Eine Nacht im Freien: geplant und vorbereitet ein herrliches Erlebnis. Ungeplant möglicherweise ein Überlebenskampf. ALPIN erklärt, wie man ersteres genießt und in der zweiten Situation überlebt.

Eines der neuen Modeworte der Outdoorszene heißt "Microadventure". Gemeint sind kleine, oft nur aus zwei Tagen bestehende Fluchten aus dem Alltag, die meist mit einer Übernachtung im Freien verbunden sind. Nicht wenige schwören darauf und tanken hierbei richtig auf. 

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Im Winter ist eine Nacht im Freien allerdings zumindest mit Unbequemlichkeiten, eventuell aber auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Daher sollte man sich vorab ein paar Gedanken machen, um nicht aus einem geplanten Microadventure einen ungeplanten Überlebenskampf werden zu lassen.

Was es zu beachten gilt

Die erste Frage muss der rechtlichen Situation gelten. Zelten beispielsweise, im juristischen Fachjargon als Campieren bezeichnet, ist in Schutzgebieten und im Wald in Deutschland grundsätzlich verboten. Alpines Biwakieren oberhalb der Baumgrenze ist als Notbiwak überall erlaubt. Vorsätzliches Biwakieren wird meist geduldet, außer es handelt sich um ein Schutzgebiet. 

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Wer geplant im Winter biwakieren will, muss einen Abstand von mindestens 100 Metern zum nächsten Wasser einhalten. Er sollte leise sein und besonders empfindliche Lebensbereiche wie beispielsweise Wildwechsel meiden, sein Geschäft vergraben und den kompletten Müll wieder mitnehmen. Plant man eine Zeltübernachtung, sollte man auf jeden Fall den Grundbesitzer vorher fragen.

Es gibt also eine Reihe von Regeln, die die Platzwahl betreffen. Auch in unseren Nachbarländern Österreich und Schweiz gelten ähnliche Verordnungen. Auskunft über die jeweiligen Regelungen gibt es es auf den Webseiten von DAV,ÖAV und SAC.

Die perfekten Begleiter

Egal ob man im Zelt, einer Schneehöhle, im Biwaksack oder ohne zusätzlichen Schutz die Nacht im Freien verbringt: Ohne eine gute Isomatte mit möglichst hohem RWert, also Wärmedämmeffekt, sollte man nicht starten. 

Ebenso wichtig ist ein guter Schlafsack. Klar, dass bei einem geplanten Biwak auch Kocher, Stirnlampe und (gutes?) Essen mit dabei sind. Erst das gibt dem Ganzen die richtige Würze.

Tipps für ungeplantes Biwakieren

Gerät man ungeplant in die Situation, die Nacht im Freien verbringen zu müssen, sieht die Sache schon anders aus. Selten hat man ein Zelt, Schlafsack und Isomatte dabei. 

Während in unseren Breiten eine Sommernacht auch in alpinen Regionen vielleicht zitternd, aber doch relativ sicher überlebt werden kann, kommen im Winter einige Faktoren hinzu. So wirken Erschöpfung und der sogenannte Post Exercise Chill, das Auskühlen nach Belastung, deutlich stärker auf den Organismus. 

Es ist daher ratsam, bei langen winterlichen Tagestouren zumindest eine Isolationsjacke und Wechselwäsche dabei zu haben, um im Falle des Falles nicht ganz blank (verschwitzt und nass) dazustehen. Hat man sich in der Notsituation entschieden, zu biwakieren, ist es wichtig, sich vor Kälte, Wind und Nässe zu schützen.

Aus dem Inneren einer Schneehöhle

Aus dem Inneren einer Schneehöhle

| © Picture Alliance

Die beste Lösung: Eine Schneehöhle

Liegt genug Schnee, kann eine Schneehöhle Leben retten. Als geplantes Biwak ist sie eine sinnvolle Alternative zum Zelt. Die Temperatur im Inneren einer Höhle liegt durch das Isolationsvermögen des Schnees um die null Grad. Dabei kann man durchaus eine längere Zeit überleben. 

