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Jam-Session im Portaledge

Erfolg am Zentralturm der Torres del Paine

03.03.2009 12:23:29
Einer Pressemeldung des Outdoor-Bekleidungsherstellers "Patagonia" zu Folge ist einem Team von Extremkletterern Ende Januar/Anfang Februar die erste frei Begehung der South African Route (5.12c / 7b+ 1200m) an der Ostwand des Zentralturms der Torres del Paine in Patagonien gelungen.
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Am 24. Januar brachen die drei Kletterer zum Versuch der ersten freien Durchsteigung des Zentralturms der Torres del Paine auf. Diese mit A4, 5.10 bewertete Route wurde von den südafrikanischen Erstbegehern 1973/74 als erste Route in der Ostwand des zentralen Pfeilers eröffnet. "Patagonia" zu Folge wurde sie bisher nur einmal wiederholt, ebenfalls von einem südafrikanischen Team im Jahre 2004.


Der vierte Tag in der Wand: "Abfallentsorgung" tut Not. Quelle: www.youtube.com.
Die South African Route folgt einem offensichtlichen Riss in V-Form, der die Ostwand regelrecht durchschneidet. Nicolas Favresse: "Es ist eine so offensichtliche und wunderschöne Linie, dass wir einfach schon allein deshalb zurück zu den Torres del Paine Patagonien kommen mussten."

"Unsere Bedenken zurück am Boden gelassen"

Nicolas und seine Kumpels hatten von technischen Schwierigkeiten von A3 bis A4 und hauchdünnen Rissen gehört, weshalb die Kletterer anfangs nicht sicher waren, ob sie den Anstieg völlig frei bewältigen würden können.

"Doch dann", sagt Nicolas "haben wir unsere Bedenken zurück am Boden gelassen und sind einfach unserem Instinkt gefolgt."

Höchstschwierigkeiten im Fels

Das Trio traf auf einige spektakuläre Freikletter-Passagen mit sehr langen Kletterabschnitten im Schwierigkeitsgrad 5.11 und fast nie leichter als 5.10+. Die zwei härtesten Seillängen stuften die Kletterer im Bereich von 7b+/5.12c ein.

Urschrei am Gipfel: Sean, Nico und Ben (v.l.). Foto: Nicolas Favresse.
"Die eine ist eine, extrem die Fingerspitzen belastende Ausdauerseillänge, die einem Finger und Unterarme nur so aufpumpt," erzählt Nicolas "die andere ist eine Plattenkletterei mit einem spektakulären Zug, bei der die Hand in einer Kristalltasche verschwindet. Hier haben wir auch eine zusätzliche Schraube zur Absicherung dieser Freiklettervariante gesetzt."

Eine weitere Crux der Route war ein extrem langer 5.11+ offwidth Riss, den die drei Kletterer nur sehr spärlich mit ihrem einzigen 6# Camelot absicherten. Die eisigen Bedingungen sorgten dafür, dass drei der Seillängen erst nach dem Erreichen des Gipfels gerotpunktet wurden.

Wenig Zeit für Portaledge Surfen" und lange Jam Sessions

Das Trio war mit Verpflegung für 15 Tage, sowie drei Musikinstrumenten (Mandoline, Blechflöte und Mundharmonika) ausgerüstet in die Route gestartet. Es stellte sich heraus, dass sie fast perfekt geplant hatten.

Insgesamt verbrachten sie 13 Tage in den, an zwei verschiedenen Stellen in der Wand installierten Portaledges: 7 Tage hingen sie an einer zerbrechlichen Säule in der 10. Seillänge, weitere 6 Tage bzw. Nächte verbrachten sie an der "boeing Ledge", einem Felsvorsprung in der 17. Seillänge.


Zeitvertreib: Jam-Session im Portaledege mit mehreren hundert Metern Luft unter sich. Quelle: www.youtube.com.
Mit dem Wetter hatten die Extremkletterer relatives Glück. Es war zwar nie richtig gut, jedoch mussten sie auch nur zwei Tage komplett in ihren Portaledges verbringen. "Wir waren sogar fast ein wenig enttäuscht, dass das Wetter nicht so schlecht war, wie wir es erwartet hatten. Denn wir hatten uns schon aufs "Portaledge Surfen" und lange Jam Sessions gefreut", sagt Nicolas Favresse. Bis auf diese beiden Schlechtwettertage war es der Gruppe immer möglich, zumindest eine Seillänge zu klettern.

Großer Respekt für die Erstbesteiger, Mitleid für Umweltverschmutzer

Während ihrer Begehung wuchs der Respekt vor dem Team der Erstbesteiger der Ostwand immer mehr. Das Team war sehr beeindruckt davon, wie sauber die Südafrikaner die Route hinterlassen haben und wie wenig geschlagene Haken oder Borhaken sie vorfanden.

Vorallem im unteren Wandbereich fanden Nicolas, Sean und Ben eine Menge alter Seile, die von früheren Expeditionen in anderen Routen hinterlassen wurden. Soweit es ihnen möglich war, brachten sie den Abfall zurück ins Tal. Insgesamt waren das mehrere hundert Meter Seil. Nicolas meinte dazu: "Das sind bemitleidenswerte Kletterer, die die Wand so hinterlassen."

Textquelle: Sonja Greimel, Patagonia


Das Wetter klart nach einem Sturm auf. Quelle: www.youtube.com.


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