Bei der Tourenplanung im Herbst gibt es ein paar Besonderheiten, auf die man bei der Tourenplanung unbedingt achten sollte.

Was ist, wenn die meisten Mountainbiker ihr Rad einwintern, Kletterer sich auf die Hallensaison einstellen und die Touristen sich in die heimischen Gefilde verabschieden? Richtig. Es ist Herbst. Aus meteorologischer Sicht beginnt der bei uns am 1. September und geht bis Ende November. Für manchen Bergfreund zählt diese Zeit zur besten Tourensaison. Das liegt nicht nur daran, dass es deutlich weniger Menschen in die Berge zieht und spür- und hörbar Ruhe aufkommt.

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Auch das ist ein Reiz, den man imHochsommer so nie haben wird: Eisblumen mal anders.

| © Birgit Gelder

Vor allem die klimatischen Bedingungen sorgen für eine gewisse Entspannung unterwegs. Der Grund ist eine oftmals stabile Schönwetterperiode. Zwar wandert die polare Frontalzone Richtung Süden und die Niederschlagszonen greifen wieder häufiger auf das mitteleuropäische Festland zu. Allerdings kommt es nach einem ersten Kaltlufteinbruch Ende August im September häufig zu einer länger andauernden Hochdruckwetterlage, dem sogenannten "Altweibersommer".

Grund ist ein Festlandshoch über Osteuropa, das trockene Luft nach Mitteleuropa bringt. Eine Erklärung verortet den Begriff "Altweibersommer" übrigens in der germanischen Mythologie. Mit dem Begriff "weiben" bezeichnet das Althochdeutsche das Knüpfen von Spinnweben.

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Und da es bei schönem Wetter im September und Oktober in klaren Nächten stark abkühlt, sind in den Morgenstunden durch den entstandenen Tau die Spinnweben deutlich zu sehen. Die glänzenden Fäden erinnerten die Menschen an die silbrigen Haare älterer Frauen. Tagsüber ist dann die Luft trocken und klar, der Fernblick zu keiner anderen Jahreszeit besser.

"Für Bergfotografen ist das die besteZeit im Jahr", schwärmt Günther Durner,Bergführer und Profifotograf. "Das flache Licht sorgt oft für eine tolle Stimmung und die Farben sind kräftig und satt."

Oft beste Bedingungen

Doch nicht nur die Fotografen gehen jetzt auf die Jagd. Auch die Sammler anspruchsvoller Gratüberschreitungen oder Hoch- und Eistouren sind in ihrem Element. Denn die Bedingungen von Mitte September bis manchmal in den November hinein sind sogar in größeren Höhen nahezu perfekt für moderate bis anspruchsvolle Touren. Die Gewitterneigung, die einen im Juli und August von so mancher Tour abgehalten hat, ist deutlich zurückgegangen. Sie tendiert oft gegen Null. Für Bergführer Durner ist diese Periode im Jahr daher auch fast die sicherste.

Die Tage werden kürzer

Ein paar Dinge muss man allerdings bei der Tourenplanung beachten, um nicht doch in Schwierigkeiten zu kommen. "Entscheidend ist sicher die geringer werdende Menge an Tageslicht", so Durner. Stehen einem am 1. Juli etwa 16 Stunden Licht von Sonnenaufgang bis zum Untergang zur Verfügung, sind es am 1. Oktober nur noch rund elfeinhalb und Ende Oktober nur noch zehn Stunden.

ALPIN Fakten

  • Helle Stunden Die Zeit, die einem im Herbst für Touren zur Verfügung steht, ist deutlich kürzer. Eine Stirnlampe sollte dabei sein.

  • Verhältnisse Nasse und besonders morgens auch vereiste Passagen sind keine Seltenheit.

  • Temperaturen Der Herbst ist geprägt von großen Temperaturunterschieden. Ausrüstung anpassen!

