Schneeschuhgehen findet immer mehr Anhänger. Das lautlose, ruhige, oft fast medidative Dahinstapfen durch die tief verschneite Winterlandschaft ist ungemein reizvoll. Und Schneeschuhgehen ist ja so einfach. Wirklich? Sicher, darauf bewegen kann sich jeder, aber mit den richtigen Tipps macht es gleich mehr Spaß.

Auch mit Schneeschuhen lässt es sich "dynamisch" gehen.
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Die richtige Größe

Um kraftsparend und mit guter Technik zu gehen, muss die Größe des Schneeschuhs richtig gewählt werden. Entscheidend ist dabei nicht so sehr das Gewicht des Nutzers als vielmehr seine Schrittlänge. Damit Wanderer mit kurzen Beinen nicht immer auf den eigenen Schneeschuhen steht oder unnatürlich lange Schritte machen muss.

Die Größe des Schneeschuhs stimmt, wenn Sie mit einem langen Schritt einen Schneeschuh in einer Linie vor den anderen setzen können, ohne sich dabei selbst zu blockieren. Daher gilt die Regel: so groß wie möglich, so klein wie nötig.

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Stöcke

Auch beim Schneeschuhgehen sind Skistöcke absolut sinnvoll, sei es als Balancehilfe oder zum Vorwärtskommen an steilen Stufen. Wichtig sind große Teller, damit die Stöcke in dem oft sehr weichen Schnee nicht zu weit einsinken.

Bindung

Wichtig ist, dass die Bindung stabil ist und zu Ihrem Schuh passt. Achten Sie darauf, dass sich die Drehachse unter dem Ballen befindet, um eine möglichst natürliche Abrollbewegung zu gewährleisten. Einfache Riemenbindungen funktionieren mit allen Arten von Schuhen, bieten aber wenig Seitenhalt und lassen es nicht zu, den Schneeschuh aufzukanten. Dann gibt es noch Kipphebelbindungen (wie bei Steigeisen), die besonders bei steigeisenfesten Schuhen Sinn machen. Für Freaks gibt es auch ein System von Schuh und Bindung, ähnlich dem der Tour Lite Tech bei Skitourenbindungen.

Gehtechnik

Macht auch mit Tempo Spaß: Schneeschuhlaufen.

Man liest es in allen Bergschulkatalogen, in allen Berichten: "Schneeschuhgehen ist kinderleicht. Das kann jeder!" Leider ist das nur ein Teil der Wahrheit. Zwar kommt jeder irgendwie vorwärts, aber erstaunlich viele tun sich im Schnee verdammt schwer.

Das "Wandern" mit den Schneeschuhen in der Ebene ist sicherlich die leichteste Übung und sollte allen Neulingen zum Einstieg dienen. Der Schritt ist dem normalen Wanderschritt sehr ähnlich, auch die Schrittlänge und – man höre und staune – sogar die Breite.

Denn wer einmal stundenlang mit einem unnatürlich breiten Schritt unterwegs war, der wird ganz schnell merken, wie anstrengend das ist. Gehen Sie also allenfalls ein wenig breiter als ohne "Teller". Die Schrittlänge stimmt , wenn das Ende des vorderen Schneeschuhs in etwa neben der Spitze des hinteren Fußes aufsetzt. Lassen die Schneeschuhe so einen Schritt nicht zu, sollten Sie sich nach einem anderen Modell umschauen. Zum Gehen muss der Schneeschuh nicht komplett angehoben werden, sondern sollte, wie ein übergroßer Schuh, hinterher gezogen werden. So schlurft man zwar etwas durch die Landschaft, aber es spart Kraft.

Bergauf

Mittelsteile Hänge (bis ca. 25 Grad) werden meist in der Falllinie gegangen, steilere Hänge mehr und mehr im schrägen Anstieg. Auch beim Bergaufgehen sollten Schrittlänge und -breite der des üblichen Bergschrittes entsprechen.

Der Entenschritt ist bei geraden Aufstiegen oft die Technik, um kraftsparend voranzukommen.

