Dass Kinder klettern können, sehen viele Eltern spätestens ab dem zweiten Lebensjahr auf dem Spielplatz. Wenn es an der Kletterwand richtig "ernst" wird, gilt es einige Regeln zu beachten.

Kinder klettern gerne! Und gut! Wenn man sie lässt. Klettern ist eine sehr gute Übung für die Kraft, die Beweglichkeit und die Koordination. Gerade für die Game- Boy-Generation ein willkommener Ausgleich. Spätestens wenn sie anfangen zu sichern, gibt es einige Dinge zu beachten. Denn wenn Kinder Erwachsene sichern sollen, besteht das Problem des zu großen Gewichtsunterschiedes. Ein 75-Kilo-Papa, gesichert von einem 35-Kilo-Sohn – geht nicht!

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Daher fängt das Sichern bei Kindern meist mit dem Toprope- Sichern von (Geschwister-) Kindern an. Eine strikte Altersgrenze zu nennen, ab der Kinder sichern können oder sollen, ist wenig sinnvoll. Zu unterschiedlich sind Entwicklungsstufen und Ambition, auch bei den Eltern. Den Kindern sollte auf jeden Fall klar sein, welches Maß an Verantwortung sie tragen. Und natürlich müssen sie die motorischen Fähigkeiten mitbringen.

Ein Erwachsener sollte dabeistehen

Mit einem Knoten im Seil kann beim Toprope-Sichern nichts mehr passieren.

| © Birgit Gelder
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Nach dem Zeigen und Erklären der Sicherungstechnik sollte anfänglich immer ein Erwachsener dabeistehen und zusehen. Und zwar so, dass er notfalls eingreifen kann. Stimmen die Handhabung des Seils, des Sicherungsgerätes und der Ablauf beim Seileinnehmen und beim Ablassen, kann man erfahrene selbstständige Kindern alleine sichern lassen. Ein gutes Mittel, um das „Schlimmste“ zu verhindern, ist ein Knoten im Seil. Dazu bleibt der Erwachsene solange beim Sichernden, bis das kletternde Kind etwa drei Meter hoch ist. Dann macht man einen Sackstich ins Seil.

Sollte er beim Seileinnehmen (Klettern) oder beim Ablassen irgendeinen Fehler machen, ist spätestens beim Knoten Ende mit dem Seildurchlauf. Dies gilt aber nur für Kinder mit Erfahrung beim Sichern. Je nach Übung und Sicherungsgerät muss beim Ablassen dann ein Elternteil oder der Sichernde selbst den Knoten aus dem Seil lösen. Ansonsten gilt bei Kindern wie bei Erwachsenen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ohne Übung können die Kinder auch nicht sichern lernen.

Ausrüstung – kinderleicht

Da kletternde Kinder keine Seltenheit mehr sind, bieten etliche Hersteller ausgefeilte Kinderprodukte an. Wir stellen Ihnen einige ausgesuchte Kinderprodukte vor.

Sicherungsgeräte für Kinder

Eltern sollten nicht davon ausgehen, dass das Sicherungsgerät, mit dem sie sichern, auch für Kinder am besten geeignet ist. Ein Sicherungsgerät für Kinder muss folgende Kriterien aufweisen:

  • leicht verständliche Bedienung

  • einfaches Handling

  • leichtes Seileinnehmen und Seilausgeben (mit geringem Kraftaufwand)

  • hohe Fehlertoleranz (soweit das bei einem Sicherungsgerät möglich ist)

  • geringer Kraftaufwand beim Halten des Kletterers

  • gute Dosierbarkeit beim Ablassen

  • auch für die kindliche Anatomie geeignet

Wenn man diese Liste der Kriterien anlegt, scheiden alle dynamischen Sicherungsgeräte (Tube etc.) aus. Übrig bleiben nach Berücksichtigung anderer kritischer Faktoren drei Geräte:

  • Climbing Technology Click UP

  • Mammut Smart

  • Petzl GriGri II

Aufgrund der Einfachheit der Bedienung halten wir das Click UP für das am besten geeignete Gerät für Kinder. Beim Smart bedarf die Ablassfunktion je nach Seil einer feinen Dosierung, beim GriGri II kann das Seil falsch eingelegt werden und später (beim Vorstieg) ist die richtige Handhabung ( Gaswerk-Methode ) nicht ganz einfach.

Gurte für Kinder

Die erste Frage, die sich bei Kindern stellt: Welcher Gurt ist sicherer? Ein Komplettgurt (also mit Brustgurt) oder ein Hüftsitzgurt? Für Kinder unter sechs Jahren, die eher unsportlich sind und mit dem Klettern beginnen, ist ein Komplettgurt sinnvoll. Sportliche Kinder können genau wie die Eltern mit einem Hüftsitzgurt klettern.

Ein idealer Kinder-Klettergurt: Schnallen an den Beinschlaufen und zwei Schnallen am Hüftgurt.

Fast alle Hersteller bieten extra Kinderklettergurte an. Da Kinder schnell wachsen und der Gurt ja nicht nur ein oder zwei Jahre passen soll, ist es sinnvoll, einen Gurt zu kaufen, der sowohl an den Beinschlaufen verstellbar ist als auch am Hüftgurt, und zwar links und auch rechts eine Verstellmöglichkeit hat. Damit kann man die Einbindeschlaufe auch nach Jahren noch mittig positionieren. Hat der Hüftteil des Gurtes nur eine Schnalle, kann es sein, dass der Gurt irgendwann asymmetrisch sitzt und unbequem wird. Empfehlenswert sind:

  • Mammut Ophir Kids (50 Euro)

  • Skylotec SC Minitec 2 (49,95 Euro)

Text von Olaf Perwitzschky

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