Einen Bienen- oder Wespenstich kennt wohl jeder. Doch die einen stören sie kaum, während andere mit schweren allergischen Reaktionen kämpfen.

Auf einer Bergtour kann man einigen möglichen stechenden Insekten begegnen. Der Biene oder Bremse auf der Bergwiese, der Wespe bei der Brotzeit oder der Mücke im Matratzenlager.

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Kann richtig schmerzhaft sein: der Stich einer Wespe.

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Gerade bei Bienen und Wespen kann der Schmerz an der Einstichstelle in eine allergische Reaktion übergehen. Diese reicht von der etwas ausgeprägteren Hautreaktion bis zur lebensbedrohlichen Beeinträchtigung von Atmung und Herz-Kreislauf-System.

Gattungslehre

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Die Hymenopteren, wie die sogenannten Hautflügler auch bezeichnet werden, bestehen aus den Familien der Wespen, Bienen und Ameisen. Zur Familie der Wespen gehören auch die Hornissen. Eine Wespe injiziert pro Stich ungefähr zehn Mikrogramm Gift, bei der Biene sind es mehr als 50.

Die Fakten

  • Erst mehrere hundert Bienen- oder Wespenstiche sind für den Nicht-Allergiker lebensbedrohlich.

  • Der einfache Stich fällt durch schmerzhafte Rötung und Schwellung auf.

  • Vorsicht ist bei Kleinkindern, Allergikern und Stichen im Rachenbereich angebracht!

  • Allergiker sollten sich unbedingt an die Expositionsprophylaxe halten und immer ein Notfallset bei sich tragen.

  • Die Therapie der Wahl nach schwereren allergischen Reaktionen ist die Hyposensibilisierung.

Dagegen können die meisten Bienen aufgrund der Widerhaken am Stachel nur einmal zustechen, da der Stachel häufig in der Haut verbleibt und die Biene zu Grunde geht. In Deutschland sterben jährlich 20 Menschen an den Folgen von Bienen- oder Wespenstichen.

Der Stich einer Hornisse ist nicht  als der einer Wespe.

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Im Volksmund gilt: "Sieben Hornissenstiche töten ein Pferd." Aber: Der Stich der Hornisse ist nicht gefährlicher als der einer Wespe. Lebensgefährlich wird es erst bei mehreren hundert Stichen.

Die Todesfälle treten meist bei Allergikern auf, die um ihre Allergie nicht wissen oder schlecht versorgt werden. Ihnen kann schon ein Stich schwere Probleme bereiten kann.

Der normale Stich

Für den Nicht-Allergiker ist der Stich "nur" unangenehm, er muss keine Folgereaktionen befürchten. Es tritt meist eine Rötung und Schwellung um die Einstichstelle und ein Brennen auf, das auch in Jucken übergehen kann.

"Bei Wespenstichen ist das Schlimmste oft schon nach ein paar Minuten ausgestanden", erklärt Dr. Georg Heilgemeir. Er ergänzt: "Bei manchen Stichen kann es ein paar Tage dauern, bis die Schwellung und das Brennen oder Jucken ganz verschwunden sind."

Gefährlich können einzelne Stiche bei Kleinkindern werden oder dann, wenn sich der Stich im Rachenraum befindet, da hier durch die Schwellung ein Atemhindernis entstehen kann und man im schlimmsten Fall erstickt. Dies kündigt sich meist durch ein Kloßgefühl im Hals an.

"Wenn möglich sollte dann sofort ein Arzt aufgesucht werden. Die Erste-Hilfe-Maßnahme abseits der Zivilisation ist das Kühlen, zum Beispiel durch kaltes Wasser", beschreibt Heilgemeir die notfallmäßige Vorgehensweise während der Bergtour.

Allergiker-Regeln

Dr. med. Georg Heilgemeir.

Die größten Probleme nach Wespen- oder Bienenstichen haben aber Allergiker. Ihnen reicht schon ein Stich, um ausgeprägte Beschwerden zu zeigen. Heilgemeir dazu: "Der Allergiker wird in den meisten Fällen beim ersten Stich sensibilisiert."

Hierbei treten typischerweise noch keine schlimmeren Symptome auf. Jedoch wird das Abwehrsystem in diesem Moment aufmerksam gemacht und reagiert beim nächsten Stich oft heftig. "Es kann zu einer überschießenden örtlichen Reaktion der Haut, aber auch zum Anschwellen der Atemwege oder einer Beeinträchtigung der Herz-Kreislauf-Funktion kommen."

Die letzten beiden Punkte stellen eine absolute Lebensbedrohung dar, deshalb sollte der Allergiker den Kontakt mit den Insekten tunlichst zu vermeiden versuchen. "Zuerst einmal gibt es hier ganz einfache Tricks im Rahmen der sogenannten Expositionsprophylaxe", beginnt Heilgemeir dieses wichtige Thema.

  • Kein Essen oder Trinken (vor allem zuckerhaltige Getränke) im Freien!

  • Kein Barfußlaufen, besonders auf Wiesen und Rasen!

  • Anbringen von Insektengittern an Fenstern und Türen, diese tagsüber geschlossen halten!

  • Gut bedeckende, eher enganliegende und einfarbige Kleidung tragen!

  • Keine Haarsprays oder Parfüms!

Bei Anwesenheit von Wespen oder Bienen sollten schnelle Bewegungen vermieden werden, da diese das Stechen wahrscheinlicher machen.

Hyposensibilisierung

"Jeder Wespen- oder Bienenstich-Allergiker sollte ein vom behandelnden Arzt zusammengestelltes Notfallset mit sich führen", rät der Augsburger Spezialist eindringlich. Dieses Set enthält Antihistaminika, Kortikosteroide und als absolutes Notfallmedikament Adrenalin. Letzteres wird in der Notsituation gespritzt.

Es gibt jedoch eine Therapiemöglichkeit, die die Heilung bei vorangegangener schwerer allergischer Reaktion ermöglichen kann, die sogenannte Hyposensibilisierung. "Das Prinzip ist eine Gewöhnung des Abwehrsystems an die Stoffe, gegen die es überreagiert."

Wespen können mehrmals zustechen, Bienen in der Regel nur einmal.

Hierbei wird über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren eine bestimmte Dosis Bienen- oder Wespengift unter die Haut gespritzt. Anfangs normalerweise wöchentlich, dann in immer länger werdenden Intervallen von vier bis sechs Wochen.

"Die Rate derer, die nach Therapieende keine systemischen Reaktionen mehr zu erwarten haben, ist vielversprechend. Bei Bienenstichen sind es 80 Prozent und bei Wespenstichen über 95 Prozent", betont Heilgemeir.

Abschließend beschreibt er, wie hier der Therapieerfolg überprüft wird: "Nach einem halben Jahr kommt es zum ersten Stichprovokationstest. Unter ärztlicher Betreuung wird kontrolliert ein Stich provoziert und die Reaktion abgewartet."

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