Auf hartem Untergrund wird der Fuß mit der Kralle in waagerechter Position in den Schnee getreten, so dass er bis kurz vor dem nächsten Schritt waagerecht bleibt. Das garantiert gutes Gleichgewicht und guten Grip.

Wird es richtig eisig, sind die Krallen gefragt. Rammen Sie den Fuß ähnlich wie mit einem Steigeisen ins Eis. Mit etwas Übung können auch sehr steile Passagen bewältigt werden.

Bei allen Arten von hartem Untergrund sollten Sie nicht vergessen, dass Sie die Schneeschuhe auch mal ausziehen und tragen können. Denn bei Trittfirn sind Sie ohne Schneeschuhe sicher angenehmer, schneller und kraftsparender unterwegs.

Ist ein steiler Hang tief verschneit, gehen Sie im Entenschritt: Setzen Sie die Schritte nicht in Falllinie, sondern mit den Spitzen nach rechts und links. Auch eine Mischform ist möglich: ein Fuß in Falllinie, der andere zur Seite.

Bergab

Das Runter ist mit den Schneeschuhen zwar nicht so schnell wie mit Ski, aber dafür auch bedeutend einfacher. Bergab gehen Sie normalerweise in Falllinie. Gerade bei weichem Schnee kann man mit etwas Übung bei jedem Schritt ein gutes Stück rutschen. Geht es so zügig voran, "vernichtet" man bergab ohne weiteres 1000 bis 1200 Höhenmeter in der Stunde. Dabei rutschen Sie umso mehr, je weiter Sie sich nach hinten lehnen.

Doch Vorsicht: Wer sich zu weit in Rücklage begibt, der fällt auf den … Das tut aber in der Regel nicht weh, schließlich sind wir ja in tiefem Schnee unterwegs. Ist der Schnee hart, bleiben Sie zentral über den Schneeschuhen. Achten Sie darauf, die Krallen sauber einzusetzen und zu belasten. Bleiben Sie mit dem Gesicht zum Tal, auch wenn es sehr steil wird und etwas Überwindung kostet.

Traversen/Querungen

Zwei Möglichkeiten der Traverse: zweispurige Querung (li) und einspurige Querung (re).

Einen Hang zu queren, egal ob horizontal, leicht fallend oder ansteigend, gehört zu den delikaten Techniken des Schneeschuhgehens. Vermeiden Sie es, wenn irgend möglich. Besser, Sie bleiben im Talgrund und steigen am Talende steil auf, als eine lange, gleichmäßig steigende Querung zu machen.

Aber nicht immer lässt sich ein Querung vermeiden. Und ist der Schnee griffig, bereitet es eigentlich auch kein Problem. Nicht zu steile Hänge mit nicht zu tiefem Schnee (max. 30 bis 40 Zentimeter) queren Sie am besten zweispurig. Setzen Sie die Schneeschuhe wie beim ganz normalen Gehen voreinander und drücken Sie die bergseitige Kante etwas fester in den Schnee.

Ist der Hang steiler (über 30 Grad) oder der Schnee ganz schwer oder tief, versuchen Sie es mit der einspurigen Querung. Dazu setzen Sie die Schneeschuhe genau voreinander wie auf einer Linie. Dazu ist es besonders wichtig, dass Sie keine zu großen Schneeschuhe haben.

Feind Skifahrer?

Schneeschugehen wie wir es uns vorstellen: wildromantisch.

Das Spielfeld der unterschiedlichen Wintersportarten wird immer enger. Daher gilt es, Rücksicht zu nehmen. Skitouren- geher mögen es gar nicht, wenn Schneeschuhgeher ihre Spur zertreten.

Deshalb sollten Sie, wann immer die Route parallel mit einer Skitour verläuft, Ihre eigene Spur ziehen, auch wenn es vielleicht ein bisschen anstrengender ist. Aber eine eigene Spur ist auch was Schönes und so können Sie sich wirklich selbst Ihren Weg suchen.

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