Sonne im Gesicht und Firn unterm Ski sind der Traum jedes Tourengehers. Skitouren im Frühjahr haben aber auch so ihre Tücken. ALPIN hat die richtigen Tipps für Sie zusammengestellt.

Karwendelreib’n, Fernpassrinne oder Cima Tosa: Beim Klang dieser Namen läuft dem passionierten Skitourengeher das Wasser im Mund zusammen. Für manchen Ski-Alpinisten geht es jetzt erst richtig los. Schließlich sind viele Touren wegen ihrer Steilheit meistens erst im Frühjahr bei sicherer Schneelage möglich.

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Die Bandbreite der Bedingungen, die uns auf einer Tour begegnen können, ist breit. Denn Frühjahrstouren halten ein paar Gegebenheiten parat, die man im Hochwinter eher selten antrifft. Das hat vor allem mit den im Tagesverlauf stark wechselnden Temperaturen zu tun. Nach kalter Nacht ist der Schnee gefroren, die Spur hart. Bald aber wärmt die Sonne den Untergrund auf.

Besonders bei Frühjahrstouren gehören Leichtsteigeisen ins Gepäck.

| © Ritschel

Der so entstehende Firn ist das, was Tourengeher suchen - wie der Surfer die richtige Welle. Erwärmt sich der Schnee weiter, kann er sich sogar in einen unangenehmen grundlosen Sumpf verwandeln, um bei Abkühlung wieder hart zu frieren. Vor allem südseitig exponierte Hanglagen weisen oft Bedingungen auf, die sich im Tagesverlauf komplett umwandeln.

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Diese veränderlichen Bedingungen haben nicht nur einen Einfluss auf die Lawinensituation, sondern auch auf die Qualität der Spur. In hartem Zustand können die Steigfelle da nämlich an ihre Grenzen kommen. Was im schlimmsten Fall sogar dazu führen kann, dass man abrutscht und stürzt. Im alpinen Gelände mit felsdurchsetzten Bereichen oder steilen, harten Flanken eine gefährliche Angelegenheit.

ALPIN-TIPP Ausrüstung. Zum Vergrößern bitte anklicken.

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Viel Fläche in den Schnee

Aber auch ohne Sturz ist das ständige Ausrutschen auf glatter Spur einfach nur anstrengend. Eine gute Steigtechnik hilft, allzu frühen Kraftverlust zu vermeiden. DasPrinzip des Aufsteigens bei hartem Untergrund besteht darin, möglichst viel Fellfläche auf den Boden zu bekommen. Gerade bei Hangquerungen und ansteigenden Spuren neigt man jedoch dazu, die Ski zu stark auf die Kante zu stellen. Das verhindert zwar bis zu einem gewissen Grad das seitliche Abrutschen, nicht aber das nach hinten "Wegzischen" der Ski. Der Trick ist, die Ski weg von der Bergkante leicht talwärts zu kippen. So liegen sie flächiger auf.

Bernd Eberle, Leiter der Bergschule Alpenwelt Karwendel in Mittenwald, hat hier einen einfachen Tipp. Er rät, diese Technik vorher auf der Piste auszutesten und zu üben. Außerdem könne man so ausprobieren, wie gut die Felle halten. Das ist nämlich von Fell zu Fell verschieden.

"Bei flacher bis mittlerer Steigung kann es sinnvoll sein, die Spur in Falllinie anzulegen", weiß Eberle. "So bekommt man die größte Fläche der Felle auf den Boden." Im flachen Gelände geht man die Kurven durch sogenanntes Bogentreten aus.

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In steileren Bereichen wird es schwierig. "Bei Spitzkehren sollte man auf hangparallele Position der Ski achten" erklärt der Bergführer. Das bedeutet, dass man die Beine ähnlich einem Spagat sehr weit spreizen muss. Das ist anstrengend, verhindert aber, dass man zu sehr auf den Kanten steht und ausrutscht. Da hilft es, die Steighilfen ein zu klappen.

Kurze Steilstücke kann man mit Treppenschritten überwinden. Dabei werden die Ski dann ausschließlich auf der Kante aufgesetzt. Voraussetzung ist, dass die Skispitzen weder auf- noch abwärts zeigen. Als zusätzliche Unterstützung kann man den talseitigen Stock direkt an der Kante des Talskis in den Schnee stecken und so verhindern, dass man seitlich abrutscht. Das wiederholt man, bis man das unangenehme Stück überwunden hat.

Noch komfortabler ist es, wenn der sicherere Partner diesen Job übernimmt. Dazu stellt er sich unterhalb in den Hang und setzt beide Stöcke als Ski-Stütze für den oberhalb Gehenden ein. Je nach Situation kann es besser sein, eine schwierig zu querende Stelle zu meiden und leicht abfahrend eine einfachere Aufstiegsvariante zu wählen.

Häufen sich solche Stellen oder geht es viele Höhenmeter auf hartem Untergrund bergauf, kommt man auch mit solchen Tricks nicht wirklich weiter. Glücklich, wer jetzt die Harscheisen in die Bindung einsetzen kann. Bei Frühjahrstouren gehören sie zur Standardausrüstung. Ihr Fehlen kann durchaus zum Abbruch der Tour führen.

Harscheisen erlauben sicheres Aufsteigen

Die Harscheisen erlauben sicheres Aufsteigen.

