Halbseil zum "vernünftigen" Unterwegs sein in alpinem Gelände gesucht.

Frage von R. Ebert, Ilmenau: Um endlich vernünftig alpin unterwegs zu sein, möchte ich mir zwei Halbseile kaufen.

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Die Seile sollen neben Mehrseillängenrouten auch öfter in Kletterpassagen auf Hochtouren und vereinzelt im Winter (2 x pro Saison) fürs Eisklettern eingesetzt werden.

Da ich aber auf Hochtouren das Gewicht leid bin, interessiere ich mich vor allem für leichte Seile wie etwa das Beal Gully 7,3 mit nur 36 g/m.

Ein weiteres interessantes Modell ist das Tendon Master Shield 7.8 mit 38 g/m, das aber keine Verwebung zwischen Mantel und Kern hat (laut Internet), das Beal bietet diesen Vorteil schon.

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Würdest du mir empfehlen, das sehr dünne Beal Gully zu verwenden (wenn Preis und Lebensdauer keine Rolle spielen)? Auch sollen ja an den einzelnen dünnen Strängen regelmäßig zwei Seilpartner nachgeholt werden.

Antwort von Olaf: Wie ich sehe, hast du dich mit dem Thema ja schon intensiv beschäftigt. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Sicherheitsreserve bei Halbseilen sehr hoch ist.

Es gibt zwei Szenarien, bei denen einer der Stränge eines Halbseils manchmal unterdimensioniert ist: beim Nachstieg, wenn an jedem Seilstrang eine Person nachgesichert wird und hier insbesondere bei Quergängen oder Traversen und damit verbundenen (scharfen) Kanten.

Da kann es unter ganz ungünstigen Bedingungen zum Seilriss kommen.

Gletscher: Auch hier kann ein Halbseil als Einfachseil verwendet werden. Allerdings muss es da schon verdammt dumm laufen, wenn es hier zu Problemen (zum Riss) kommen sollte.

Allerdings hast du mit den Prusiks an dünnen Seilen ggf. Probleme. Seilklemmen können hier abhelfen.

Bei Hochtourengraten oder Felspassagen kannst du das Seil doppelt nehmen (wenn du nur einen Strang dabei hast). Dann bist du auf der sicheren Seite (hast aber natürlich auch nur die halbe Abseillänge).

Beim Klettern (Vorstieg) hast du eh immer zwei Stränge. Bei dem Vergleich Beal gegen Tendon gibt es auf beiden Seiten Vor- und Nachteile.

Bei Beal sind Mantel und Kern verbunden, wie du richtig sagst. Das soll den Mantelrutsch verhindern. Der ist bei modernen Seilen aber eh nicht mehr das Problem.

Das Tendon ist sehr haltbar und hat eine super Imprägnierung (gerade beim Eisklettern von Bedeutung).

Ich finde immer ganz wichtig: Man trägt das Gewicht, nicht den Durchmesser. Das scheinen die Leute bei der Seildiskussion oft zu vergessen.

Mehr Fragen von Lesern und Usern sowie die Antworten von Olaf findet Ihr unter: alpin.de/olaf

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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Eure Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Eure Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".

Hier Videos, in denen Olaf Fragen zum Sichern und zum Klettern per Video beantwortet hat:

Text von Olaf Perwitzschky

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