Wer die Berge abseits der Wanderwege erkundet, sollte trittsicher sein. Schrofen, Geröllfelder und Felsen verlangen eine ausgefeilte Gehtechnik. ALPIN erklärt Ihnen, wie Sie die (Boden-)Haftung bewahren.

Gehen im Schrofengelände - die Grundtechniken sollte man beherrschen. Foto: Gelder.
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"Wanderer verliert Gleichgewicht und stürzt tödlich ab." Eine Schlagzeile, die jeder kennt und bei jedem Bergsteiger Unbehagen auslöst. Statistisch gesehen ist das Wandern eine relativ sichere Sportart - solange man die Wege nicht verlässt. Abseits ausgetretener Pfade sieht die Bergwelt anders aus. Viele Wanderer verunglücken im offenen, weglosen Gelände - unabhängig davon, ob diese Variante bewusst gewählt worden ist oder ob ein Abkommen vom Weg die Ursache war.

Gut, wer dann die Grundtechniken des Gehens im weglosen, alpinen Gelände beherrscht. Das solide Begehen von brüchigen Schrofen, steilen Grashängen, schmalen Schotterrinnen und felsigen Stufen ist quasi die Lebensversicherung am Berg.

Schuhe

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In weglosem Gelände mit ungeeigneten Schuhen unterwegs zu sein ist gefährlich. Weiche Schuhe verformen sich bei starker Belastung und schroffem Untergrund und bieten so keine Stabilität mehr. Für festen Halt sollte man unbedingt alpintaugliche Bergschuhe mit verwindungsfester Sohlenkonstruktion wählen.

Aufstieg und Abstieg

Der Aufstieg im weglosen Gelände erfolgt in der Regel schräg zum Hang in Serpentinen. Im Schrofengelände bieten sich dichte Graspolster als natürliche Trittstufen an, genauso wie große, schwere Steine auf Geröllfeldern. Steine wie Graspolster sollten immer hangnah vorsichtig belastet werden.

Taloffenes Abklettern bietet einen guten Überblick über Tritte und Gelände. Foto: Gelder.

Anfangs fehlt einem der Blick für die Aufstiegshilfen, aber mit Übung und Zeit entwickelt man Routine. Schwieriger als der Aufstieg ist in solchem Gelände aber der Abstieg. Je nach Gelände und Schwierigkeit gibt es drei Möglichkeiten abzusteigen: taloffen (Rücken zum Berg), seitwärts und frontal (Brust zum Berg). In weglosem Gelände wird meist der taloffene Abstieg in Falllinie bevorzugt, denn diese Technik ermöglicht einen guten Überblick auf die Tritte.

Wie auch beim Aufstieg gilt es beim Abstieg, so viel Sohlenfläche wie möglich aufzusetzen. Wird das Terrain sehr steil (leichtes Klettergelände), hängt es von den individuellen Voraussetzungen ab, ob man lieber taloffen oder mit dem Gesicht zum Berg abklettert. Taloffen braucht immer deutlich mehr Überwindung, ist aufgrund der besseren Übersicht aber meist besser. Übung macht hier den viel zitierten Meister.

Schotter ist ein Traum für Absteiger. Man spricht hier vom sogenannten "Abfahren", das zeit- und kraftsparend ist. Dabei neigt man den Oberkörper leicht nach vorn und setzt das steif gehaltene Bein mit der Ferse zuerst in den Schutt.

Sicher kraftsparend

Im Aufstieg wie im Abstieg gilt in jeder Art von Untergrund die Regel, kleine und kurze Schrittfolgen zu bevorzugen. Diese Fortbewegungsweise spart Kraft und schafft Sicherheit. Denn es ist ungleich leichter, den Körperschwerpunkt von einem Bein auf das andere zu verlagern. Weiterer Vorteil: Die Schuhsohle kann optimal flächig gesetzt werden, damit erreicht man hohe Standfestigkeit. Mehr Sohlenfläche bringt mehr Sicherheit.

Grundsätzlich unterscheidet man im weglosen Gelände zwischen hartem und weichem Untergrund. Auf Felsen, hartem Boden (und auch Eis) wird die Schuhsohle so plan wie möglich aufgesetzt, im Bergsteiger- Jargon auch als "auf Reibung antreten" bekannt. Im weichen Gras, auf erdigem Boden und in steinigem Geröll tritt man beherzt mit der bergseitigen Sohlenkante an und "verkeilt" sie sozusagen in den Hang (feste Schuhe!).

Aus Unsicherheit wie Unwissenheit begehen Unerfahrene und Anfänger oft einen fatalen Fehler: Sie lehnen sich Richtung Hang. Die Strafe folgt auf den Fuß: Der Druck auf die bergseitige Schuhsohle ist zu gering, der Belastungswinkel ungünstig. Es kommt zum Abgleiten. Die falsche Belastung ist eine der Hauptabsturzursachen im Gelände. Deshalb gilt: Im Aufstieg wie im Abstieg sollte der Körper möglichst aufrecht über den Standflächen gehalten werden, um dort den nötigen Druck zu erzeugen. Das mag am Anfang etwas Überwindung kosten, unterm Strich ist man so aber deutlich sicherer unterwegs.

Die wichtigsten Tipps in Bildern: Klicken Sie sich durch unsere Slideshow!

Ein Seitenblick auf das Skifahren verdeutlicht den Mechanismus: Lehnt man sich im steilen Gelände mit Ski an den Füßen zum Hang, können die Stahlkanten nicht mehr greifen und man rutscht weg. Bleibt man mit dem Körper hingegen senkrecht über den Ski, ist der Druck auf den Kanten größer und der Winkel ist viel günstiger. Die Kante hält.

Erst in sehr steilem Gelände werden zur Sicherheit die Hände zu Hilfe genommen. Als Anhaltspunkt kann dienen: Erst wenn man sich nicht mehr signifikant zum Hang lehnen muss um die Hände zu gebrauchen, macht es auch wirklich Sinn, diese einzusetzen. Dann kommt man langsam auch in den Bereich, wo es sinnvoll ist, die steilsten Passagen über Fixpunkte zu sichern.

Text: Romana Bloch

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