Die Berge sind schon im Winterkleid,aber noch gut zu erwandern.

| © Birgit Gelder

Kann man im Sommer um vier Uhr nachmittags noch in eine kürzere alpine Tour einsteigen, ist es Ende Oktober um die gleiche Zeit schon fast dämmrig. Für kurze Wanderungen reicht das allemal. "Bei langen Unternehmungen wie beispielsweise dem Jubiläumsgrat an der Zugspitze muss man das jedoch mit einberechnen", rät der Bergführer.

Die Stirnlampe mit vollen Batterien oder Akkus gehört daher bei längeren Unternehmungen im Herbst zur Standardausrüstung. Genauso wie Mütze, Handschuhe und eventuell eine Überhose.

Vorsicht bei Eis und Schnee

Ein weiteres Merkmal sind die zum Teil erheblichen Temperaturunterschiede im Tageslauf. Denn das Thermometer, das im Tal noch angenehme 20 Grad anzeigte, tendiert auf 2000 Metern Höhe eventuell schon gegen null. Und in den frühen Morgenstunden ist es kalt, mittags warm und zum Abend hin sinkt das Quecksilber wieder deutlich ab. Nordseitig ausgerichtete Stellen oder Bachübergänge weisen morgens angefrorene Steine und Felsen auf.

Das ergibt schlüpfrige Tritte, die eine nicht zu unterschätzende Gefahr darstellen. Und auch beim späten Abstieg nach einer langen Tour können eisige Stellen oder angefrorene Graswiesen zur mitunter tödlichen Rutschpartie werden. 

Wollen Bergwanderer ein Schneefeld begehen, sollten sie zunächst darauf achten, dass die obere Schneedecke aufgeweicht ist. Nur dann kann man mit dem Bergschuhrand einen Tritt in den Schnee kerben. Stellt sich bereits bei den ersten Schritten heraus, dass die Tritte nicht sicher sind, empfiehlt DAV-Experte Stefan Winter umzudrehen – auf durchgefrorenen oder vereisten Passagen müssen unbedingt Steigeisen und Pickel oder Grödel benutzt werden: 

Normale Wanderstöcke reichen dort nicht mehr aus! Sie können das Begehen von Schneefeldern zwar erleichtern, kommt man allerdings ins Rutschen, bieten sie keine Sicherheit.

Weitere Gefahren drohen an den Rändern von Schneefeldern: Sind diese aufgeweicht, kann man einbrechen und sich den Knöchel oder Unterschenkel verletzen.Was tun, wenn man rutscht? Bergwanderer drehen sich gleich in die Bauchlage und drücken sich in die Liegestützposition. Nur so ist es möglich, abzubremsen.

Achtung auf Gletschern!

Wen es so spät im Jahr noch auf den Gletscher zieht, der hat den Vorteil, dass es kaum mehr Gletschersumpf gibt und die Spalten gut sichtbar sind. Wenn nicht schon der erste kräftige Schneefall die Spalten trügerisch zugeweht hat.

Wenn das der Fall ist, heißt es für Gletschertouren bis zur Frühjahrs-Skitourensaison "saure Gurkenzeit". Zu groß ist die Gefahr eines Spaltensturzes. Gab es noch keinen nennenswerten Schnee, muss man auf dem Gletscher wegen der Ausaperung mit Blankeis rechnen. Mancher Bergschrund kann unüberwindbar sein.

Auf die Planung kommt es an

Wer gut plant, ist auch für solche Kapriolen ausgerüstet.

| © Birgit Gelder

Wer clever plant, richtet seine Tour auch nach der Himmelsrichtung. Im Sommer beispielsweise ist der schattigere nord- und westseitig ausgerichtete Aufstieg von der Wiener-Neustädter-Hütte auf die Zugspitze oft angenehmer als der sonnige und sehr warme über das "Gatterl". Der macht dann im Herbst wieder mehr Spaß. Natürlich ist dem Wettergeschehen große Aufmerksamkeit zu widmen. Sind es im Sommer vor allem die Gewitter, auf die man sich einstellen muss, ist es im Herbst der Niederschlag. 

