Eine tief verschneite Winterlandschaft ist etwas Schönes. Besonders dort, wo nicht Massen von Leuten unterwegs sind. Nur wie sollen "Nicht-Skifahrer" dort hinkommen? Mit Schneeschuhen. Wir sagen Ihnen, wie das geht.

Die Alpen im Winter sind ein magischer Ort, die Berge und Almen in ihrem weißen Kleid erscheinen wie mit einem feinen Tuch zugedeckt. Es ist auch die Zeit, in der Skilifte den Betrieb aufnehmen, Pisten präpariert werden und der Winter-Ski-Trubel viele Menschen in die Berge zieht.

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Scheeschuhgehen ist das Gegenteil vom hektischen und überlaufenen Ski-Rummel. Man steht nicht an, um mit dem Lift nach oben zu fahren, man braucht keine präparierte Piste, um herunter zu kommen und man kann sich auch die teure Liftkarte sparen. Es geht ruhig und entspannend zu und während man auf Schneeschuhen den Berg hochläuft, kann man im wahrsten Sinne des Wortes entschleunigen.

Man hat Zeit, die Natur zu beobachten, Spuren im Schnee zu verfolgen und sich zu erholen. Zudem ist das Winterwandern mit Scheeschuhen sehr einfach zu lernen, es ist relativ günstig – im Vergleich zu anderen Wintersportarten – und das Risiko, sich zu verletzten, ist auch eher gering. Allerdings ist es wichtig im Hinterkopf zu haben, dass es trotz aller "Entspanntheit" Winter ist in den Bergen.

Schneeschuhe

Mit Schneeschuhen Spaß im Schnee.

| © Komperdell
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Das bedeutet, dass es früh dunkel wird, eventuell saukalt ist und natürlich sind Lawinen auch für Schneeschuhwanderer eine ernste Bedrohung. Darum gehören (je nach geplanter Tour) eine Stirnlampe mit vollen Batterien, warme Bekleidung sowie eine Lawinenausrüstung – Sonde, Schaufel und LVS-Gerät – auf jeden Fall mit in den Rucksack. Ansonsten braucht man neben den Schneeschuhen und Stöcken keine besondere Ausrüstung zum Schneeschuhwandern – die warme (Winter-) Hochtouren-Kleidung kann benutzt werden.

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| © www.cascadedesigns.com/de/msr/

Die richtige Technik

Schneeschuhwanderungen in den Bergen sind anstrengend, denn schließlich läuft man zuerst mal den Berg hinauf. Nur dass man auf weichem Schnee mit Schneeschuhen, die einem den nötigen Auftrieb verleihen, um nicht bis zum Oberschenkel im Schnee zu versinken, unterwegs ist.

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| © www.hanwag.de

Bei Schneeschuhen für alpine Touren ist eine Steighilfe eines der wichtigsten Merkmale. Eine Steighilfe ist je nach Marke und Modell ein Bügel, der hochgeklappt wird und für eine kräftesparende Fußposition beim Bergaufgehen sorgt. Die Ferse steht auf dem Bügel höher und erlaubt der Kralle unter dem Schneeschuh besser zu greifen.

Breitbeinig gehen

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| © outdoorresearch.com

Beim Gehen mit Schneeschuhen muss man sich einen etwas breiteren Gang als üblich angewöhnen. Sonst schrappt man beim Vorziehen des einen Schneeschuhs ständig am anderen. Aber dieser Gang ist schnell erlernt, ansonsten kann man sich "ganz normal" bewegen.

Das Spuren mit Schneeschuhen kann schwer und anstrengend sein, und wer in einer Gruppe unterwegs ist, sollte sich alle zehn bis 15 Minuten bei der Spurarbeit abwechseln. Dazu bleibt der erste für einen Moment seitlich der Spur stehen und reiht sich hinten wieder in die Gruppe ein. So spurt jeder abwechselnd den Weg für seine Mitgeher und kann sich anschließend am Ende der Gruppe etwas erholen.

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| © komperdell.com

Wie beim Skitourengehen macht es bei normalen Bedingungen und Steilheiten auch mit Schneeschuhen Sinn, im Zickzack zu gehen. Mit dieser Technik gewinnt man schneller und komfortabler an Höhe. Wird es aber hart und steil, ist das Traversieren mit Schneeschuhen schwierig.

Da kann es dann durchaus leichter sein, mit den Frontzacken der Krallen unter den Schneeschuhen wie mit Steigeisen auf dem direkten Weg nach oben zu steigen (wenn die Schneeschuhe über solche Zacken verfügen).

