Die Planung einer Bergtour auf einem anderen Kontinent sollte unbedingt Reiseimpfungen miteinbeziehen. Doch nicht nur bei Fernreisen hat das Impfen einen enormen Stellenwert. Auch in den Alpen sind Impfungen wichtig.

Impfung: Ein kleiner Picks mit großer Wirkung.

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Andere Länder, andere Sitten. Damit geht auch eine andere Krankheitsvielfalt im Vergleich zur Heimat einher. Die dort auftretenden Infektionskrankheiten sind allemal eine ausgiebige Vorbereitung wert.

Reisen in Kontinente wie Asien, Afrika und Südamerika bergen Gefahren für die Gesundheit, da Krankheiten auftreten, die es bei uns nicht gibt. Eine Möglichkeit, einem Teil dieser Erkrankungen vorzubeugen, sind Reise-Schutzimpfungen.

Sowohl Hepatitis A und B als auch Cholera, Tollwut und Typhus sind zum Beispiel in großen Teilen Afrikas, Asiens, aber auch Südamerikas verbreitet und das Wissen um die notwendige Prophylaxe vor dem Reiseantritt ist nötig.

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Als Ansprechpartner können in solchen Fällen vor allem der Hausarzt, das Robert-Koch-Institut oder Tropenmediziner fungieren. Doch warum sollte man sich eigentlich impfen und was steckt dahinter?

Immun-Schulung

Das Prinzip einer Schutzimpfung besteht darin, dem körpereigenen Immunsystem beizubringen gegen spezielle Erreger schnell und effektiv reagieren zu können.

Die Fakten:

  • Reiseimpfungen sind sinnvoll und notwendig. Kriterien sind Reisezeit, -art und -gebiet.

  • Die Impfung beruht auf der Aktivierung der Gedächtnisfunktion des körpereigenen Abwehrsystems. Dieses Gedächtnis kann einen gewissen Zeitraum oder lebenslänglich anhalten.

  • Durch Einführung der Impfung konnte die Zahl der "impffähigen" Infektionen drastisch gesenkt und einige Krankheiten sogar ausgerottet werden.

  • Das gesundheitliche Risiko von Impfungen ist im Vergleich zur tatsächlichen Infektion verschwindend gering.

  • Die sorgfältige und konsequente Dokumentation im Impfausweis verhindert das Problem der Überimpfung und die damit verbundenen Risiken.

  • Ansprechpartner zur Beratung beim Thema Impfen sind unter anderem der Hausarzt, Tropenmediziner oder das Robert-Koch-Institut.

Seit der Einführung der Impfung im 19. Jahrhundert ist die Zahl der Infektionen um mehr als 97 Prozent zurückgegangen. Hier eine Impfung in einer schwedischen Schule 1957.

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"Nach jeder durchgemachten Infektion bildet der Körper mit Hilfe einer Gedächtnisfunktion des Abwehrsystems Antikörper gegen den spezifischen Erreger", sagt Dr. Karl-Heinz Ander, Allgemeinmediziner aus München.

Er führt weiter aus: "Es gibt Krankheiten, wie zum Beispiel Röteln, die lebenslang im Gedächtnis bleiben und so bei diesem Menschen nicht mehr auftreten." Die Impfung im Allgemeinen verfolgt denselben Zweck, nur tritt eine Infektion in der Regel nicht auf.

Nicht geimpfte Schwangere gehen ein hohes Risiko ein: Dazu der Experte: "Eine Rötelninfektion in der Schwangerschaft hat fatale Folgen für den Embryo. Deshalb sollte jeder, auch die Männer, zum Schutz des ungeborenen Kindes dagegen geimpft sein."

So wird sowohl das Risiko der Infektion an sich, aber auch die Auswirkung auf das Kind verhindert. Andere Infektionen hinterlassen ebenfalls eine "Notiz" im Gedächtnis unseres Abwehrsystems.