Der Bau einer Schneehöhle ist vergleichsweise einfach. Allerdings braucht man zum Bau einer Höhle auch Schnee in ausreichender Tiefe. Zwei Meter sollten es schon sein, sonst besteht die Gefahr, dass die Decke nicht hält. Eine Lawinensonde hilft hier, die Schneehöhe festzustellen. 

Am besten wählt man einen geneigten Hang, eine große Schneeverwehung oder eine Wechte, wobei man unbedingt auf die Lawinengefahr achten sollte. 

Bedenken sollte man auch, dass man beim Graben einer Schneehöhle oft recht nass wird und entsprechend Wechselkleidung braucht. Zu zweit benötigt man je nach Schneebeschaffenheit und Werkzeug mindestens zwei Stunden, bis man eine halbwegs brauchbare Schneehöhle gegraben hat.

Beste Lösung für eine Nacht im Freien: Eine Schneehöhle

Beste Lösung für eine Nacht im Freien: Eine Schneehöhle.

| © ALPIN

Wie baust Du eine Schneehöhle?

Zunächst gräbt man ein Loch, dessen Eingang gerade so zum Hineinkriechen reicht. Wenn möglich, sollte der Eingang im Windschatten liegen, damit er nicht zugeweht werden kann. 

Die Körperwärme der "Höhlenbewohner" bedingt, dass sich die Decke der Schneehöhle mit der Zeit senkt. Dem kann man etwas entgegenwirken, indem man die Decke kuppelförmig formt. So kann das Schmelzwasser seitlich herunterrinnen. 

Der Bau eines Iglus ist übrigens deutlich schwieriger und bedarf neben dem "Gewusst wie" einiges an Übung und vor allem den richtigen Schnee. 

Nicht unbedingt nötig, aber auch nicht schlecht ist es, die Schlaffläche leicht erhöht anzulegen. Dadurch liegt man eher im höher gelegenen, wärmeren Bereich der Umgebungsluft. So kann auch die kalte Luft in den tieferen Graben unterhalb der Schlafebene fallen. 

Bietet Möglichkeit zur Belüftung: Ein Ski- oder Wanderstock.

Bietet Möglichkeit zur Belüftung: Ein Ski- oder Wanderstock.

| © ALPIN
Alternative zur Höhle: Das Schneeloch

Alternative zur Höhle: Das Schneeloch, das so gut wie möglich oben verschlossen wird.

| © ALPIN

Als Unterlage dienen leere Rucksäcke, Felle, Jacke oder auch ein Seil. Alles eben, was dem Körper etwas Abstand zum eisigen Untergrund bietet. 

Achtung Erstickungsgefahr!

Damit man nicht erstickt, muss auf eine ausreichende Belüftung der Schneehöhle geachtet werden, insbesondere, wenn man innen kocht. Im Schnitt atmet der Mensch in Ruhe ungefähr zehn Liter Luft pro Minute. In der Stunde sind das ca. 600 Liter, also 0,6 Kubikmeter. In acht Stunden Schlaf atmet man also knapp fünf Kubikmeter Luft. 

Eine Höhle für zwei Personen von rund drei Metern Länge, eineinhalb Metern Breite und einem Meter Höhe ergibt ein Volumen von 4,5 Kubikmetern Luft. Ohne Frischluftzufuhr geht einem also irgendwann der Sauerstoff aus. Denn die ausgeatmete Luft enthält Kohlendioxid, das zur langsamen und unmerklichen Vergiftung führt, wenn die Konzentration zu hoch wird.

Daher ist es enorm wichtig, den Eingang immer wieder von Schneeverwehungen zu befreien. Diese dichten gut ab und verhindern den Luftaustausch. Man kann auch Luftlöcher in die Decke stechen. Gegen das Zuschneien steckt man einen Stock mit dem Teller nach oben von außen in das Luftloch. Der Teller bildet so ein kleines Dach über dem Loch. 

