Wer mit dem Finger auf der Karte reist, findet Erstaunliches. Wir wollten wissen: Wie ist der Weg über Kinn und Nase? Das Ergebnis: eine tolle Tour im Ammergebirge!

Da gibt es die Berge, die man von Weitem sieht und die einen magisch anziehen. Sofort ist klar: Da will ich hinauf. Egal wie und wann. Und dann gibt es den Zauber der Landkarte (oder der digitalen Satellitenbilder), auf denen sich unerwartete Details auftun, die einen dann nicht mehr loslassen. 

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Wie heißt diese Stelle noch mal? Bei der Kuh ist es die "Wamme", aber bei uns? "Regio submandibular"? Im Gelände ist sie jedenfalls markant: ein steiler Aufstieg auf ein kleines Köpfel mit Blick auf schöne Gumpen.

| © Anton Brey

Vor vielen Jahren blieb mein schweifender Blick über die südlichen Ammergauer Berge plötzlich an einem Gesicht hängen, an der Linie eines Kopfes mit Adamsapfel, Mund, Augen und erstaunlicher Nase. Und wenig Hinterkopf. Von da ab war es unmöglich, den Rundweg auf die Schellschlicht anders zu sehen!

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Der "komische Mann", wie ich ihn insgeheim nannte, ließ mich nicht mehr los; ihn wollte ich kennenlernen, ihm auf dem Kopf steigen, während mir die Begeisterung über diese lustige Runde zu Kopf stieg … Berge am Rande der eigenen Heimat sind jedoch oft weiter entfernt als alle anderen, daher ließen wir uns Zeit mit dem Kennenlernen, während ich darüber nachgrübelte, was wohl eine "Schlicht" und was wohl eine "Schelle" sein könnte.

Schritt für Schritt auf den "komischen Mann"? So geht's:

Letztere kannte ich nur als dialektale Ohrfeige. Passt aber irgendwie, wenn das Ohr die tiefe Schlucht in der Mitte ist. Ob Sie nun mit „Mann“ oder unbemannt auf die Schellschlicht steigen: Es ist eine ganz wunderbare Runde nicht nur für den Spätherbst (also für die Jahreszeit, in der Bilder entstanden sind)! Hand drauf!

Fotogalerie: So kommt Ihr sicher über Altschneefelder

ALPIN Info & Tour

Berge, die verschiedene Wege für Aufstieg und Abstieg bieten, sind ganz besonders schön. Und solche, die sich weit nach Süden hin öffnen, sind Traumziele für den Saisonabschluss. Die Schellschlicht ist so eins – vorausgesetzt, es hat noch nicht (viel) geschneit und die steilen oder schattigen Passagen sind gut zu begehen. Dann aber lohnt der "komische Mann" unbedingt!

Überm Kinn läuft ein Drahtseil, das gut zur Physiognomie des Mannes passt: Es wirkt schon etwas ältlich. Der Weg ist schmal, aber mit etwas Aufmerksamkeit gut zu gehen.

| © Anton Brey

Schellschlicht, 2052 m

  • Wanderung, schwer

  • Dauer: 6 – 7 Std.

  • Höhenmeter: Auf- und Abstieg 1250 Hm

  • Beste Zeit: Juni bis November

  • Talort: Garmisch-Partenkirchen, 708 m.

  • Ausgangspunkt: Parkplatz am westlichen Ortsrand von Griesen, 817 m.

  • Info: Naturpark Ammergauer Alpen, 82487 Oberammergau, Tel. 08822 922740, ammergauer-alpen.de

  • Anreise: Über A96 und B2 nach Garmisch und auf B23 bis Griesen. Oder per Bahn über Garmisch-Partenkirchen zur Haltestelle Griesen.

  • Gehzeiten: Griesen – Abzweig Wanderweg ¼ Std. – Weggabel  ¼ Std. – Gipfel 3 Std., Abstieg 2½ Std.

  • Absicherung: Teils steiler und geröllrutschiger Wanderweg mit einigen Drahtseilsicherungen.

  • Literatur: Dieter Seibert: Alpenvereinsführer Allgäuer und Ammergauer Alpen, Bergverlag Rother, 2013

  • Karte: AV-Karte, 1:25.000, Blatt BY 6, Ammergebirge West.

  • Ausrüstung: Wanderausrüstung

Route

Die meisten Führer und Tourenportale empfehlen die Runde im Uhrzeigersinn – wir finden die Tour andersrum viel schöner: aussichts- und abwechslungsreich hinauf und durch dichten Wald hinab. Vom Parkplatz folgen wir dem breiten Forstweg zunächst längs der Neidernach, bis ein arg verblichener und ein AV-offizieller Wegweiser nach Norden weisen. 

Fotogalerie: So verpflegt Ihr Euch richtig auf Bergtour

Der Weg wird schmaler und geht in den Fußpfad über, der sich bei ca. 960 Meter kurz vor der eisernen Brücke über die Klamm der Schelllaine gabelt. Auf schmalem Pfad durch Wald und Fels steigen wir den Hals hinauf, überwinden den Adamsapfel, ein kurzes felsiges Stück mit Drahtseilsicherung. Bald tut sich an einem kleinen Köpfel der Blick in die wilde Schlucht der Schelllaine mit ihren Gumpen auf.

Schöner Pausenplatz mit weitem Blick nach Osten kurz vor der Schellalm.

| © Anton Brey

Weiter über steile Flanken durch den lichter werdenden Wald bis zur Nase, dem Sunkensattel, 1672 m, mit Blick ins Tal der Friederlaine. Weiter dem Grat folgend durch dichte Latschen. Am Auge steil ins Kar absteigen und die letzten 200 Hm zum Gipfel, 2052 m. Sehr schöner Rundblick!

Der Abstieg über den Hinterkopf gen Westen beginnt recht munter, greift aber bald weit aus, bis unterm Hohenbrand bei 1764 m ein Felsriegel mit Drahtseil erreicht ist. Schöne Pausenplätze an der unbewirtschafteten Schellalm auf 1480 m. Der langweilige Nacken (500 Hm Kehren im Wald) ist abends auch mit müden Beinen schnell erledigt. Ab eiserner Brücke wie Aufstieg.

Text von Bene Benedikt

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