Auf einer Skitour kann manches schiefgehen. Mit einer sorgfältigen Pflege des Equipments und ein paar kleinen Tricks und Kniffen lassen sich aber die meisten Probleme lösen.

Wenn bei sommerlichen 23 Grad kein Wechselhemd parat ist oder sich beim Wanderschuh die Sohle löst, rangiert das irgendwo zwischen unangenehm und ärgerlich. Wenn aber die Skitourenbindung versagt, das Fell stollt oder vom Ski fällt oder die Handschuhe verlorengehen, kann das üble Folgen haben. 

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Daher ist es im Winter noch wichtiger, sich gewissenhaft auf eine Tour vorzubereiten. Und damit meinen wir nicht die klassische Tourenplanung in Bezug auf Lawinengefahr, Wetter und Schneebeschaffenheit. Sondern wir meinen die technische Vorbereitung. Das geht mit den Ski und der Bindung los. Ist die Bindung noch auf die aktuellen Schuhe eingestellt? Oder habe ich sie am Ende der letzten Saison vielleicht verliehen und mein Schuh passt jetzt nicht in die Bindung. 

Skitour

Besonders bei anspruchsvollen Touren sollte man sich aufs Material verlassen können.

| © Penning

Daheim im Keller ist das schnell behoben. Am Parkplatz ohne Werkzeug wird es schwierig bis unmöglich. Auch darf man die Bindung vor der Saison mal grob checken und hier und da einen Tropfen Öl anbringen. Auch ein Blick auf den Z-Wert, also die Auslöseeinstellung, kann einen vor bösen Überraschungen bewahren. 

Ausrüstung Skitouren

Diese Dinge müssen mit.

| © Birgit Gelder

Sogar ein Schuh sollte mal kontrolliert werden. Wie abgetreten ist die Sohle (ja, auch die kann man bei den meisten Modellen austauschen), schließen die Schnallen noch. Auch hier kann ein Tropfen Öl an den Kontaktpunkten nicht schaden. Lästiges Quietschen der Schuhe kann man mit ein wenig Silikonspray zwischen Schale und Manschette meist beheben. Haben Sie einen Thermo-Innenschuh, also einen, den man mittels Wärme anpassen kann? Dann sollten Sie diesen Vorgang wiederholen, außer Sie haben den Schuh ganz am Ende der Saison gekauft (und angepasst). 

Das kann man mit etwas Vorsicht selber machen (Backofen auf 80 Grad) oder man geht in das Fachgeschäft seines Vertrauens. Die Thermoschuhe verlieren ihre Form mit der Zeit und daher macht das Anpassen einmal pro Saison (für Vielgeher auch öfter) Sinn. Auf die Pflege der Ski gehen wir an dieser Stelle nicht ein. Aber zumindest eine Sichtprüfung ist sinnvoll. Noch haben die Fachkräfte Zeit. Ist die Skitourensaison in vollem Gange, sind die Wartezeiten lang. 

Das muss mit Gewicht Preis
1. Kleines Multitool 66 g 40 Euro
2. 4 Kabelbinder 11 g 1 Euro
3. Tape 23 g 3 Euro
4. 3 Skikletts 11 g 3 Euro
5. Skistock-Teller 13 g 3 Euro
6. Küchenhandtuch 87 g 4 Euro
7. Klebe-Pads (4 Stk.) 26 g 5 Euro
8. Handwärmer (2 Stk.) 27 g 2 Euro
9. Hartwachsriegel 31 g 6 Euro
10. Erste-Hilfe-Set 102 g 6 Euro
11. Rettungsdecke 58 g 2 Euro
12. Sekunden-Kleber 10 g 5 Euro
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Zwischensumme 465 g 80 Euro
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13. Wechselhemd 159 g 40 Euro
14. Leichte Jacke 182 g 199 Euro
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Summe gesamt 806 g 319 Euro

Fell-Probleme

Skitouren Felle wachsen

Wachsen der Felle hilft gegen Stollen.

| © Birgit Gelder

Skitourenfelle bedürfen besonderer Pflege. Und zwar von beiden Seiten. In welchem Zustand ist der Kleber? Nicht mehr gut? Also Transfer-Tape besorgt und neuen Kleber aufgebügelt. Das geht recht einfach und kostet nur ein paar Euro. Nach unserer Erfahrung muss man dazu den alten Kleber auch nicht unbedingt vorher entfernen. Als "Erste Hilfe" auf Tour haben sich Haftkleberpads bewährt, z. B. von Colltex. Die kosten nicht viel, wiegen fast nichts und in der Hosentasche transportiert, können sie die Skitour retten.