Ein guter Tipp ist auch, eine Nachtwache einzuteilen, die immer wieder aufsteht, den Eingang öffnet und Luft hereinlässt. Symptom für eine Kohlendioxid-Vergiftung ist beispielsweise ein Gefühl, das dem Zustand des Betrunkenseins sehr ähnlich ist. In diesem Fall bedeutet das allerdings nicht das Ende einer feuchtfröhlichen Party, sondern ist ein ernstes Zeichen für mangelnden Sauerstoff.

Eine simple Messstation für beginnenden Sauerstoffmangel ist auch eine brennende Kerze. Das System funktioniert aber nur, solange man die Kerze ständig beobachtet, also wach ist. Am sichersten ist es daher, entweder reihum aufzubleiben oder den Wecker zu stellen, um zwei bis drei Mal pro Nacht für frischen Sauerstoff in der Höhle zu sorgen.

Schützt vor Wind und Kälte: Ein Mini-Iglu

Schützt vor Wind und Kälte: Ein Mini-Iglu.

| © ALPIN

Schneehöhlen sind dem Zelt bei extremen Bedingungen wie eisigen Temperaturen und Sturm deutlich überlegen. Alleine das Knattern der Zeltplanen im Wind sorgt häufig genug für eine schlaflose Nacht. Das Problem hat man in einer Schneehöhle nicht.

Die Tücken einer Schneehöhle

Ein Nachteil der Schneehöhle ist aber die fehlende Sonneneinstrahlung tagsüber. Irgendwann trocknet die Bekleidung nicht mehr richtig und der Kontakt zur Außenwelt fehlt. Denn der Schnee hält nicht nur den Wind, sondern auch die Geräusche draußen. 

Sitzt man länger fest, sollte man daher auch tagsüber immer wieder draußen nachschauen, ob eventuell die Rettung naht. Denn zugeschneite Schneehöhlen werden leicht übersehen.

Sichtbare Zeichen wie in den Schnee gesteckte Ski erleichtern das Auffinden. Sollte man die Höhle für eine Erkundung verlassen, muss man sie unbedingt mit Stangen, Schnüren oder einem LVS-Gerät kennzeichnen, um sie wieder zu finden. Die LVS-Geräte bleiben im Übrigen immer auf Senden, um den Rettern das Finden zu erleichtern.

Liegt zu wenig Schnee, um eine Schneehöhle zu bauen, gilt trotz allem Regel Nummer eins: raus aus dem Wind. Denn das Phänomen des Windchillfaktors sorgt bei beispielsweise minus 10 Grad und 40 km/h Windgeschwindigkeit für eine gefühlte Temperatur von rund minus 20 Grad. 

Dazu schaufelt man ein Loch und deckt dieses mit Ski, Stöcken, Biwaksack und Schneebrocken so gut wie möglich nach oben ab. Um den Wärmeverlust möglichst gering zu halten, muss das Loch klein bleiben. Zum Liegen reicht es dann nicht mehr.

Einen Überblick über verschiedene Biwaksäcke findet Ihr in unserer Slideshow.

Tipps für schneefreie Gebiete

Bei geringer Schneeauflage muss man improvisieren und sich mit Schneemauern und Biwaksack behelfen. Hauptsache raus aus dem Wind. Das erhöht die Überlebenschancen deutlich. Liegt gar kein Schnee und ist auch kein Material vorhanden, um sich vor Wind und Kälte zu schützen, hilft nur, sich möglichst in einen in der Gegend befindlichen windabgewandten Bereich zu begeben und in Bewegung zu bleiben. Man sollte sich allerdings sicher sein, sich nicht in Absturzgelände zu befinden. 

Sinnvoll ist es, die Schuhe lockerer zu binden (zu schließen) als beim Gehen tagsüber und natürlich alles anzuziehen, was irgendwie zur Verfügung steht, selbst wenn einem noch nicht richtig kalt ist. In solchen Situationen ist nicht nur Kondition, sondern auch Willensstärke gefragt. Viele Beispiele haben aber gezeigt, dass auch solche Nächte überlebt werden können.

Ein Vergleich verschiedener Daunenschlafsäcke findet Ihr in unserem Produkttest.

Text von Johannes Wessel

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