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Harscheisen oder Steighilfe

Da man zum Einhängen der Harscheisen aus der Bindung steigen muss, erledigt man das am besten, bevor das Gelände schwierig wird. Denn diese Prozedur bringt im steilen Hang auf einem Bein balancierend nicht wirklich Spaß. "Eine vorausschauende Beurteilung der Hanggegebenheiten ist unabdingbar," empfiehlt Eberle. So kann man früh genug entscheiden, ob der Einsatz der Harscheisen nötig ist. Im Übrigen ist es sinnvoll, die Montage der Eisen zu Hause geübt zu haben. Harscheisen rein heißt zugleich auch Steighilfen raus. Nur so bekommt man die Eisen tief genug in den Schnee.

Auch die Spuranlage sollte ab jetzt flacher verlaufen. Denn die Krallen helfen vor allem gegen seitliches Abrutschen. Die Ski werden jetzt wieder aufgekantet, da die Harscheisen vor allem auf der Bergseite Halt geben. Bei aperen Stellen sollte man die Ski abschnallen, da die Harscheisen sonst verbiegen können.

Wird es richtig hart, beispielsweisebei Blankeis auf dem Gletscher, ist auch die Grenze für die Harscheisen erreicht. Da helfen nur noch Steigeisen weiter. Ob man sie mitnimmt, muss bei der Tourenplanung entschieden werden. Gut geeignet sind zehnzackige Leichtsteigeisen. Unter Umständen kann sogar die Mitnahme eines Pickels sinnvoll sein. Auch beim Anlegen der Steigeisen gilt: Anziehen, bevor man in der schwierigen Stelle steht und weder vor noch zurück kann. Aber auch ohne Blankeis kann es ökonomischer sein, die Ski am Rucksack zu befestigen und zu Fuß weiter zu gehen.

mit den Skischuhen Stufen treten

Bei mäßig hartem Schnee kann man mit den Skischuhen Stufen treten.

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Bei kurzen Passagen kann man die Ski dabei auf der Schulter tragen, bei längeren Strecken entweder quer unter der Deckeltasche oder längs an den Skibefestigungen. So hat man beide Hände frei. Im vertikalen Aufstieg sollte man darauf achten, dass die Tritte hangeinwärts geneigt sind, sodass man nicht herausrutscht. Die Stöcke setzt man zur Unterstützung ein. Wird es richtig steil, kann man sie umdrehen und den Stockgriff als Anker im Schnee nutzen.

Harten Firn meistern

Harter Firn kann für weniger Routinierte eine beängstigende Bedingung darstellen. Während man im tiefen Schnee beim Sturz oft nicht wirklich weit fällt, bedeutet ein Ausgleiten jetzt eine längere Talfahrt. Wer sich unsicher fühlt, dreht besser um. Entscheidet man sich für den weiteren Aufstieg schlägt man die Schuhspitzen kräftig in die Oberfläche.

Auch hier sollten die Tritte wieder möglichst hangeinwärts geneigt sein. Die Schrittlänge wird kürzer. Hat man einen Pickel dabei, stützt man sich auf der Haue ab (Kopfstützpickel). Diese zeigt dabei zum Hang. Etwas kraftsparender ist der diagonale Aufstieg, also seitlich aufwärts gehen. Dabei zeigen die Fußspitzen V-förmig in Gehrichtung. Die bergseitigen Kanten der Schuhe werden dabei kräftig in den Schnee gestoßen.

Beim Abstieg beugt man den Oberkörper etwas talwärts. Die Belastung liegt eher auf den Fersen. Rücklage sollte man in jedem Fall vermeiden. Wer sich unsicher fühlt, dreht sich am besten mit dem Gesicht zum Hang.

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Mit oder ohne Eisen

Sehr harte Passagen begeht man mit Steigeisen. Dabei achtet man darauf, möglichst viele Zacken einzusetzen. In wenig steilem Gelände werden im vertikalen Aufstieg die Füße hüftbreit und V-förmig aufgesetzt. Wird es steiler, geht man zum diagonalen Aufstieg über. Dabei zeigen die Fußspitzen leicht talwärts, der Oberkörper dagegen ist in Richtung des Aufstiegs gedreht. Vor allem beim Übersetzen des einen Beines vor das andere muss man auf ausreichenden Abstand der Füße achten, da man sonst schnell einmal mit den Steigeisen am Hosenrand hängen bleibt.

Je steiler das Gelände wird, desto mehr sollten die Fußspitzen talwärts gerichtet sein. Was die Hüftbeweglichkeit auf eine gewisse Probe stellt. Irgendwann muss daher zur Frontalzackentechnik übergegangen werden. Man dreht sich mit dem Gesicht zum Hang und setzt bei paralleler Fußstellung nur noch die Frontalzacken der Steigeisen ein. Ganz wichtig: Fersen hängen lassen. Das spart zum einen Kraft und verhindert zum anderen das Aushebeln der Frontzacken.

Bei längeren Passagen größerer Steilheit sollte man unbedingt vorher überlegen, ob man den Anforderungen gewachsen ist. Zumal die Stelle eventuell ja auch im Abstieg wieder bewältigt werden muss. Auch mit Steigeisen ist es oft sicherer, mit dem Gesicht zum Hang abzuklettern.

Hat man schließlich alle schwierigen Passagen gemeistert und den Gipfel erreicht, bleibt nur noch, den richtigen Zeitpunkt für die Abfahrt zu erwischen.

Text von Johannes Wessel

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