Sollte ein Fell nicht mehr ordentlich kleben, einfach eines der Pads aus der (warmen) Hosentasche ziehen und auf den Ski kleben. Fell drauf, fertig. Dazu nur einen Tipp: Die Pads unbedingt wieder vom Fell abziehen, bevor sie warm werden. Sonst bekommt man sie nicht mehr runter. 

Und nun zur anderen Seite des Fells. Felle stollen dann, wenn sie Feuchtigkeit aufnehmen, die dann gefriert. Auch wenn uns einige Hersteller versprechen, dass ihre Felle nicht mehr stollen: Selbst das Profoil von Fischer, an dem kein einziges Haar dran ist, hat bei ungünstigen Bedingungen Stollen angesetzt. Also muss man sein Fell pflegen. Das geht am einfachsten mit Imprägnierspray. 

Skitouren Felle Klebepads

Klebe-Pads helfen, wenn das Fell mal nicht mehr hält.

| © Birgit Gelder

Dazu kann man sich ein (teures) Imprägnierspray der Fellhersteller zulegen. Oder man nimmt ein normales Imprägniermittel aus dem Supermarkt. Ganz wichtig: Das Fell sollte auf jeden Fall ganzflächig auf dem Ski aufgeklebt sein, wenn man es mit dem Mittel einsprüht. Denn wenn es nur aufs Netz aufgezogen ist, landet ein Teil des Imprägniermittels auf der Klebeseite. 

Da wollen wir es aber überhaupt nicht haben. Das Mittel ordentlich trocknen lassen (über Nacht) und den Vorgang während der Saison etwa alle fünf Skitouren wiederholen. Dann sollten keine gröberen Probleme mit Stollen auftreten. Und wenn doch? Ich mache keine Skitour mehr ohne Küchenhandtuch. Auch hier: Das kostet (fast) nichts und wiegt (fast) nichts. Aber ein stollendes Fell damit trocken zu reiben, hat schon viele Skitouren "gerettet". 

Skitouren Gebrochene Bindung

Bindungsbruch: Da ist die Reparatur schwierig.

| © Birgit Gelder

Dann mit einem Hartwachsriegel das Fell ordentlich einreiben und weiter geht es auf Skitour – ohne Stollen. Auch andere Sachen sind für Fellprobleme oft hilfreich. Das sind insbesondere: zwei bis drei Ski-Klettriemen, vier Kabelbinder, stabil und so lang, dass sie auch vorne um den Ski passen, und eine kleine Rolle Tape. So ausgerüstet sollten Sie nie in die Situation kommen, eine Skitour wegen Problemen mit den Fellen abbrechen zu müssen. 

Belag zerstört?

Probleme kann es aber auch mit den Ski geben, z. B. dass sich auch am Skibelag Eis bildet. Das merkt man spätestens, wenn man abfahren möchte und sich nichts tut, obwohl es auffällig bergab geht. Ein Zeichen, dass der Ski mal wieder gewachst werden will. Aber nicht hier und jetzt. Am einfachsten bekommt man das Eis herunter, wenn man beide Ski auszieht und mit der Stahlkante des einen Ski das Eis von dem anderen Ski entfernt. 

Stollen Skitour Fell

Massive Stollenbildung an einem Fell. Mit solchen Stollen kann man nicht mehr weitergehen. Wohl dem, der sich jetzt zu helfen weiß.

| © Birgit Gelder

Hat man einen Stein übel erwischt und der Belag ist richtig aufgerissen, bekommt man auf diese Weise auch das überstehende (und störende) Belagmaterial entfernt. Befinden Sie sich auf einer mehrtägigen Tour, ist es jetzt nicht schlecht, wenn Sie ein kleines Fläschchen Sekundenkleber dabei haben. Den in die Vertiefung des Schadens geträufelt und der Ski ist zumindest zum Kern hin abgedichtet (und kann so nicht aufquellen, weil er innen feucht wird). 

