besten Schnee. Latschenslalom bis unterhalb der Stuibenwand, auf 1550 m nach links auf den engen Waldweg abbiegen. Obacht auf entgegenkommende Aufsteiger!

Bei Firnbedingungen rauscht man am Gipfelhang nur so dahin.

| © Matthias Fend

An der Talstation des Bernadeinlifts mit selbigem oder mit Fellen zur Skipiste oberhalb der Hochalm aufsteigen. Von dort zum Kreuzeck und über die Kandahar- oder die Olympia-Abfahrt zur Talstation der Alpspitzbahn.

Hier geht's zur Tourenkarte der Alpspitze.

ALPIN-Info: Alpspitze – auf das Dach von Garmisch

Sie ist der markanteste Berg im Werdenfelser Land – und lässt sich, bei entsprechender Erfahrung und sicheren Verhältnissen, in einer kurzen, rassigen Tour mit gigantischer Abfahrt besteigen.

Aus dem Schatten der Nordwand der Blick auf den besonnten Höllentalferner.

| © Matthias Fend

Info: GaPa-Tourismus, Richard-Strauss-Platz 2, 82467 Garmisch-Partenkirchen, Tel. 08821 180700, gapa.de

Anreise: Garmisch-Partenkirchen ist mit Auto und Bahn über Innsbruck oder München erreichbar.

Unterhalb der Stuibenwände ist der Schnee häufig am besten – groß verfahren kann man sich hier eigentlich nicht.

| © Matthias Fend

Beste Zeit: März – Mai.

Talort: Garmisch-Partenkirchen, 750 m.

Ausgangspunkt: Bergstation Alpspitzbahn, 2057 m.

Gehzeit: Bergstation Alpspitzbahn – Alpspitze 2 ½ Std., Abfahrt Alpspitze – Talstation des Bernadeinlifts knapp 1 ½ Std., Aufstieg zur Bergstation des Bernadeinlifts 1 Std. (falls der Lift schon geschlossen ist), Abfahrt zur Talstation der Alpspitzbahn 30 Min.

Hütte: Kreuzeckhaus, 1652 m, DAV, kreuzeckhaus-gapa.de

Einkehr: Perfekte Aussicht auf die Tour von der Sonnenterrasse der Kreuzalm (1600 m) – dazu feine Spinatknödel und kühles Weißbier, kreuzalm-garmisch.de

Bergbahn: Alpspitzbahn ab 8.30 Uhr, zugspitze.de (Tourenticket beinhaltet eine Bergfahrt sowie eine Liftfahrt am Bernadeinlift – sofern geöffnet).

Bergführer: Bergführer Werdenfels, bergfuehrer-werdenfels.de; Alpinschule Garmisch, alpinschule-garmisch.de

Literatur: Doris und Thomas Neumayr: Skitourenführer Karwendel, Rofan, Wetterstein, Panico-Verlag, 2014.

Karte: AV-Karte,1: 25 000, Blatt BY 8, Wettersteingebirge / Zugspitze.

Ausrüstung: Skitourenausrüstung, Pickel, Steigeisen, Klettersteigset.

Damit Du auf Tour nicht zu arg ins Schwitzen kommst!

Text von Christian Thiele

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