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Medizin

So bleiben Sie auch in großer Höhe fit

30.05.2011 11:27:21
Wer in die Berge geht, kommt unweigerlich mit der Höhe in Berührung. Ab einer gewissen Grenze ist eine Höhenanpassung unabdingbar. ALPIN sagt Ihnen, was Ihr Körper dabei durchläuft.
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Eine besondere Belastung für den Körper: Höhenbergsteigen. Foto: Dujmovits.
Bei 2500 Meter kann es problematisch werden - zumindest aus physiologischer Sicht. "Ab dieser Höhe kommt es im Gewebe zu einem Mangel an Sauerstoff", erklärt Privatdozent Dr. Thomas Küpper von der RWTH Aachen, Autor des Buches "Moderne Berg- und Höhenmedizin". "Der niedrigere Luftdruck - genauer: der niedrige Sauerstoffpartialdruck der Luft - stellt für jeden Bergsteiger einen starken Stressreiz dar."

Abhängig von der Aufstiegsgeschwindigkeit kann daher der Aufenthalt in Höhen über 2500 Meter mit Beschwerden einhergehen: Kopfschmerz, Schwindel, Benommenheit und Übelkeit gelten als Symptome der Höhenkrankheit (Acute Mountain Sickness). Wird innerhalb weniger Tage in sehr große Höhen aufgestiegen, betrifft es mitunter sogar mehr als zwei Drittel der Bergsteiger.

Der Blutdruck steigt, Atmung und Herzschlag werden schneller

Tipps für Höhenanpassung: Klicken Sie für eine Großansicht!
Der Körper reagiert auf den Sauerstoffmangel und versucht seinem wichtigsten Organ, dem Gehirn, trotzdem genügend zur Verfügung zu stellen. "Die Blutgefäße im Gehirn weiten sich und die Durchblutung nimmt zu", sagt Küpper. Für unmittelbare Anpassungen ist das vegetative Nervensystem zuständig, das unter anderem den Blutdruck ansteigen lässt sowie Atmung und Herzschlag beschleunigt. Es handelt sich gewissermaßen um eine Stressreaktion des Körpers. "Insgesamt sinkt die Belastbarkeit des Menschen. Das gilt sowohl für die körperlichen wie die mentalen Fähigkeiten."

So nehmen während der Bergfahrt in die Höhe nicht nur Ausdauerleistung und Muskelkraft der Alpinisten ab, sondern es können auch Konzentrationsschwächen auftreten. Ein gestörter Schlafrhythmus gehört ebenfalls zu den häufigeren Höhensymptomen. Geschwindigkeit des Aufstiegs sowie Höhe des Aufenthalts bestimmen weitgehend das Risiko für etwaige Beschwerden. Das gilt es bei jedem Trip in der Höhe zu berücksichtigen - auch dann, wenn es sich um mittlere Höhenlagen zwischen 1500 und 3500 Metern handelt. Stichwort: Akklimatisation.

Die Akklimatisation beginnt sofort - schon beim Aufstieg

"Letztlich hängt es davon ab, in welchen Höhen man sich aufhält und wie lange, wenn es darum geht, dem Körper die nötige Zeit für eine Anpassung zu geben", erklärt Küpper. Geht es in große (3500 bis 5300 m) sowie extreme Höhen (höher als 5300 m), ist die Akklimatisation unumgänglich. Sie beginnt sofort - schon beim Aufstieg in die Höhe. "Die Akklimatisation läuft parallel zur akuten Reaktion des Körpers auf die Höhe ab", stellt Küpper fest. "Dabei spielen sich Vorgänge auf genetischer, zellulärer, biochemischer, zentral-nervöser und organischer Ebene ab."

Vieles läuft unbemerkt ab, doch die Anpassung von Herz, Kreislauf und Lunge spürt der Bergsteiger. So nimmt beispielsweise die Herzfrequenz zu. Nach drei bis fünf Tagen in gleicher Höhe nähert sich der Ruhepuls aber wieder dem Normalwert an - ein Zeichen für eine gelungene Anpassung. Länger dauert es, bis sich die gesteigerte Atemfrequenz wieder reduziert und die tieferen Atemzüge normalisieren: Das geschieht erst, wenn die Transportkapazität für Sauerstoff im Blut sich erhöht. Das dauert, denn der Körper kann auf die Schnelle nur sehr begrenzt zusätzliche rote Blutkörperchen aktivieren.

Der Sauerstoffmangel erhöht die Urinproduktion

"Der Sauerstoffmangel kurbelt zwar sofort die Produktion neuer Erythrozyten an, doch erst nach drei Wochen kommt es zu einer nennenswerten Zunahme", sagt Küpper. Der Grund: Die Vorstufen im Knochenmark brauchen Zeit zu reifen. Daher greift der Körper zu einem Trick: Er dickt das Blut ein, indem er den Wasseranteil verringert.

So reduziert sich bei Aufenthalten in 3000 bis 4000 Meter das Plasmavolumen innerhalb der ersten 48 Stunden um einen halben Liter. Dies gelingt, indem der Körper vermehrt Flüssigkeit ausscheidet. "Die Urinproduktion nimmt zu und auch über die Lunge wird einiges abgegeben", sagt Küpper. Dem sollten Bergsteiger entgegenwirken, da sonst Leistungsabfall und Lethargie drohen. Wer sich lange in der Höhe aufhält, muss ausreichend trinken und die Urinausscheidung kontrollieren (langsames Zählen beim Urinieren). Die Tagessumme sollte etwa gleich bleiben.

Text: Dr. Ralph Müller-Gesser


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