Tourenski haben naturgemäß oft sehr "fransige" Kanten, weil man mal über stumpfe Steine gerutscht ist. Im Powder werden Sie das nicht merken. Aber wehe, der Untergrund wird etwas härter. Eine kleine Feile kann hier schnell für Abhilfe sorgen. Die gibt es im Miniformat schon für die Hosentasche. Ein paar Mal über die Kante gehen und schon sind die Grate weg, an denen man sich übrigens auch übel verletzen kann. 

Aber damit sind wir noch nicht am Ende der möglichen Probleme. Besonders die persönliche Ausrüstung wurde hier noch gar nicht angesprochen. Auf jeder anständigen Skitour gehört nach unserem Ermessen eine warme Jacke ins Gepäck. Primaloft oder Daune ist Geschmackssache, aber egal aus welchem Material: So eine Jacke wiegt nicht mehr als 300 Gramm und bringt, wenn es kalt wird, ein hohes Maß an Wärmeleistung. 

Genauso sollte immer ein Wechselhemd dabei sein. Denn auch wenn man nur leicht geschwitzt hat – mit der Feuchtigkeit in der Wäsche wird es schnell klamm und unangenehm. Darüber hinaus habe ich immer ein Paar Handwärmer dabei. Aus welchen Gründen auch immer kann es mal vorkommen, dass man ungewöhnlich kalte Finger bekommt (oder ein anderer der Gruppe). So ein Thermo-Pad kann da schnell und effektiv Abhilfe schaffen und nimmt weder viel Platz weg noch wiegt es viel. 

Des Weiteren ist ein (leichtes) Multitool mit Zange und Messer und ggf. Schraubendreher oft hilfreich. Auch weiß jeder, der schon mal einen Skiteller verloren hat, wie lästig das bei tiefem Schnee im Aufstieg oder bei der Abfahrt sein kann. Wenn ein Ersatzteller dabei ist, bekommt man den immer irgendwie am Stock befestigt. 

Das alles zusammen ist ein Haufen Zeug. Und unterm Strich kommt dann doch einiges an Gewicht zusammen. Sie sind ja aber nicht alleine unterwegs. Teilen Sie die Sachen auf. Und ein Tourenpartner nimmt dann noch ein Erste-Hilfe-Set und einen Biwaksack oder eine Rettungsdecke mit.

Der ALPIN-Ausrüstungs-Check

Bindung: Ist die Bindung noch auf die aktuellen Schuhe eingestellt? Ist die Bindung geölt und wurde sie auf Funktion geprüft? Ist der eingestellte Z-Wert aktuell? 

Schuhe: Passen die Schuhe? Sollten die Thermo-Innenschuhe neu angepasst werden? Wo sind die Einlegesohlen? Sind die Schnallen in Ordnung? 

Felle: Kleben die Felle noch gut? Sonst mit Transfer-Tape behandeln! Fellseite imprägnieren! Klebe-Pads für den Notfall besorgen! 

Ski und Stöcke: Brauchen die Ski ggf. einen großen Service? Wie sieht der Belag aus? Was machen die Kanten? Wachsen schadet nie! Lassen sich die Stöcke noch verstellen? Sind die Stockteller intakt? 

Bekleidung

  • 2 mitteldicke Funktions-Shirts
  • 1 mitteldickes Merino-Shirt
  • dünne Softshell-Handschuhe
  • dicke, warme, leichte Handschuhe für die Abfahrt
  • Isolier-Jacke leicht
  • Hardshell-Jacke leicht
  • ggf. Softshell-Jacke
  • ¾-lange Unterhose
  • Softshell-Hose
  • Skitourensocken
  • Mütze
  • Stirnband
  • Sonnenbrille
  • Skibrille
  • ggf. leichter Skitouren-Helm

Notfallausrüstung

  • 3-Antennen-LVS-Gerät
  • Schaufel mit Teleskopstiel
  • Sonde
  • ggf. Lawinenrucksack (Airbag überprüft, Kartuschen voll?)

Text von Olaf Perwitzschky

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