Auch zeichnet es einen versierten Schneeschuhgeher aus, den für Schneeschuhe am besten geeigneten Weg schon von weiter unten zu suchen und dann auch zu gehen. Denn ist man erstmal in sehr engem Gelände mit viel Unterholz, ist man als Schneeschuhgeher schnell aufgeschmissen.

Traversen sind schwierig

Traversen sind mit Schneeschuhen etwas speziell. Hier machen sich besonders die Modelle bezahlt, die alpin-geeignet sind und rundumlaufende Profile sowie etliche "Krallen" haben. Modelle mit runden Alu-Rohren geben besonders bei hartem Untergrund keinen Halt.

In weichem Schnee kann man die Schneeschuhe noch "normal" aufsetzen, weil sie durch die große Fläche genügend Halt finden. Ist der Untergrund hart, muss man im Fußgelenk genau wie beim Gehen mit Steigeisen so abknicken, dass der Schneeschuh hangparallel aufgesetzt wird. Ein „Kanten“ wie mit Ski ist mit Scheeschuhen nicht möglich. Wohl dem, der jetzt seine Stöcke dabei hat. In alpinem Gelände gehören die zum Schneeschuhgehen genauso dazu wie zum Skitourengehen.

Und wie kommt man nach einer ausgiebigen Gipfelrast wieder nach unten? Absteigen mit Schneeschuhen ist je nach Verhältnissen ein "ins Tal surfen". In weichem Schnee kann man recht flink unterwegs sein und für den unbedarften Betrachter ist von Weitem ein Unterschied zum Skifahrer kaum auszumachen.

Die Position über dem Schneeschuh ist zwischen "neutral" und "leichte Rücklage". Wer mutig ist, kann auch versuchen, seine Schneeschuhe ansatzweise wie Ski zu benutzen. Aber wir sind diesmal ja bewusst ohne Ski unterwegs.

ALPIN-Fakten

  • WO: Skipisten und Loipen sind tabu für Schneeschuhwanderer, aber in vielen Skigebieten gibt es spezielle Schneeschuh-Pfade, die besonders für Anfänger empfehlenswert sind. Und, liebe Schneeschuhgeher: Bitte macht, auch wenn es schon eine Skitourenspur gibt, eure eigene Spur. Für Tourengeher ist es extrem nervig, in von Schneeschuhgehern "zertappten" Spuren zu gehen.
  • SCHNEE: Je mehr Schnee, desto besser. Für Schneeschuhe kann es nie genug sein. Wobei man bei sehr lockerem Schnee auch ganz gut einsinken kann. Tourenlänge anpassen und Lawinengefahr im Auge haben.
  • KLEIDUNG: Beim Aufstieg kann man schnell ins Schwitzen kommen. Als Faustregel kann man sagen: Lagenprinzip und dann ausziehen, wenn es zu warm wird. Und für oben immer ein trockenes Wechselshirt in den Rucksack.
  • UND SONST: Generell kann man in den Bergen überall dort mit Schneeschuhen wandern gehen, wo Schnee liegt. Allerdings sollte man von präparierten Pisten und Loipen Abstand nehmen (Unfallgefahr etc.). Außerdem ist es abseits von Pisten viel schöner mit Schneeschuhen unterwegs zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen. Wer in lawinengefährdeten Hängen unterwegs ist, sollte sich über die Lawinengefahr informieren und auch den Umgang mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel beherrschen.

Text von Olaf Perwitzschky

1 Kommentar

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Krausm

Ich finde es extrem nervig ständig mit diesem 'steigt nicht in die Skispur' konfrontiert zu werden.
Ein guter Schneeschuhbergsteiger (verwende ich absichtlich) kann mit einer Skispur sowie nichts anfangen, weil er die Spitzkehren nicht braucht und normalerweise genung Kondition hat gerade bergauf zu gehen.
Viel öfter ist es mir passiert, dass ich mit den Schneeschuhen frisch gespurt habe und beim Abstieg von den vermeintlichen 'Herren der Berge' die als vierte oder fünfte in meiner Spur hochgestiegen sind gemaßregelt wurde nich IHRE Spur zu zertreten.
Alle Tourengeher (im Gelände) betreiben den gleichen Sport und es ist für alle genug Platz da - da hat keiner hinter dem anderen zurückzustehen - und Rücksicht sollte sowieso selbstverständlich sein.
Aber macht bitte Schluß damit diese unsinnige und blöden Vorurteile auch noch weiterzuverbreiten.
Ich habe mit meinen Schneeschuhen schon viele Touren gemacht in die sich die heute so modern gewordenen Pistentreter unter den Skiturengehern gar nicht trauen würden !!

beste Grüße
Michael Kraus