Das Begehen von Schnee- und Firnflanken in allen erdenklichen Steilheiten gehört zum Basis-Rüstzeug eines Alpinisten. Dabei gibt es Grundlagen zu beachten, die einem das Leben deutlich leichter machen.

Die Verhältnisse in Schnee- und Firnflanken sind je nach Jahreszeit, Tageszeit und aktuellen Wetterverhältnissen sehr unterschiedlich und bestimmen die geh- und sicherheitstechnischen sowie die konditionellen Anforderungen.

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Eine harte Schneeauflage ist oft sehr einfach, sicher und kraftsparend zu begehen.

Nach schneereichen Wintern oder ergiebigen frühsommerlichen Neuschneefällen kann man auf Hochtouren knie- bis hüfttiefen Schnee antreffen, der ohne Ski oder Schneeschuhe nur mit hohem Kraftaufwand zu begehen ist. Nach frühsommerlichen Schönwetterperioden ergeben sich auf Hochtouren oft ab ca. Mitte Juni günstige Firnbedingungen mit "gutem Trittfirn" (ein gesetzter Altschnee mittlerer Härte, der nach der Begehung ein charakteristisches, regelmäßiges Spurbild mit stabilen Trittflächen für die gesamte Schuhsohle hinterlässt).

Bei diesem günstigen Trittfirn können steilere Schneeflanken oft problemlos mit, oftmals sogar ohne Steigeisen begangen werden. In der gleichen Flanke kann man im Spätsommer oder Herbst sehr harten Firn oder bei vollständiger Ausaperung hartes Eis antreffen, das einen beherzten Steigeisenund Pickeleinsatz mit Frontalzackentechnik und Standplatzsicherung erfordert.

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Ähnliche Anforderungen stellen hartgefrorene Firnrinnen am Morgen oder auf Schattenseiten dar, welche man auch schon im Frühsommer antreffen kann. Die Anforderungen an eine Begehung sind dabei abhängig vom tageszeitlichen Gang der Schneehärte ("sehr hart" bis zu "sehr weich"), welche durch Temperaturanstieg und Sonneneinstrahlung hervorgerufen wird.

Nach Neuschneefällen oder warmen Nächten ist die Spurarbeit sehr mühsam.

Hier gilt es das optimale Zeitfenster für eine Begehung zu finden. Die Anforderungen einer Begehung können auch stark variieren, je nachdem ob eine neue Spur angelegt wird oder eine vorhandene gut angelegte Spur benutzt wird. Generell gilt der Grundsatz, dass bei einem nicht mehr absolut sicheren Stehgefühl Steigeisen angelegt werden sollten. Schlechte Sohlen verringern die Sicherheit.

Gehen mit Steigeisen

Generell gelten hier ähnliche Gehtechniken wie beim Gehen ohne Steigeisen. Bei der Vertikalzackentechnik wird normalerweise ein Pickel zur Stabilisierung des Gleichgewichts bergseitig als Stützpickel (Spazierstockpickel) im Wechsel mit den Steigeisenschritten in einer Art Dreiertakt eingesetzt (Pickel-Schritt-Schritt, Pickel-Schritt-Schritt). Bei der Frontalzackentechnik wird der Pickel als Kopfstütz-, Kopfzug- oder Schaftzugpickel eingesetzt.

Die Diagonaltechnik (Pickel-Schritt-Pickel-Schritt) ermöglicht dabei ein ziemlich rhythmisches und kraftsparendes Steigen. Vertikalzackentechnik (für flaches bis mittelsteiles Gelände < 50 Grad): Aus einer hüftbreiten, stabilen Ausgangsstellung (Vergrößerung der Standfläche) werden die Tritte mit den Sohlenflächen parallel zum Hang gesetzt, damit möglichst alle vertikalen Steigeisenzacken ins Eis eindringen können und einen sicheren Halt ermöglichen. Zweckmäßig ist außerdem eine nach vorne V-förmig geöffnete Fußstellung („Charlie Chaplin“), ein bewusstes Anheben und Setzen der Füße sowie eine ausgeprägte Gewichtsverlagerung auf das neue Bein („Seemannsgang“).

Es wird mit Übersetzschritten (ähnlich Schlittschuhlauf) oder Nachsetzschritten angestiegen. Frontalzackentechnik (für steiles Gelände > 50 Grad): In wenigstens hüftbreiter Beinstellung werden die Frontalzacken abwechselnd und möglichst senkrecht zur Firn- oder Eisoberfläche mit kleinen Schritten gesetzt oder eingeschlagen. Dabei sollte auf einen ausgeprägten Belastungswechsel geachtet werden und die Beinarbeit Vorrang zum Höhengewinn haben. Durch leichte Absenkung der Ferse beim Setzen bekommen beide Frontalzackenpaare bessere Stabilität. Bei Querungen werden die Steigeisen mit Nachsetzschritten eingesetzt.

Experten-Tipp: Sicher unterwegs in Schnee und Firn

Ernst Söllner: Schuster-Fachberater Hardware Eis & Fels.

  • Steigeisen gehören immer ins Gepäck, auch wenn man sie ggf. nicht braucht.

  • Schnee- und Firntouren lassen sich am besten im Spätfrühling oder Frühsommer begehen.

  • Frühes Aufstehen lohnt sich oftmals, da dann die Schneefelder noch hartgefroren sind.

  • Der Einsatz von Steigeisen sollte sich danach richten, ob man ein sicheres Stehgefühl hat.

  • Lieber einmal zu viel mit Steigeisen gehen als einmal zu wenig.

Vertikale Auf- und Abstiege

Legen Sie die Tritte breitflächig mit der Trittfläche waagrecht bis hangeinwärts und mit hüftbreitem Abstand an. Bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie Sie die Tritte kraftsparend anlegen (im tiefen Schnee verdichten, im harten Firn energisch treten) oder vorhandene Spuren begehen (bei Harschdeckel vorsichtig belasten und bei ausgeschmolzener Spur mit dem Sichelschritt nacharbeiten). Benützen Sie Skistöcke zur Stabilisierung des Gleichgewichts und zur Entlastung der Beinmuskulatur.

Abstieg: Sie steigen aus einer hüftbreiten stabilen Stellung mit dem Gesicht zum Tal ab und legen die Trittstufen hangeinwärts an, wobei Sie die Schuhspitzen leicht anziehen und mit der Ferse kräftig auftreten. Dabei wird der Oberkörper ausgeprägt nach vorne gebeugt. Die Abwärtsdynamik Firnkann dabei gut zum Verdichten von stabilen Trittstufen genutzt werden. Wenn der Hang zu steil wird, kann auch mit dem Gesicht zum Hang abgestiegen werden. Dabei darauf achten, die Tritte nicht zu tief zu setzen (Gefahr nach hinten zu kippen!)

Schrägaufstieg/Querungen

In mittelsteilem Gelände steigt man am günstigsten schräg in Serpentinen an. Dabei werden die Trittstufen waagrecht bis hangeinwärts für die ganze Sohlenfläche angelegt. Bei hartem Firn werden die Stufen mit einem sogenannten Sichelschritt aus dem Kniegelenk heraus gehauen.

Steile und harte Firnfelder können mit dem Gesicht zum Hang sehr sicher gequert werden. Wichtig ist dabei, dass der Nachstellfuß in die zuvor angelegte Trittstufe gesetzt wird und dass man sich am Hang abstützt. Zur Stabilisierung des Gleichgewichts können Teleskopstöcke oder ein Pickel eingesetzt werden.

Text von Andreas Wölki

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