Die nass-kühle Witterung nimmt natürlich bis zum November hin immer mehr zu. Ein Regentag bleibt im Sommer folgenlos. Im kühlen Herbst wird schnell Schnee daraus, der in Höhen um 2000 Metern auf der Nordseite bis zum nächsten Sommer liegenbleibt. Dadurch werden solche Wegabschnitte unter Umständen unpassierbar. Dazu kommt, dass die Temperaturunterschiede zwischen Nord- und Südseite erheblich sind. Steigt man auf der Sonnenseite im T-Shirt nach oben, braucht man im Schatten eine warme Jacke. 

Und auch die Wegbeschaffenheit ändert sich stark. Schon mancher Bergsteiger hat den südseitigen Aufstieg problemlos bewältigt, um am nordseitigen Abstieg an vereisten Stellen zu scheitern. Gerät man im Herbst in Schneefall, sollte man den Rückzug antreten und am besten den Aufstiegsweg ins Tal zurückgehen.

Die richtige Kleidung

Mit dem Sinken der Durchschnittstemperaturen gewinnt die Frage der Bekleidung an Bedeutung. Kommt man in der warmen Jahreszeit mit einem Wechselhemd und einer Regenjacke aus, sollte im Herbst aufgerüstet werden. Eine dünne Daunenjacke oder Softshell und eine winddichte und wasserdichte Außenschicht, eventuell mit Kapuze, sollte man dabei haben.

Der erste Schneefall im Herbst ist oft heftig.

| © Picture Alliance

Bei Touren in größere Höhen wird man die Sommerwanderhose gegen die mit dem dickeren Stoff oder der Membran austauschen. Auch beim Schuhwerk sollte man auf eine andere "Bereifung" umsteigen. Ist man im Sommer manchen Weg oder Bergpfad noch mit den knöchelhohen Berghalbschuhen gegangen, machen im Herbst deutlich festere, wärmere und dichtere Schuhe mit gutem, rutschfestem Profil Sinn. Auch über Gamaschen und Grödel kann man sich als zusätzliche Ausrüstungsgegenstände Gedanken machen.

Die Infrastruktur

Mit zur Tourenplanung gehört, sich über die Öffnungszeiten von Schutzhütten zu informieren. Spätestens Mitte September ist bei den hochalpinen Berghütten Schluss. Wer steht schon gerne frierend im letzten Abendlicht vor der verschlossenen Tür der Alpenvereinshütte und muss dann einen stundenlangen Abstieg im Dunkeln auf sich nehmen. Gut, wenn man sich vorher bei der Sektion erkundigt hat, ob es einen zugänglichen Winterraum gibt und ob man dafür einen Schlüssel benötigt.

Manche Hütte in tieferen Lagen öffnet noch einmal kurz an Allerheiligen oder an schönen Wochenenden. Auch hier ist ein vorheriger Anruf beim Hüttenwirt sinnvoll. Das gleiche Thema besteht bei Bergbahnen. Macht die angepeilte Gondel, die man zur Erleichterung des Abstiegs eingeplant hat, vielleicht Revision, und ist die letzte Talfahrt zeitlich überhaupt zu schaffen? Fragen, die man sich vorher beantworten sollte.

Noch ein Wort zur Verpflegung. Ein warmes Getränk in der Thermoskanne schadet im Herbst nie. Und eventuell packt man auch etwas mehr zum Essen ein. Denn wenn’s kalt wird, steigt bekanntlich der Appetit. Und wenn die Hütte bereits geschlossen hat, muss man mit dem selbstgeschmierten Brot vorlieb nehmen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.

Welche DAV-Hütten im deutschen Alpenraum wie lange geöffnet haben, erfährst Du unter www.alpenverein.de/huetten-wege-touren

Text von Olaf Perwitzschky

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