Die wenigsten Skitourenziele erreicht man ohne Spitzkehre. Leider ist diese Kehre nicht ganz einfach. Mit ein paar Tipps und etwas Übung sollte es klappen, sicher um die Ecke zu kommen.

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Bild 1

Bei normalen Bedingungen kann man bei einer Skitour die Kurven bis zu einer Hangsteilheit von etwa 28 Grad ausgehen oder austreten. Das ist erstaunlicherweise bei fast allen Leuten gleich, vielleicht mit einer Abweichung von +/- 2 Grad.

Neben der Tatsache, dass man ab dieser Steilheit eine Spitzkehre machen muss, hat diese magische Grenze natürlich noch eine andere, wichtige Bedeutung: Ab dem Moment, an dem man eine Spitzkehre benötigt, wird die Beurteilung der Lawinengefahr entscheidend. Denn bekanntlich ist die 30-Grad-Grenze ein ganz zentraler Faktor beim Thema Lawine.

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Experten-Tipps zur Kickkehre:

  • Letzter Schritt mit dem Talski erfolgt nahezu horizontal
  • Letzter Schritt mit dem Bergski wird unbelastet ausgeführt.
  • Gewicht voll auf den Talski.
  • Der erste Ski wird gedreht und in der neuen Gehrichtung ebenfalls fast horizontal aufgesetzt.
  • Gewichtsverlagerung komplett auf den neuen Talski.
  • Anheben des alten Talski und "Kick" auf den Fersenteil.
  • Ski mit geübtem Timing drehen.

Die Art und Weise der Spitzkehre hängt maßgeblich auch von der Griffigkeit und Beschaffenheit des Schnees ab. Bei weichem, griffigem Schnee steht man sicherer und kommt besser um die Ecke.

Bild 2

Ist die Spur (oder der Hang) hingegen hart und eisig, wird die Spitzkehre schnell zu einer wackeligen Geschichte.

Ganz wichtig ist: Man muss seinem Standbein immer voll vertrauen können und sicher sein, dass man nicht wegrutscht. Je weniger erfahren man ist und je härter die Spur ist, umso flacher sollte man den letzten Schritt zur Spitzkehre gehen (s. Bild 1 der Bilderleiste rechts).

In einem steilen Hang mit einer harten Spur verläuft der letzte Schritt absolut horizontal. Dadurch hat man einen guten, sicheren Stand und kann sich auf das, was jetzt folgt, konzentrieren.

Wichtige Details

Bild 3

Ein (weiterer) entscheidender Faktor ist der letzte Schritt mit dem (noch) "Bergbein". Der Schritt muss nämlich noch ausgeführt werden, der Ski darf dann allerdings nicht mehr belastet werden. So kommt das Skiende des Skis, der zuerst gedreht wird, in etwa auf Höhe des Standfußes zum Stehen.

Die Skistöcke sorgen ab jetzt für etwas mehr Stabilität, dürfen aber gleichzeitig nicht im Weg sein. Ob man sich eine fixe Position für die Stöcke sucht oder diese während des Vorgangs versetzt, muss man ausprobieren. Das Gewicht ruht nun auf dem Standbein (Talski) und man dreht den Bergski über das Skiende um fast 180 Grad (Bild 2).

Auch hier ist es wichtig, den Ski möglichst so zu setzen, dass er in etwa horizontal zum Hang steht. Dabei sollte man darauf achten, die Mitte des Skis (also den Fuß bzw. die Bindung) nicht zu weit vom Körperschwerpunkt weg zu setzen (Bild 3).

Bild 4

Alles entscheidend

Sonst wird der folgende Ablauf sehr schwierig: die Gewichtsverschiebung vom bisherigen Standbein ("alter" Talski) auf das neue Standbein ("neuer Talski") - ebenfalls Bild 3.

Nur dann nämlich kann der zweite Ski komplett angehoben werden (Bild 3). Was nun kommt, ist der berühmte "Kick" (Bild 4). Wenn man versucht, den Ski ohne diesen Kick in die neue Gehrichtung zu bekommen, wird man zumindest bei einer tiefen Spur und/oder einem steilen Hang Probleme bekommen. Die Skispitze wird am Hang anstehen oder sich im Tiefschnee verfangen. Die Folge sind Ungleichgewicht und Unsicherheit.

Bild 5

Der Kick auf das Fersenteil des Skis bewirkt, dass die Skispitze angehoben wird. Nun kann man den Ski ohne Probleme drehen (Bild 5). Klingt einfach, ist es aber oft nicht. Denn die Skispitze bleibt ja nicht oben, sondern wird meist wieder nach vorne abkippen.

Also ist ein gutes Timing gefragt. Mit etwas Übung sind das Anheben des Ski, der Kick und die Drehung eine fließende Bewegung.

Je nach Ski und Bindung kann es sein, dass bei manchen Ski die Spitze automatisch hochkommt. Manchmal fällt die Spitze aber auch runter. Man muss sich auf seinen Ski einstellen und das richtige Timing üben.

Bild 6

Wenn die Skispitze des "gekickten" Ski in die neue Gehrichtung zeigt, kann man den Ski schon in die Steilheit setzen, in der man weitergehen möchte (Bild 6). Im nächsten Schritt setzt man den neuen Talski bei und geht weiter.

Es gibt eine weitere Technik, um den Ski um die Ecke zu bringen. Auch dazu hebt man den alten Talski an, führt ihn weit nach hinten, sodass die Skispitze in etwa auf Höhe des neuen Standbeins ist. Dann dreht man den Ski mit der Skispitze nahe am Knie vorbei.

Wenn man die Kickkehre gut beherrscht, ist diese allerdings die schnellere und flüssigere Methode. Und man wird erstaunt sein, wie viel Spaß es machen kann, eine Kickkehre an die andere zu reihen und dabei immer besser zu werden.

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