Der Sommer ist da. Und mit ihm die Hitze. Wir sagen Ihnen, wieviel Sie auf Tour trinken solltet.

Wieviel Wasser brauchen wir?

- Anzeige -

Drei Bergsteiger machen eine Bergtour. Einer hat vier Liter Wasser dabei, der andere einen halben Liter isotonisches Getränk und der dritte gar nichts. Welcher der drei soll am Ende mit seiner Taktik recht behalten?

Der Mineralstoff- bzw. Elektrolythaushalt des Körper ist präzise reguliert. Diese Aufgabe übernehmen hauptsächlich die Nieren. In Kombination mit Hormonen kann so auf eine von der Norm abweichende Menge von Mineralstoffen im Blut reagiert werden.

Die für das Flüssigkeitsvolumen entscheidende Komponente der Elektrolyte ist das Natrium, das wir in Form von Natriumchlorid (Kochsalz) über die Nahrung aufnehmen und über Stuhlgang und Schweiß abgeben.

- Anzeige -

Ist zu viel Natrium im Körper, scheiden wir vermehrt Flüssigkeit und Natrium über die Niere aus und umgekehrt. Das kann durch den heute gängigen Verzehr zum Beispiel von Fertiggerichten zur Gefahr werden, da hier im Verhältnis deutlich zu viel Salz enthalten ist.

Der Körper verliert über den Tag Flüssigkeit. Über Urin, Stuhlgang, Atmung und Schweiß gibt er Wasser ab, das durch Trinken ersetzt werden muss. Das Flüssigkeitsbedürfnis wird durch Durst ausgedrückt - ein vom Gehirn regulierter Mechanismus.

Herrscht "Flüssigkeitsmangel", kommt es zum Durstgefühl und zur Hormonausscheidung (des sog. Antidiuretischen Hormons - ADH abgekürzt -, das die Flüssigkeitsausscheidung der Nieren hemmt).

Flüssigkeit auf den Punkt gebracht:

  • Das für den Flüssigkeitshaushalt entscheidende Elektrolyt ist Natrium.

  • Benötigt der gesunde Körper Flüssigkeit, wird das Durstgefühl ausgelöst.

  • In verschiedenen Krankheitsfällen ist eine dem Bedürfnis entkoppelte Trinkmenge sinnvoll.

  • Isotonische Getränke enthalten NaCl, was für längere Vorhaben ohne Essenszufuhr entscheidend werden kann.

  • Trinken ohne Durst ist wie Essen ohne Hunger – Unsinn!

ALPIN-Experte: Dr. Axel Krieter vom Nierenzentrum München.

"Bitte keine Grundregeln!"

In den Medien, unter anderem auch in Fachzeitschriften, wird die benötigte Trinkmengepro Person und Tag seit geraumer Zeit heiß diskutiert. Angaben variieren von einem bis drei Litern, die man pro Tag an Flüssigkeit zu sich nehmen sollte.

Dr. Axel Krieter hat diesbezüglich eine klare Ansicht: "Der Körper holt sich, was er braucht. Der Durst ist genau dafür da anzuzeigen, wann der Körper Flüssigkeit benötigt."

So vereinfacht der Nierenspezialist aus München-Bogenhausen die Thematik, indem er klarstellt: "Trinken ohne Durst ist wie Essen ohne Hunger. Man sollte Durst und Hunger mehr als Gefühl, statt als Pflicht wahrnehmen. Hier sind keine Regeln oder Vorschriften für den gesunden Menschen notwendig."

Damit betont er, dass die genannten Bedürfnisse bewusst und reguliert vom Gehirn ausgelöst werden und dass das durchaus für jeden unterschiedlich sein kann. "Man sollte versuchen, Extremsituationen zu vermeiden, kann sich aber bewusst sein, dass auch solche schon überlebt überlebt wurden."

Das Mantra der Hobbysportler

Es gibt durchaus Situationen, in denen eine erhöhte Trinkmenge trotz fehlendem Durstgefühl nicht falsch ist. Bei Hochleistungssportlern, die beispielsweise bei der Tour de France teilnehmen, ist das Vertrauen auf das Durstgefühl nicht sinnvoll, da hier wirklich alles aus dem Körper herausgeholt werden muss. Also wird hier definitiv früher getrunken.

Für die Flüssigkeitszufuhr während des Sports: Trinkblasen.

Auch bei Krankheiten wie dem Nierensteinleiden ist das Trinken unabhängig vom Durstgefühl angebracht. Die Konzentration des Urins muss hier verdünnt werden, damit der weiteren Steinbildung so gut wie möglich vorgebeugt wird. Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr kann hier Abhilfe schaffen.

Hier geht's zu unserem Artikel "Trinksysteme: Das solltet Ihr wissen"

Des Weiteren gibt es Situationen wie Fieber oder auch Durchfall, in denen zumindest auf die Trinkmenge geachtet werden sollte. Hier benötigt der Körper durch hohen Flüssigkeitsverlust über Schweiß, erhöhten Körperumsatz (beides beim Fieber) und Stuhl (Durchfall) viel Wasser-, aber auch Elektrolytnachschub.

Oft ist aber das Durstgefühl in diesem Krankheitsfall nicht so ausgeprägt, wie es sein sollte. Deshalb ist hier, im Gegensatz zum gesunden Menschen, etwas mehr Augenmerk darauf zu legen.

Krieter sieht jedoch bei vielen Hobbysportlern heutzutage einen "Trinkwahn": "Nach geringster Anstrengung wird eine ganze Flasche Wasser geleert, obwohl es überhaupt keinen Anlass dazu gibt."

Noch dazu ist zu viel salzfreie Flüssigkeit in großen Mengen nicht ungefährlich. Das Salz wird dann im Verhältnis immer weniger und somit gerät der Elektrolythaushalt durcheinander.

Isotonische Getränke enthalten, im Gegensatz zu anderen Getränken Salz. Hier ist also eine Aufnahme - zum Beispiel bei hoher Beanspruchung - durchaus sinnvoll, um nicht zu viel Salz zu verlieren. Der Breitensportler, der nach der Bergtour einkehrt und ein Schnitzel isst, muss jedoch nicht auf solche Getränkezusätze achten, da er über die Nahrung reichlich aufnimmt.

Vorsichtig mit dem vielen Trinken sollte auch der Herzkranke sein: "Bei Herzinsuffizienz kommt es durch vermehrte Flüssigkeitsaufnahme zu Ödembildung, unter anderem in den Lungen", betont der Nephrologe.

Für die drei Bergsteiger ist es letztlich wichtig, im Rahmen zu bleiben. Zu viel zu trinken ist genauso wenig sinnvoll wie zu wenig. Das richtige Maß - orientiert am eigenen Bedarf - zu finden, sollte das Ziel sein.

- Anzeige -

0 Kommentare

Kommentar schreiben