An der Großen Zinne wurde Geschichte geschrieben – Alpingeschichte. Der Berg an sich ist für viele ein einmaliges Highlight: Von Norden eine schier unbezwingbare Mauer, ist er von Süden her leichter zu besteigen und zu genießen!

Vielleicht erhascht man im ersten Morgenlicht schon einen kurzen Blick auf die Nordwände. Vom Drei-Zinnen-Blick aus dem Höhlensteintal. Ansonsten nähert man sich dem Mythos Zinnen ganz unspektakulär. "Die Leute suchen immer die Zinnen, wenn wir mit ihnen hier heraufkommen", erklärt Joe Rainer, Bergführer der Alpinschule Sexten, auf dem Parkplatz des Rifugio Auronzo.

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"Schritt für Schritt" auf die Große Zinne ist aus ALPIN 01/2019. Das Heft mit der Tourenkarte findet ihr in unserem Webshop zum nachbestellen. 

| © www.alpin.de

"Die kennen die Drei Zinnen eben nur von ihrer spektakulären Seite, von Norden. Wenn sie erfahren, dass sie erst mal laufen müssen, haben manche keine Lust mehr." Wir hingegen schon. Nicht mal die 30 Euro Maut für die Auffahrt hätte uns geschreckt – zu groß ist die Faszination, die von diesem Gipfel ausgeht. Doch zum Glück saßen wir in Joes Auto. Er hat ein Jahresticket.

© Andreas Erkens
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Und Joe ist nicht ohne Grund dabei. Nicht wegen der Kletterschwierigkeiten, die nur kurz den unteren vierten Grad erreichen. Nein, an der Großen Zinnen, diesem Meer aus Stein, ist Orientierung das entscheidende Kriterium. Und Joe kennt die Route bestens: "Du glaubst nicht, wo die Leute überall herumklettern", grinst er. Für den schnellsten Weg braucht man rund drei bis vier Stunden.

Eine lohnende Investition: wegen der herrlichen Aussicht auf Cadinspitzen, Antelao, Zwölferkofel und viele mehr. Doch die abwechslungsreiche Kletterei in oft festem Fels in die enge Schlucht, über die 1., 2. und 3. Scharte, den glatten Kamin, das Ringband und den bösen Block lohnt vor allem aus einem ganz anderen Grund: weil die Große Zinne einfach ein Traumberg ist.

In der Slideshow nehmen wir Euch Schritt für Schritt mit auf die Große Zinne:

ALPIN Info&Tour

Der Normalweg ist eine abwechslungsreiche, teils luftige Kletterei auf der Südseite der Großen Zinne. Sie fordert gute Orientierung und bietet herrliche Blicke auf Cadinspitzen und Co.! Auf der Südseite kommen Plaisirkletterer auf ihre Kosten. 

  • Klettertour, leicht, III+/IV–

  • Dauer: 7 – 8 Std.

  • Höhenmeter: 750 Hm im Auf- und Abstieg

  • Beste Zeit: Juni bis September

  • Talort: Misurina, 1756 m

  • Ausgangspunkt: Parkplatz am Rifugio Auronzo, 2320 m

  • Info: Tourismusverein Sexten, I-39030 Sexten, drei-zinnen.info

  • Anreise: Autobahn A22 bis Brixen/Vahrn (Pustertal) – SS49 Pustertal – Bruneck – Toblach – Schluderbach – Misurinasee – Mautstraße Rif.Auronzo.

  • Gehzeiten: Rif. Auronzo – Einstieg ¾ Std., Einstieg – Gipfel 3 – 3½ Std., Abstieg 3 – 3½ Std.

  • Unterkunft: Family Resort Rainer, Tel. +39 0474 710366, familyresort-rainer.com

  • Einkehr: Rifugio Auronzo, Tel.+39 0435 39002, rifugioauronzo.it

  • Bergführer: Alpinschule Drei Zinnen, Tel. +39 0474 710375, alpinschule-dreizinnen.com

  • Literatur: Axel Jentzsch-Rabl, Andreas Jentzsch: Klettern im leichten Fels, Alpinverlag, 2014.

  • Karten: Tabacco, 1:25.000, Blatt 010, Sextener Dolomiten; Kompass, 1:25.000, Blatt 625, Sextener Dolomiten, Naturpark Drei Zinnen.

  • Ausrüstung: Kletterausrüstung, 60-m-Einfachseil, evtl. Grundsortiment Klemmkeile und Friends.

Route: Vom Rifugio Auronzo Richtung Lavaredohütte. Auf Steig in die Schlucht zwischen Großer und Kleiner Zinne. Dort links über Rampe (I) in die Schlucht, durch diese bzw. links davon zur 1. Scharte (II) zwischen Vorbau und Südwand. Auf Plattform nach links und durch Rinne (II) zur 2. Scharte. Dort links haltend durch breite Schlucht (I) zur 3. Scharte und leicht rechts über kurze steilere Passage (III) zu einem Schotterband mit Abseilring. 

Über gestuftes Gelände (II) zu Rinnen bei Gedenktafeln und über sie auf einen Absatz unter markanter Schlucht. An dem Pfeiler links davon hinauf (III) und rechts über die Rinne zum „Glatten Kamin“ (III+, Schlüsselstelle). Hinauf bis zur Scharte. Dort links Steilstufe (III) zu Band, flach links über Block und hinauf (I) zum oberen Ringband. 

Dort längeres Stück nach links wandern und dann über leichte Rampe (I) Richtung Gipfel. Durch kaminartige Rinne (III–), und anschließend leicht rechts zum „Bösen Block“ (III). Um ihn herum und durch Verschneidung ins Gehgelände bis zum Gipfel. Abstieg wie Aufstieg.

Den GPS-Track zur Route findet ihr hier!

Große Zinne: Klickt Euch durch eine Fotogalerie mit Extrabildern zur Tour.

Text von Andreas Erkens

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