Smartphone-Apps für die Tourenplanung und Navigation am Mountainbike gibt es viele. ALPIN stellt die besten vor, erklärt die wichtigsten Funktionen und erläutert, was bei der Nutzung sonst noch wichtig ist.

Eines vorneweg: An dieser Stelle geht es nicht primär darum, ob und inwieweit ein Smartphone sich als Navi und Radcomputer am Mountainbike eignet. Ein schlagkräftiges Pro-Argument ist, dass die meisten Biker ein solches Telefon besitzen und somit ohne große Zusatzinvestition in die Outdoor-Navigation starten können.

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Einzig die geeigneten Karten und Apps fehlen noch, und um genau die geht es in diesem Artikel. Wir beschränken uns auf die Handy-Betriebssysteme von Google und Apple. Sofern nicht anders angegeben, sind alle genannten Apps also für Android und iOS verfügbar.

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Die Cyclomount-Halterung von Oso sitzt fest und ermöglicht die vollständige Bedienung des Smartphones.

| © Osomount

Navigation ohne Internet

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Ein GPS-Chip als zwingende Voraussetzung für die Navigation steckt in jedem Smartphone. Wichtig im Gebirge ist darüber hinaus, dass Kartendarstellung und Navigation offline funktionieren, also auch ohne Internet. Die Online-Navigation wie bei Google Maps würde wegen der großen Karten-Downloads unnötige Kosten verursachen und an vielen Stellen zudem nicht funktionieren.

Für die Offline-Nutzung laden Sie die digitalen Landkarten für Ihr Bike-Gebiet also im WLAN zu Hause auf das Smartphone. Keine Sorge, das klingt etwas kompliziert, ist aber über die Apps ganz einfach. Wichtig im Gebirge sind natürlich auch Höhenmeter und -profil, doch auch diese Daten sind in den Applikationen automatisch drin.

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Komoot bietet beim Sport Sprachanweisungen wie ein Navigationsgerät im Auto, darüber hinaus aber auch alle wichtigen Daten zum Mountainbiken.

| © Komoot

Viele Apps sind kostenlos, die übrigen kosten maximal zehn Euro. Bei den Gratis-Apps fallen aber teilweise Gebühren für das Herunterladen der Karten an. Außerdem beanspruchen die Daten abhängig von der Größe des Gebietes bis zu einigen GByte Speicherplatz im Gerät oder auf der Micro-SD-Karte.

Im Ergebnis können Sie Ihr Smartphone draußen ohne Internet-Verbindung und damit auch im Grenzgebiet und im Ausland ohne zusätzliche Roaming-Kosten zum Navigieren verwenden. Nur für die Tourenplanung ist teilweise der Netzzugang erforderlich, die Routen lassen sich dann aber zuvor zu Hause planen und offline speichern.

Vollautomatisch zum Ziel

Komoot bietet wie das Navi im Auto eine vollautomatische Navigation zum Ziel inklusive Sprachanweisungen. Man gibt Start und Ziel ein (Zwischenziele sind möglich), wählt als Sportart "Mountainbike", tippt auf "Tour planen" und "Los geht’s". Die App zeigt Entfernung, Fahrdauer, Höhenmeter auf- und abwärts, ein Höhenprofil und die prozentualen Streckenanteile mitsamt der Singletrails.

Sinnvoll nutzen lässt sich alles nur, wenn man in der App Karten kauft. Eine Einzelregion (z. B. Innsbruck) kostet 3,99 Euro, eine Region (z.B. ein Kanton in der Schweiz) 8,99 Euro und die komplette Welt 29,99 Euro. Dafür verspricht der Hersteller lebenslange Updates. Über das Webportal komoot.de lassen sich eigene Touren planen oder fertige GPS-Tracks importieren, um sie dann mit dem Smartphone zu synchronisieren und dort zu nutzen. Fazit: bequem und einfach.

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GPSies (links) ist eine riesige Track- und Routensammlung, eine gewählte Tour lässt sich auf dem Smartphone in eine andere Navi-App übernehmen (rechts: OSMAnd).

| © GPSies

Deutlich mehr Funktionen umfasst Viewranger, darunter eine umfangreiche Tourenplanung innerhalb der App. Zudem bietet Viewranger neben den ausgezeichneten, aber nicht ganz preiswerten Rasterkarten (z. B. Österreich: 120 Euro) die Möglichkeit, die kostenlosen Open Street Maps bzw. Open Cycle Maps zu laden.

Ferner kann man auf eine umfangreiche Routensammlung zurückgreifen, zum gewünschten Ziel navigieren, Tracks aufzeichnen, einen Radcomputer anzeigen und vieles mehr. Einen Nachteil haben die vielen Funktionen aber doch: Die Bedienung erschließt sich nicht sofort von selbst, da müssen Sie sich etwas hineinfuchsen. Es lohnt sich aber und die ausführliche deutsche Webseite viewranger.com/de hilft dabei.

