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Medizin

Anti-Virus-Programm

28.12.2007 10:17:25
Jeder Bundesbürger erwischt zwei- bis viermal jährlich eine Erkältung – so die Statistik. Erkältung oder Grippe sind für Sportler besonders lästig und können einem die Tour oder die Vorbereitung darauf ganz schön vermasseln. Dr. Arno Schmidt-Trucksäss ist der betreuende Verbandsarzt der deutschen Schwimmnationalmannschaft. Als Sportmediziner leitet er am Klinikum Rechts der Isar in München den Bereich Prävention und Rehabilitation.
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Jogging hilft, die Abwehrkräfte zu stärken.
Eine Erkältung - eine von Viren verursachte Infektionskrankheit - hat einen relativ harmlosen, eher schleichenden Verlauf: Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Die echte Influenza-Grippe wird nur durch einen bestimmten Virus verursacht. Sie beginnt ganz massiv mit Fieber und/ oder Schüttelfrost.

Bei den ersten Symptomen sollte man sofort zum Arzt. "Eine Grippe- Impfung macht für Sportler durchaus Sinn", sagt Schmidt-Trucksäss, "wenn man sicher gehen will, dass einem die Influenza A- und B-Viren nicht die Vorbereitung auf einen Wettkampf oder eine große Tour vermasseln."

Die Impfung schützt vor der Grippe, aber nicht vor grippalen Infekten oder Erkältungen. Die werden in Tröpfchen durch die Luft geschleudert und an Händen weitergereicht. Eine durchgemachte Erkältung schützt nicht vor der nächsten und so werden Atemwegsinfekte für Sportler genauso lästig wie Verletzungen.

Die Devise heißt...

...bei jedem Wetter rausgehen! Denn dass Sport das Immunsystem stärkt, ist nicht nur eine Redensart. Studien belegen den Effekt: Eine angemessene sportliche Belastung verursacht eine leichte Entzündung in unserer Muskulatur. Unser Immunsystem erkennt dann die Zellen als fremd und reagiert abwehrend:
Hier gibt's wichtige Tipps vom Sportmediziner
Zytokine, Granulozyten (Abwehrzellen gegen Parasiten, Bakterien, Pilze u.a.), Makrophagen (die großen Fresszellen) und T-Lymphozyten sind an der Reaktion beteiligt. Eine Art "Feuerwehrübung", mit angenehmer Nebenwirkung: Die beteiligten Killer und Fresser bleiben im Training und die entzündungshemmenden Stoffe wirken sich auf alle Entzündungen im Körper aus, mit denen wir gerade zu kämpfen haben.

Des Guten zu vieL

Ist man schon schon erkältet, sollte man auf keinen Fall Sport treiben.
...ist aber jede Form der Übertreibung. Denn so gut wie uns Sport tut, so problematisch kann Überbelastung werden. Wer sich zu sehr belastet, kann den Infekten Tür und Tor öffnen. Experten sprechen vom so genannten "Open Window Effect": "Dabei wird das Immunsystem regelrecht in den Keller gefahren", erklärt Schmidt-Trucksäss.

"Ursache ist eine starke körperliche Belastung unter Sauerstoffschuld (anaerobe Belastung) oder eine länger als eine Stunde dauernde körperliche Belastung an der Leistungsgrenze."

In den ersten 30 Minuten nach der Belastung fällt die Anzahl der natürlichen Killerzellen (greifen virusinfizierte Zellen an) und der T-Zellen rapide ab. Es stehen also augenblicklich weniger Zellen im Kampf gegen Eindringlinge zur Verfügung.

"Dieses'Runterfahren' hält für mindestens vier bis sechs Stunden, manchmal aber auch bis zu einem Tag an. Damit sind vor allem Viren, aber auch Bakterien sozusagen Tür und Tor geöffnet. Sie können sich nahezu widerstandslos auf den Schleimhäuten breit machen und dort Infektionen verursachen."

Das ist auch der Grund dafür, warum Hochleistungssportler ähnlich anfällig für Krankheiten sind wie Personen, die gar keinen Sport treiben. Noch anfälliger wird man, wenn zusätzlich zu den sportlichen Belastungen und der nasskalten Witterung Schlafmangel, Stress, negative psychische Faktoren und/oder eine einseitige Ernährung kommen.

Weniger ist mehr

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Wichtig ist es also, den Belastungsreiz zu kontrollieren: Reizstärke, Reizdauer und seine Intensität wirken sich direkt auf das Immunsystem aus. Aber auch die Regeneration spielt eine wichtige Rolle. "Ruhe und ausreichend Schlaf sind nach intensiven Belastungen sehr wichtig", rät der Sportmediziner. "Ich habe mit der Schwimmnationalmannschaft gute vorbeugende Maßnahmen erarbeitet. Ein Spruch von mir lautet 'Mütze muss mit', denn Ohren und Kopf sollten geschützt sein. Das gilt auch für den Hals."

Und was kann/muss ich tun, wenn es mich doch wieder erwischt hat? "Auf keinen Fall dürfen Sie trainieren, wenn Sie Fieber haben. Der Spruch 'Das schwitz ich raus' kann dann lebensgefährlich sein." Der Körper muss alle Kraft und Energie auf den Infekt konzentrieren können. Kann er das nicht, geht das aufs Herz.
Hier gibt's wichtige Tipps vom Sportmediziner
"Es kann zu einer langanhaltenden Leistungsschwäche kommen. Ich habe schon viele Patienten gesehen, die eine Herzmuskelschwäche davongetragen haben." Das sollte man sich nicht antun.

Fazit

Sport treiben bei Wind und Wetter ist kein Problem und hält gesund, solange man Überlastung vermeidet. Gönnen Sie sich danach Ruhe und vermeiden Sie in den Stunden nach dem Training potenzielle Ansteckungsgefahren. Dann können Sie bestimmt sagen "Erkältung, diesen Winter ohne mich!"

Text: Silke Meusel

Aus ALPIN 12/07
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