Wie groß soll der Abstand zwischen den einzelnen Personen in einer Seilschaft sein?

Frage von Bernhard L., per E-Mail: Ich gehe schon seit vielen Jahren Hochtouren. Auf Gletschern angeseilt mit Abständen von acht bis zwölf Metern, je nach Größe der Seilschaft. Nun habe ich aber gelesen, dass dies für die Gefahr von Spaltenstürzen stimmt, im steilen Gletschergelände, bei dem weniger die Spaltensturzgefahr als vielmehr die Gefahr von Abstürzen gegeben ist, sollte man am kurzen Seil gehen, um überhaupt eine Chance zu haben, einen Sturz zu halten. Was ist richtig?

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Olaf klärt das schon, Seilschaft Sicherheit

Auf dem Gletscher gilt für gewöhnlich: Seil raus!

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Antwort von Olaf: Auf Gletschern gilt es zu überlegen, was überwiegt: die Gefahr eines Spaltensturzes oder die Gefahr abzustürzen/abzurutschen. Für das Begehen von Gletschern stimmt dein Vorgehen, wobei man bei einer Zweier seilschaft einen noch längeren Abstand wählen sollte. Nimmt die Steilheit des Geländes zu, muss man abwägen, was zu tun ist: Ab einer Neigung von ca. 35 Grad hast du quasi keine Chance mehr, einen Ausrutscher eines Seilschaftsmitglieds zu halten, zumindest nicht, wenn der Vordere stürzt.

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Allerdings ist das Gehen am kurzen Seil auch nicht ganz einfach. Es wird gerade in Fachkreisen (bei den Bergführern) heftig diskutiert. Denn wie sich zeigt, können oft auch sehr erfahrene Bergführer den Sturz eines Seilschaftsmitglieds am kurzen Seil im Absturzgelände nicht halten. Jüngstes prominentes Beispiel ist der tödliche Unfall von Norbert Joos an der Bernina (wir berichteten), der bei einem Seilschaftssturz (Situation: kurzes Seil) ums Leben kam. Wenn selbst Profis sich damit schwer tun, sind "normale" Bergsteiger sicherlich noch viel eher überfordert.

Was also tun? Wenn die Spaltensturzgefahr es zulässt, wäre in vielen Fällen meine Empfehlung: seilfrei gehen. Dann stürzt nur einer und nicht die ganze Seilschaft (bei richtiger Spuranlage). Geht das aufgrund des Geländes nicht, sollte man sinnvollerweise über Fixpunkte sichern, mit etwas Übung vielleicht am laufenden Seil (bei soliden Fixpunkten). Du merkst hier schnell: Wir kommen nun in eine Situation, in der die Sicherheit in Relation zum (Zeit-)Aufwand gesehen werden muss.

Hier findet Ihr alles zum richtigen Sichern in Firnflanken.

Olaf klärt das schon, Seilschaft Sicherheit

Am kurzen oder langen Seil: Je nach Risiko gilt es zu entscheiden.

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Ein sinnvolles Fazit daraus kann eigentlich nur Folgendes sein: Man sollte sich wieder darauf besinnen, dass ALLE Mitglieder einer Gruppe der Tour gewachsen sein müssen. Das heißt wiederum, dass man tatsächlich auch mal seilfrei unterwegs ist (auch wenn das "konservative" Kollegen kritisieren werden).

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In steilen Schneeflanken muss man ggf. über einen Fixpunkt sichern.

| © alpin.de

Und wenn es dann tatsächlich mal schwieriger wird, muss man Passagen über Fixpunkte (Eisschrauben, Haken, T-Anker, Felsköpfel etc.) sichern. Diese Passagen dürfen dann aber nicht allzu lang sein. Ist das der Fall, war die Tour zu schwierig für einen oder mehrere in der Gruppe.

Tipps und Tricks zu Fixpunkten in Schnee und Firn findet Ihr hier.

Stellt sich abschließend noch die Frage, wie man bei dem empfohlenen Vorgehen beispielsweise aufs Matterhorn (über den Hörnligrat) geht? Denn die ganze Strecke von unten bis oben (und wieder zurück) über Köpfl etc. zu sichern, dauert sehr lange (zu lange?!). Da muss dann wieder ein sehr versierter Bergsteiger oder Bergführer dabei sein, der sehr schnell im Handling ist. Sonst läuft einem die Zeit davon und man fängt schnell wieder an zu "hudeln".

Mehr Fragen von Lesern und Usern sowie die Antworten von Olaf findet Ihr unter: alpin.de/olaf

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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Ihre Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Ihre Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".

Weitere Antworten von Olaf aus unserer Video-Reihe:

Text von Olaf Perwitzschky

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