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"Einige Impfungen erfordern eine Auffrischung im Erwachsenenalter", bestätigt Dr. Dietmar Reinartz, Allgemeinarzt aus dem württembergischen Haigerloch. Experten schätzen, dass rund 60 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland über keinen ausreichenden Impfschutz verfügen.
"Viele Krankheiten sind selten geworden, gerade weil es Impfungen gegen sie gibt", sagt Dr. Reinartz. "Wer daraus ableitet, dass sie keine Gefahr mehr darstellen, begeht einen schwerwiegenden Fehler."
Beispiel Pertussis, besser bekannt als Keuchhusten. Die Impfung war so erfolgreich, dass die Erkrankungen rapide abnahmen und schon in den 1960er-Jahren die Meldepflicht abgeschafft wurde. Als Kinder wurden die meisten (jetzt) Erwachsenen zwar geimpft, doch die Wirkung der Impfungen nimmt mit der Zeit ab - schon nach fünf Jahren beginnt sie zu sinken.
Lachse Impfbereitschaft
Viele Deutsche nehmen es mit der Auffrischung ihres Schutzes nicht so genau - mit deutlichen Folgen: Die Zahl der Keuchhustenerkrankungen hat wieder zugenommen. Zehn bis 20 Prozent aller Erwachsenen, die länger als sieben Tage an Husten leiden, haben Keuchhusten.
Meist macht den Betroffenen nur ein hartnäckiger, oft länger als einen Monat dauernder Husten zu schaffen, doch bei immerhin einem Viertel treten Komplikationen auf: unter anderem Gewichtsverlust, Krampfanfälle, Mittelohrentzündung oder eine Lungenentzündung.
Bei Patienten über 60 Jahre liegt diese Häufigkeit sogar bei 40 Prozent - fast bei jedem zweiten kommt es also zu Komplikationen. Seit 2009 empfiehlt daher die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO), das für Impfempfehlungen zuständige Gremium in Deutschland, eine Pertussis-Auffrischung alle zehn Jahre - und zwar für alle Erwachsenen.
Zuvor hatte die Empfehlung nur für Frauen mit Kinderwunsch und Erwachsene mit Kontakt zu Säuglingen gegolten. "Denn Keuchhusten kann für Säuglinge lebensbedrohlich sein, und erst ab dem fünften Monat sind sie durch die empfohlene Impfung geschützt", erklärt Dr. Reinartz.
"Die häufigsten Überträger für die ungeschützten Säuglinge sind die Eltern und Großeltern." Das Beispiel Pertussis zeigt, wie wichtig es ist, den eigenen Impfstatus zu kennen und diesen - wenn nötig - aufzufrischen.
"Kürzlich hat mir eine Patientin gesagt, sie sei nicht unbedingt für Impfungen. Da sie aber sehr viel Kontakt mit Menschen habe, wolle sie sich impfen lassen, um nicht als Überträgerin anderen zu schaden", erzählt Dr. Reinartz.
Prävention und Eigenschutz
Verantwortung seinen Angehörigen und Mitmenschen gegenüber ist ebenfalls ein nachvollziehbares Motiv für Impfungen. Wie Eigenschutz.
Deswegen hat die STIKO auch für Menschen über 60 Jahre und Patienten jedes Alters mit chronischen Krankheiten wie Herzschwäche, Asthma, Diabetes oder auch Nierenleiden spezielle Empfehlungen herausgegeben:
Ihnen wird beispielsweise nahegelegt, sich gegen Pneumokokken und jährlich gegen die saisonale Grippe impfen zu lassen. Keinen Fehler macht, wer von seinem Hausarzt den eigenen Impfschutz überprüfen lässt.
"Wer Zweifel hat, ob er ausreichend geschützt ist, sollte das tun und dabei seinen Impfausweis nicht vergessen", empfiehlt Dr. Reinartz. Hausärzte kennen die aktuellen Empfehlungen der STIKO, weisen auf evtl. nötige Auffrischungen hin und führen sie durch.
Besonderen Beratungsbedarf gibt es bei Fernreisen: Schon während der Planung (spätestens sechs Wochen vor Reiseantritt) sollte man sich ärztlich beraten lassen. Abhängig von der Reiseroute können bestimmte zusätzliche Impfungen nötig sein.
Text: Dr. Ralph Müller-Gesser
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