Outdooractive bildet die Basis des Portals alpenvereinaktiv.com, ist jedoch auch als eigenständige App verfügbar. Die Premium-Version kostet im Jahresabo 30 Euro und bietet das Offline-Speichern von Touren und Karte, die Navigation sowie aktuelle Wetterinformationen.

Für Android-Nutzer eine Empfehlung sind ferner das kostenlose Oruxmaps sowie Locus Map. Deren Pro-Version kostet 8,50 Euro und beinhaltet den Import so gut wie aller Karten, Navigation, Radcomputer mit Kopplung von Funksensoren für Herz- und Trittfrequenz, Wettervorhersage und noch sehr viel mehr. Wenn Sie sich für Locus Map entscheiden, finden Sie im Internet unter tinyurl.com/jdmw49z eine ausführliche Anleitung.

Zielführung

Es ist gerade einmal ein paar Jahre her, da war der radspezifische Online-Routenplaner Naviki auf der Computermesse Cebit ein heimlicher Star – so etwas hatte es zuvor nicht gegeben. Seitdem wurde Naviki weiter entwickelt, unter anderem ist die Navigation fürs Mountainbike hinzugekommen. Wie gut das funktioniert, kann man zunächst auf der Webseite naviki.org ausprobieren. Die Basis-App ist zwar kostenlos, diverse „Extras“ (Werbung entfernen, Navigationsanweisungen, interessante Orte, Routenplanung für MTB und Offline-Karten) treiben den Preis aber schnell auf rund 20 Euro.

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Die Alpenvereinaktiv-App eignet sich zum Planen eigener Routen, alternativ lassen sich Touren aus der Datenbank samt passender Karte offline speichern.

| © Alpenvereinaktiv

Etwas beschäftigen muss man sich mit Apemap, auch weil der Download kostenloser Karten erst auf den zweiten Blick sichtbar wird ("Menü -> Download-Button -> Karte speichern: Gesamt -> Kartenauswahl -> herunterladen"). Zudem belegt das Offline-Material sehr viel Platz im Speicher des Telefons, alleine die Höhendaten von Europa beanspruchen fast ein GByte.

Schon deshalb lässt sich die App nicht auf jedem Gerät nutzen. Eine automatische Zielführung sucht man vergebens, da hilft nur das etwas umständliche manuelle Hinzufügen von Navigationshinweisen. Bevor Sie gleich aufgeben, werfen Sie einen Blick in die detaillierte Dokumentation http://apemap.com/wiki/index.php/Hauptseite oder in die Videoanleitungen auf YouTube http://tinyurl.com/zhuz53q

Sehr einfach zu bedienen ist die Falk Outdoor App, die allerdings nur für Android zur Verfügung steht. Die App selbst ist kostenlos, Länderkarten kosten je nach Größe zwischen fünf und zehn Euro.

Weitere Apps

Nicht speziell fürs Mountainbiken konzipiert, stellt die App OSMAnd ("Open Street Maps Automated Navigation Directions") nur in der Android-Version eine gute Allround-Navigation mit optionaler Sprachausgabe dar. Bedienung und Benutzerführung sind ähnlich einfach wie beim Navi im Auto, die Ersteinrichtung mit der zusätzlichen Installation der Höhenlinien (Kosten 1,99 Euro) dagegen unnötig mühsam.

Die nicht eingeschränkte App kostet gut sieben Euro, in der Gratisversion lassen sich nur Karten von sieben Regionen laden, wobei ein Bundesland als eine Region zählt.

Zugriff auf einen riesigen Fundus von weltweiten Routen bieten Webseite und App von GPSies, diverse Filter helfen bei der Auswahl passender Touren – auch fürs Mountainbike. Für die Navigation eignet sich GPSies aber nicht, vielmehr lädt man eine Strecke als GPX-Datei herunter und importiert sie dann automatisch in eine andere App wie die genannte OSMAnd.

Alpenvereinaktiv ist zwar keine Navi-App mit direkter Zielführung, bietet aber gerade auch fürs Mountainbiken einen großen Fundus an fertigen Touren. Neben Beschreibung, praktischen Hinweisen, Höhenmetern und -profil ist besonders die praktische "Offline speichern"-Funktion zu nennen, die sämtliche Tour- und Kartendaten in einem Rutsch auf dem Smartphone speichert.

Wer es schließlich sportlich mag, kann sich über das soziale Sportnetzwerk Strava zum internetbasierten Tracking mit anderen messen. Die Strava-App lässt sich auf Android-Geräte und das iPhone laden.

Text von Peter Stelzel-Morawietz

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