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Medizin

Weiche Hülle

22.10.2007 08:21:25
Unsere Haut ist eine weiche Hülle, die den Einflüssen der Umwelt (fast) schutzlos ausgeliefert ist. So extrem wie alles sein kann, was auf sie trifft, so extrem kann unsere Haut auch darauf reagieren. Es kann sogar tödlich enden, wenn man sie nicht pflegt und schützt.
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Augen und Haut sollten in den Bergen immer geschützt sein.
Wer denkt schon daran, dass die häufigste Verletzung im alpinen Sport eine Hautverletzung ist: Höhe, Ozonbelastung und reflektierender Schnee tragen zur Verbrennung der Haut bei. Doch zum Glück hat sich in den letzten Jahren viel an der Einstellung zur sonnengebräunten Haut verändert.

"Denn jetzt zeigt sich in den Untersuchungen, wie stark die Haut von Bergsportlern geschädigt ist", sagt Dr. Heike Fesq. Die Fachärztin für Hautkrankheiten leitet die dermatologische Abteilung am Rheumazentrum Oberammergau. Sie ist spezialisiert auf Sonnenschutz und Reisemedizin.

"Chronische Lichtschäden, Basalzellkarzinome und schwarze Melanome sind bei bergaktiven Männern über 55 Jahren besonders häufig zu diagnostizieren. Das liegt auch daran, dass sich die Schäden über Jahre hinweg summieren und die Haut irgendwann nicht mehr damit klar kommt. Und so entsteht nach zehn bis 20 Jahren Hautkrebs."

Sonnenschutz

"Hautkrebs ist häufig und endet besonders oft tödlich. Doch vor kaum einer Krebsform kann man sich so gut schützen", erklärt Fesq. "Meiden Sie die Zeiten der stärksten Strahlenbelastung, schützen Sie sich nicht nur mit Creme, sondern auch mit entsprechender Kleidung: je dichter gewebt und je dunkler, desto besser ist der Schutz. Besonders geeignet sind spezielle UV-Textilien."
Was uns die Haut verrät
Einen gewissen Schutz bringt die Haut eines jeden Menschen von Geburt an mit. Fesq: "Jeder von uns hat eine genetische Disposition - also eine Veranlagung, wie er auf die Sonnenstrahlen reagiert." Abgesehen davon ist die äußerste Schicht der Haut, die Oberhaut oder Epidermis mit einem widerstandsfähigen Schutzschild aus Hornzellen und mit einer leicht sauren Wasser-Fett-Schicht versehen, die uns normalerweise vor Pilzen und Bakterien schützt.

Unser Körper hat so gar einen natürlichen Sonnenschutz eingebaut, die so genannte Lichtschwiele. Wir werden nicht braun, weil unserer Haut die Sonne gefällt, sondern weil sie einen Selbstschutz aktiviert. Die Melanozyten produzieren einen Farbstoff, der sich um die Zellkerne der Oberhaut legt - und dieser Farbstoff lässt unsere Haut braun erscheinen. Pigmente, die gleichzeitig zeigen: Hier ist die Haut geschädigt.

Richtig Cremen

Dr. Heike Fesq: "Meiden Sie die Zeiten der stärksten Strahlenbelastung!"
Gängige Sonnencremes mit dem weltweit standardisierten Lichtschutzfaktor-System können für eine gewisse Zeit vor UV-BStrahlen schützen. "Aber Vorsicht", warnt die Spezialistin, "Abrieb und Schweiß reduzieren den Faktor. Wer auf Nummer sicher gehen will, halbiert bei seiner Berechnung einfach den LSF. Für Alpinisten ist außerdem wichtig: Je 1000 Höhenmeter nimmt die kurzwellige UV-Belastung um 15 bis 20 Prozent zu, Schnee kann die Strahlen bis zu 100 Prozent reflektieren. Wolken halten zwar einerseits Strahlung ab, streuen sie aber andererseits."

Alles Faktoren, die bei der Wahl der Sonnencreme beachtet werden müssen. Da man mit einem hohen Lichtschutzfaktor nichts falsch machen kann, empfiehlt Fesq generell in den Bergen einen 25er LSF aufzutragen.

"Maximalen Schutz erreicht man mit diesen chemischen Substanzen allerdings nicht. Physikalisch arbeitende Mikropigmente hingegen, reflektieren und streuen die Strahlen. Diese Cremes nach ,australischem Standard' wirken nicht nur auf Dauer effektiver, sondern auch sofort nach dem Auftragen." Aber auch eine sinnvolle Tourenplanung kann schon ein guter Schutz gegen zu viel Sonne sein.

Wunderheiler

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Unter der Oberhaut (Epidermis) liegt die Lederhaut (Dermis). Sie schützt vor mechanischen Verletzungen. Kommt es doch dazu, kann sie sich in der Regel selbst regenerieren - das tut sie überhaupt in regelmäßigen Abständen von vier Wochen. Ist die Wunde tiefer, kommt es zu einer "Defektheilung”, dann bleibt eine Narbe zurück.

Wie gut und wie schnell eine Wunde verheilt, hängt davon ab, wie sie beschaffen ist und wie sie versorgt wird: Von primärer Wundheilung spricht man, wenn die Wundränder direkt aneinander liegen. Dann verheilt die Wunde mit einer schmalen Narbe, vorausgesetzt, die Wunde ist keimarm, glatt, frisch (nicht älter als sechs Stunden) und sauber. Alle weiteren Wundformen verheilen sekundär - hinterlassen also Narben oder müssen mit Implantaten versorgt werden.

Klimaanlage

Die letzte der drei Hautschichten ist die Unterhaut (Subcutis). Sie ist fettreich (daher auch Unterhautfettgewebe) und schützt so vor Kälte und polstert Schläge ab. Sie liegt wie eine wind- und (von außen) wasserdichte, warme Funktionsjacke um unseren Körper.

Wichtig für die richtige Körpertemperatur von 37 Grad Celsius sind auch die Temperaturrezeptoren auf der Oberhaut. Sie sind auf Kälte oder Wärme spezialisiert und können das Spektrum von zehn bis 40 Grad Celsius abdecken. Außerhalb dieses Bereichs werden Schmerzrezeptoren stimuliert. Dadurch können extreme Kälte und Wärme von der Schmerzempfindung her kaum unterschieden werden, die entstehenden Schmerzgefühle sind einander sehr ähnlich.
Was uns die Haut verrät
Unser größtes Organ meldet "kalt" oder "warm" ans Gehirn und dann wird die Körpertemperatur durch Verengen oder Weiten der Blutgefäße reguliert. So vielschichtig ist unsere Haut, sie schützt uns besser als jede Funktionswäsche - und in die investieren Bergsportler viel Geld. Warum also nicht auch in guten Hautschutz investieren und gesund bleiben?

Text: Silke Meusel

Aus ALPIN 02/07
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