Wie ein Ertrinkender klammert sich ein schlecht gepackter Rucksack an seinen Träger. Ein gut gepackter fällt dagegen kaum zur Last. ALPIN präsentiert die wichtigsten Tipps, die Ihnen helfen, den höchstmöglichen Tragekomfort zu erzielen.

Das richtige "Verräumen" der Lasten entscheidet über den Tragekomfort.
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Es soll Zeitgenossen geben, die stopfen ihre Ausrüstung wahllos in ihren Rucksack, legen ihn dann auf den Boden, treten so lange darauf, bis nichts mehr hervorsteht. Rucksack-Packen ist zwar keine Wissenschaft, aber lässiges Chaos erleichtert das Tragen nicht. Hält man sich an ein paar Grundregeln, kann man schmerzenden Schultern, Verspannungen und allzu früher Erschöpfung vorbeugen.

"Sogenannte Kompressionssyndrome mit Taubheitsgefühlen in Fingern und Armen wegen zu schwerer Rucksäcke sind keine Seltenheit", erklärt Dr. Karl Flock, Besteiger des Mount Everest und Orthopäde in Weilheim. Diese verschwinden zwar wieder, sind aber äußerst unangenehm.

Bei der Frage, wie schwer der Rucksack maximal sein darf, helfen Faustregeln allerdings nicht weiter. Zu sehr spielen dabei der Trainingszustand, die Gewöhnung an das Tragen, die Tragedauer und der Rucksacktyp eine Rolle. Fitte Wanderer und Bergsteiger schultern durchaus 20 oder mehr Kilogramm über einen längeren Zeitraum. Untrainierte sind da längst überfordert. Als für den Normaltrainierten gerade noch bequem gilt eine Zuladung von 20 Prozent des Körpergewichts des Trägers.

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Zelt, Schlafsack, Kleinigkeiten: Was wohin gehört

Der Schwerpunkt des Rucksacks muss über dem eigenen Körperschwerpunkt und möglichst dicht am Körper liegen. Schwere Ausrüstungsgegenstände wie Proviant, Seil und Zelt gehören daher nahe an den Rücken und relativ weit nach oben in den Bereich zwischen Schultern und mittlerem Rücken. Dadurch zieht der Rucksack nicht nach hinten. Nach ganz unten, ins Bodenfach kommen Schlafsack, Bekleidung, die man nicht ständig benötigt, und andere leichte Dinge. Mittelschwere Gegenstände positioniert man oben außen, und Kleinigkeiten, die schnell griffbereit sein sollten, kommen in die Deckeltasche.

Straff gezogene Kompressionsriemen helfen die Last möglichst nahe an den Rücken zu ziehen. Wer optimal packen will, verlagert bei Touren in leichtem Gelände, auf Wanderwegen und in der Ebene den Schwerpunkt des Rucksacks in Schulterhöhe. So trägt er sich etwas angenehmer, neigt aber zum seitlichen Hin-und-Herschwanken. In schwierigerem Gelände mit mehr Steigung oder bei leichter Kletterei muss der Schwerpunkt tiefer, etwa auf Höhe der Brustwirbelsäule liegen. Man geht zwar dadurch leicht nach vorne geneigt, kann aber das Gleichgewicht besser halten.

Tipp: Bei halbvollem Rucksack schwere Deckeltaschen ins Hauptfach stopfen. Foto: Gelder.

Spezialfall Deckeltasche

In die Deckeltaschen kommen Handy, Geldbörse, GPS, Stirnlampe - alles schwere Gegenstände. Ist der Rucksack nicht vollgestopft, hängt die Deckeltasche weit über den Packsack und zieht nach hinten. Das kann man einfach verhindern: Die Deckeltasche nicht in die Schnallen klippen, sondern ins Hauptfach stecken und dieses mit dem Kordelzug schließen. Das funktioniert so lange super, wie es nicht regnet oder schneit.

Beim vollgepackten Rucksack geht das nicht, ist aber auch nicht nötig. Da besteht dann eher die Gefahr, dass die Deckeltasche vom Hauptsack ins Genick des Trägers geschoben wird. Der Blick nach oben wird dadurch unmöglich, Verspannungen sind unausweichlich. So weit sollte man es nicht kommen lassen. Entweder nimmt man einen Rucksack mit anhebbarer Deckeltasche oder man reduziert seine Ausrüstung.

Chaos nach mehreren Tagen? Beutel schaffen Abhilfe

Sind Seiten- oder Fronttaschen vorhanden, packt man hier leichte Ausrüstung wie Gamaschen, Müsliriegel oder die Regenhose hinein, die schnell griffbereit sein sollen. Natürlich muss man dabei auf gleichmäßige Gewichtsverteilung achten. Sperrige Teile wie die Isomatte müssen außen befestigt werden. Allerdings sollte so wenig wie möglich als Außenlast am Rucksack sein. Nässe, Hängenbleiben und deutlich schlechterer Rucksack-Schwerpunkt sind nur einige Nachteile, die man sich damit einhandelt.

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Schon bei Ein-Tagestouren geht es im Rucksack schnell drunter und drüber. Bei mehrtägigen Unternehmungen potenziert sich die Neigung zu einer schwer durchsuchbaren Masse an Gerümpel im Rucksack. Abhilfe schaffen hier mehrere Beutel oder Plastiktüten. So ist alles auch gleich wasserdicht verpackt. Die Beutel sollte man nicht zu prall füllen und möglichst ohne Luft dazwischen im Rucksack platzieren. Natürlich muss das Volumen des Rucksacks der Tour angepasst sein. Es ist wenig sinnvoll, mit einem riesigen Rucksack für eine Tagestour loszuziehen.

Text: Johannes Wessel

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