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Geheimnis des Adlerhorstes "WB 404" gelüftet

Thomas Huber erklimmt Adlerhorst

30.11.2005 17:01:03
"Noch vor einigen Jahren hätte man von Seiten des Naturschutzes "sehr aufgeregt" reagiert, wenn ein Kletterer unwissend in die Nähe eines Steinadlerhorstes gekommen, geschweige denn, wenn er dort in voller Absicht eingestiegen wäre". So beurteilt Adlerforscher Ulli Brendel die jüngste Entwicklung.
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Thomas Huber am Seil
Nach zahllosen Grabenkämpfen zwischen Naturschützern und Nutzergruppen, handeln inzwischen beide Seiten in vielen Bereichen nach dem Motto "Kooperation statt Konfrontation".

Vor diesem Hintergrund existiert seit 2004 eine beispielhafte Zusammenarbeit zwischen der Nationalparkverwaltung und Thomas Huber. Immer dann, wenn selbst die klettertechnisch erfahrenen Mitarbeiter des Nationalpark-Dienstes an ihre Grenzen stoßen, wird der Berchtesgadener Profiklettererer um Hilfe gebeten. Und dies tut er stets gerne und völlig unentgeltlich.

Nach einer erfolgreichen Horstbesteigung im Saalachtal im November letzten Jahres wurde Thomas Huber von Seiten der Nationalparkverwaltung heuer erneut gebeten, einen bis dahin selbst in Expertenkreisen als "unbesteigbar" geltenden Adlerhorst im Wimbachtal zu erklettern.

Ungeklärte Zusammensetzung des Speisezettels

Thomas Huber im Horst
Der Felshorst ist seit über 20 Jahren bekannt und trägt die Bezeichnung "WB 404" . Hinter diesem unspektakulären Kürzel verbirgt sich eine mächtige Nestkonstruktion in einer über 200 m hohen Wand unter einem mehr als fünf Meter überhängenden Felsen. Auf einem schroffen, unzugänglichen Felsvorsprung auf ca.1.300 m Seehöhe hat dort das Adlerpaar in den Jahren 2001 und 2002 jeweils einen Jungvogel groß gezogen.

Während der Jungenaufzucht wurde von beiden Altvögeln eine große Zahl an Beutetieren eingetragen, um den großen Appetit des Nachwuchses zu stillen. Die Zusammensetzung des damaligen Speisezettels konnte bis heute nicht geklärt werden, da alle Besteigungsversuche frühzeitig abgebrochen werden mussten.

Nach der Aktion mit dem Extremkletterer Thomas Huber können nun die Beutereste an der Staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch analysiert werden. Selbst kleinste Knochensplitter ermöglichen Rückschlüsse auf die jeweilige Tierart, deren Geschlecht, Alter und Gesundheitszustand. So lassen sich Brutjahr für Brutjahr Entwicklungen im Speiseplan unserer Adler dokumentieren und wichtige Rückschlüsse auf die allgemeine Lebensraumsituation ziehen.

Mit Proben aus dem ebenfalls sicher gestellten Federmaterial können außerdem durch die Entschlüsselung des genetischen Codes die Verwandtschaftsverhältnisse der bayerischen Steinadler rekonstruiert werden.

Weitere Informationen:

www.nationalpark-berchtesgaden.de


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