Bei manchen Erregern hält diese aber nur für gewisse Zeit an. Beispiele sind Tetanus, FSME, aber auch Typhus. Hier wird dann nach einem gewissen Zeitraum, der von Erreger zu Erreger variiert, eine Auffrischung ("Boosterung") nötig.

Die Impfung basiert auf der Einbringung von Erreger-Material in abgetöteter oder stark abgeschwächter Form. Dadurch lernt das Immunsystem dessen Oberfläche kennen und bildet Antikörper.

"Es ist also eine Mini-Infektion, die aber in nur sehr, sehr seltenen Fällen zu einer wirklichen Infektion wird." Die Zahl der Impfkomplikationen liegt im einstelligen Promillebereich.

"Das Wichtigste, ob nun für den Bergsteiger, der in ferne Länder reist, oder jeden anderen Bürger in unseren Breiten, ist die Basisimmunisierung im Kindesalter", erklärt der Allgemeinmediziner.

Dazu gehören Diphterie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Masern und Keuchhusten (Pertussis).

Gewissenhafte Dokumentation im Impfausweis schützt vor Überimpfung.

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"Des Weiteren sollte man vor einer Fernreise unbedingt Erkundigungen einholen, welche Impfungen für die jeweilige Gegend Sinn machen und notwendig sind. Zur Beurteilung dessen dient also die Miteinbeziehung von Reisezeit, Reisegebiet und Reiseart", schließt Ander das Thema Reise- und Basisimpfung.

Streitwort Impfmüdigkeit

In den Medien präsent und heiß umkämpft ist die grundsätzliche Frage, ob Impfen überhaupt nötig ist und nicht sogar mehr Schaden als Nutzen bringt.

Doch die Zahlen sind eindeutig: Seit Einführung der Impfung im 19. Jahrhundert ist die Zahl der Infektionen, gegen die inzwischen geimpft werden kann, um mehr als 97 Prozent zurückgegangen.

Zum Beispiel sind die Pocken vollkommen ausgerottet, Diphterie und Masern zu 99,99 Prozent ausgelöscht. Aber auch die Zahlen zu Röteln, Mumps, Keuchhusten und Tetanus liegen nur knapp darunter.

Die endgültige Masern- Ausrottung scheitert bisher aber am vehementen Widerstand der Impfgegner. Die Fallzahlen von Maserninfektionen in Deutschland haben wieder zugenommen.

Die Argumente der Impfkritiker beziehen sich überwiegend auf die Komplikationen. Eine Impfkomplikation ist, nach Robert- Koch-Institut, eine behandlungsbedürftige, über das übliche Maß hinausgehende gesundheitliche Schädigung.

Diese tritt, wie schon erwähnt, äußerst selten auf. Die Rate eines Impfschadens, also der bleibenden Schädigung nach einer Impfung liegt bei unter 1: 1 000 000.

"Die Gefahren der Impfung sind im Vergleich zur tatsächlichen Infektion verschwindend gering", betont der Münchner Arzt. Das Stichwort Herdenimmunität ist entscheidend für den Schutz derer, die aus gesundheitlichen oder altersspezifischen Gründen nicht geimpft werden können.

Ist das Umfeld "durchimpft", kann so die Wahrscheinlichkeit gesenkt werden, dass diese zum Beispiel durch eine Autoimmunerkrankung oder Chemotherapie abwehrgeschwächten Personen krank werden.

Jedoch ist der Gedanke des Gesunden, sich deshalb nicht impfen lassen zu müssen, fahrlässig und gesellschaftlich stark zu hinterfragen. "Die Kritik an der Überimpfung ist jedoch nicht unangebracht", wirft Ander ein.

Überimpfung bedeutet, eine Impfung durchzuführen, die bereits planmäßig durchgeführt wurde und nicht nötig ist. Hier treten vor allem lokale Nebenwirkungen häufiger auf.

"Durch mangelnde Dokumentation im Impfausweis kann nicht nachgewiesen werden, welche Impfungen bereits erfolgt sind. Deshalb sollte jeder die Dokumentation im Impfausweis durch den Arzt konsequent verfolgen!"

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