- Anzeige -
Um in unser Video-Center mit einer Großansicht aller Videos auf alpin.de zu kommen klicken Sie diesen Link.
Die Kletterei ist wirklich speziell, denn man klettert an extrem kleinen Griffen und Tritten. Wenn man da zu ernst und zu oft probiert, ruiniert man sich die Schuhe und holt sich blutige Finger. Es ist wie eine kleine Schlacht, dort hochklettern zu müssen."
Klicken Sie hier für Fotogalerie von Beat Kammerlander in "Prinzip Hoffnung".
"Ich spürte das Verlangen, diese Wand clean zu klettern"
Die erste Begegnung mit der Bürser Platte hatte der im Nachbarort Bludenz geborene Sportkletterer bereits vor einem Jahrzehnt. Schon im Jahr 1997, nur wenige Monate nachdem seinem Freund Marco Wasiner (AUT) die Erstbegehung der unteren Hälfte der Route bis zur Schlüsselstelle gelungen war, klettert Beat Kammerlander die Verlängerung der Route im oberen zehnten Schwierigkeitsgrad."Interessanterweise hat es, nachdem ich die Route Rotpunkt geklettert habe, keine Wiederholungsversuche gegeben. Irgendwann habe ich dann angefangen, mich wieder mit der Wand zu beschäftigen. Ich spürte auf einmal das Verlangen, diese Wand clean zu klettern, also alle Bohrhaken zu entfernen und meine gesamte Sicherung am Körper mitzuführen, das heißt die Sicherungen aus der Kletterposition heraus anzubringen. Das schien mir der einzig richtige Weg zu sein. Aber gleichzeitig erschien es auch unmöglich. Doch genau das macht ja den Reiz eines Projektes aus."
Klicken Sie hier für Fotogalerie von Beat Kammerlander in "Prinzip Hoffnung".
"Es hat über ein dreiviertel Jahr gedauert, bis ich so weit war, es zu versuchen"
Einen ganzen Sommer lang trainiert Beat Kammerlander, um sich mental und physisch auf sein Projekt "Prinzip Hoffnung" vorzubereiten. Dabei liegt die eigentliche Herausforderung in der Sicherung.
Eine immense mentale Herausforderung: Beat kammerlander in "Prinzip Hoffnung".
Klicken Sie hier für Fotogalerie von Beat Kammerlander in "Prinzip Hoffnung".
"Du spürst du stürzt jetzt, aber Du kletterst einfach weiter"
Im Winter 2008/2009 startet Beat Kammerlander schließlich den Versuch. "Die Bürser Platte ist ein typisches Winterprojekt", sagt er. "Man braucht Temperaturen zwischen null und zehn Grad, sonst sind die Finger zu weich und die Gummimischung der Reibungsschuhe würde auf diesen kleinen Tritten nicht halten."Das Projekt gelingt nicht gleich auf Anhieb. Kammerlander stürzt ein paar Mal in der Schlüsselstelle und muss immer wieder die Klemmkeile entfernen und von vorne beginnen. Am Tag der erfolgreichen Durchsteigung bleiben ihm noch zwanzig Minuten bis zum Sonnenuntergang. Eigentlich will er nur noch einen "Trainingslauf" absolvieren, doch dann gelingt ihm das Unmögliche.
Um in unser Video-Center mit einer Großansicht aller Videos auf alpin.de zu kommen klicken Sie diesen Link.
"Bei der geglückten Durchsteigung hatte ich in der Schlüsselstelle das Gefühl als würde ich konstant stürzen", erinnert sich Beat Kammerlander.
"Ich war so überrascht, dass ich wie ein Tropfen, der an der Decke baumelt trotzdem kleben bleibe. Du spürst du stürzt jetzt, aber Du kletterst einfach weiter. Dieser Urwille, den du in dieser Situation in deinem Bauch spürst, ist das was dir nachhaltig in Erinnerung bleibt und was dich stark macht. Wenn ich so eine Route klettere, dann fühle ich mich nicht wie fünfzig."
Beat Kammerlander sieht seine Route "Prinzip Hoffnung" (E9-E10), als eines seiner ganz großen Highlights als Kletterer.
"Neben den Erstbegehungen 'Silbergeier', 'Unendliche Geschichte', oder 'Mordillo' (Free Solo im unteren zehnten Schwierigkeitsgrad), hat 'Prinzip Hoffnung' in meiner persönlichen Entwicklung sicher gleich viel Stellenwert", sagt er. "Bedeutende und motivierende Kletterprojekte sind für mich die Geschichten, bei denen ein Entwicklungsprozess in dir selbst notwendig ist, an dessen Ende die Tour steht. Und genau das war hier der Fall."
Zusatzinformationen:
Beat Kammerlander (* 1959 Bludenz/Vorarlberg) zählt zu den besten Sportkletterern der Welt und hat maßgeblich zur Entwicklung des Klettersports beigetragen, insbesondere im alpinen Gelände.
Seine Route Silbergeier zählte jahrelang zu den drei schwersten Alpintouren der Welt, der Trilogie, bis Alexander Huber mit Bellavista in der Westlichen Zinne-Nordwand im Jahre 2003 eine noch schwerere Route klettern konnte. Auch Beat Kammerlanders Unendliche Geschichte im Rätikon (1991) galt lange Zeit als die international schwierigste Alpine Route.
Beim Clean-Climbing wird eine Begehung zusätzlich dadurch erschwert, dass alle Sicherungspunkte aus mobilen Sicherungsmitteln (Klemmkeile, Friends und ähnliche) bestehen und nach dem Klettern wieder entfernt werden.
Der Zusatz Clean kennzeichnnet, dass die Begehung rein an mobilen Sicherungsmitteln stattgefunden hat, es kann also beispielsweise auch (wenn auch eher selten) eine Rotpunkt- oder a.f.-Begehung "Clean" erfolgen. Clean stellt zusätzliche Anforderungen an den Kletterer, da das Anbringen von mobilen Sicherungsmitteln mehr Zeit und damit mehr Kraft in Anspruch nehmen kann als das simple Einhängen einer Expressschlinge in einen Bohrhaken. Auf jeden Fall aber verlangt es Erfahrung, die Stellen (sogenannte "Placements") zu erkennen, an denen die Sicherungsmittel sinnvoll eingesetzt werden können, und Vertrauen in die selbst gesetzten Sicherungen.
Textquelle: Sonja Güldner-Hamel - Planet Talk GmbH
Bildquelle: Peter Matthis
Fotowettbewerb


Seite versenden
Seite drucken
Sitemap 








