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Medizin

Echt entspannend

27.10.2005 09:28:09
Manch einen Wanderer ereilt nach der Tagesetappe das eine oder andere Zipperlein - damit der Tag nach der Tour nicht zur "TorTour" wird, lohnt es sich, die strapazierten Muskeln mit speziellen Übungen zu besänftigen.
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Pendelübungen für die Schulter:
Beine leicht spreizen. Oberkörper in der Hüfte vorbeugen. Der nicht beteiligte ausgestreckte Arm hält sich in Hüfthöhe an einem Baum oder der Begleitperson fest. Der betroffene Arm hängt locker runter, Schultermuskeln entspannen. Arm schwingt schwungvoll vor, zurück; nach links, rechts; im Uhrzeigersinn, anders herum - je 10 bis 15 Mal.
Wichtig: Rücken bleibt gerade.
Das Knie klemmt, im Rücken zieht’s und der Nacken ist auch noch verspannt. So manch ein Wanderer hat unterwegs mit solchen Beschwerden zu kämpfen. Wenn die Schmerzen kommen, können sie einem die Lust am Sport und der Natur ganz schön vermiesen.

Ursachen sind oft ein zu schwerer oder falsch gepackter Rucksack, eine schlechte Haltung oder nicht richtig passendes Schuhwerk. Manchmal ist es aber auch einfach nur die Tagesform, die nicht stimmt. Lassen sich Mängel am Material als Ursache ausschließen, könnten einige der nachfolgenden Übungen helfen.

Das Ziel der Wanderung ist fast erreicht, viele Stunden Fußmarsch stecken in den Gliedern.Der Gaumen lechzt nach einem kühlen Bier, die Muskeln freuen sich auf Entspannung. Können sie sich langsam abwärmen, hilft es maßgeblich der Regeneration.

Brust- und Lendenwirbelsäule:
Beine leicht spreizen, aufrecht stehen, Hände in die Lendenwirbelsäule. Langsam nach hinten beugen, soweit es problemlos möglich ist. Wiederholungen durchführen. Dann nach vorne beugen, Knie durchdrücken, Rücken ist rund. Mit ausgestreckten Armen versuchen, die Zehen zu erreichen.
Gerade wenn Füße, Beine und Rücken am nächsten Tag für eine weitere Etappe fit sein müssen, sollte das intensive Abwärmen schon vor dem Tagesziel beginnen.

Bereitet das Aufwärmen in erster Linie auf die Leistung vor, dient das Abwärmen der schnellen Erholung. Auf- bzw. Abwärmen sind wörtlich gemeint, denn zuerst wird der Körper auf "Betriebstemperatur" gebracht. Nach der Anstrengung soll er sich nun kontrolliert beruhigen und auf die ursprüngliche Körpertemperatur abwärmen.

Man geht ganz ähnlich vor wie vor dem Sport: Nach dem langsamen Cool down werden alle beanspruchten Gelenk- und Muskelpartien durchbewegt.

Prof. Dr. Jürgen Freiwald von der Bergischen Universität in Wuppertal empfiehlt: "Nach kraftausdauernden Beanspruchungen haben sich in der Sofortregeneration Auslaufen und sofortiger Flüssigkeits-, Mineralstoff- und Vitaminersatz am besten bewährt."

Sprunggelenk und Fuß:
Im Sitzen den Unterschenkel des einen Beins auf den Oberschenkel des anderen Beines legen. Fuß mit beiden Händen umfassen: Die eine Hand liegt oberhalb des Knöchels und stabilisiert den Unterschenkel, die andere Hand greift den Vorfuß und bewegt ihn. Zuerst in Richtung Fußrücken, dann zur Fußsohle, je 15 Mal. Anschließend den ganzen Fuß kreisen, jeweils im und gegen den Uhrzeigersinn.
In der Praxis heißt das: Die letzten zehn Minuten des Weges möglichst langsam laufen, ruhig öfter stehen bleiben, die Aussicht genießen und durchschnaufen. Vorfreude ist die schönste Freude und die darf man richtig auskosten. Dadurch verlangsamt sich die Atmung, Herz-Kreislauf- und Muskelfunktionen werden noch für einige Zeit über dem Ruheniveau gehalten, erklärt Feiwald.

"Die Durchblutung und Temperatur in der Arbeitsmuskulatur findet auf höherem Niveau statt." Durch das Abwärmen werden saure Stoffwechselzwischenprodukte aus den Zellen ausgeschwemmt und die günstige Arbeitstemperatur der Enzymsysteme bleibt aufrechterhalten.

Hat man die Hütte erreicht, darf das ersehnte Bier erst mal den Gaumen erfrischen - vitaminreiche, mit Wasser verdünnte Säfte oder Kräutertees sind allerdings die besseren Alternativen. Um bei der Brotzeit nicht auszukühlen, warm und trocken anziehen.

Rotation der Lendenwirbelsäule:
Hilfsmittel: ein Pullover/Handtuch oder ähnliches zusammenrollen.
Flach auf den Rücken legen, Arme seitlich ausbreiten, Beine 45 Grad geschlossen anstellen. Langsam und gleichzeitig beide Knie in eine Richtung kippen. Hilfsmittel unter das untere Knie schieben und dagegen drücken. Dehnung wird im Rücken spürbar.
Wichtig: Knie bleiben geschlossen, Schultern flach auf den Boden drücken.
Optimal wäre danach ein warmes Bad oder eine heiße Dusche - gibt’s stattdessen einen Bergsee, können ein paar Runden darin ähnlich effektiv sein: Die Durchblutung funktioniert besser und die Muskeltemperatur steigt erneut an. Von der psychischen Wohltat ganz zu schweigen.

Nach etwa einer Stunde ist dann Dehnen sinnvoll. "Zur Regeneration sollte statisch gedehnt werden", sagt Knut Stamer, Cheftherapeut an der Fachklinik für Orthopädie und Sportmedizin Medical Park in Bad Wiessee. "Meist bieten sich dafür die gleichen Übungen an, wie beim Aufwärmen. Dehnt man die Muskeln jetzt ohne Wippen, kann man die Spannung besser wahrnehmen und den Tonus senken."

Wichtig ist, nicht zu stark zu dehnen, sonst könnte das einen Muskelkater verstärken oder sogar verursachen.

Große Brustmuskulatur:
In eine Zimmerecke stellen, Hände seitlich an die Wände legen. Ein Bein steht auf einem Stuhl/gepackten Rucksack, so dass Ferse, Po, Rücken und Hinterkopf auf einer Geraden liegen. Brustbein nach vorne schieben, Dehnung wird in beiden Brustmuskeln spürbar.
Wichtig: Rücken bleibt aufrecht.
Und noch etwas: Wer die Übungen gemeinsam mit seinem Wanderpartner durchführt, hat mehr Spaß dabei und für den nächsten Tag ist das Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt. So wandert es sich unverkrampft und so manche Spannung bleibt aus.

Für alle hier gezeigten Übungen gilt:
  • Sorgen Sie für eine sichere Ausgangs- und Endstellung.
  • Dehnen Sie schonend und kontrolliert, das heißt langsam und gleichmäßig.
  • Statisches Dehnen: 4 - 5 Wiederholungen an derselben Extremität von jeweils 8 Sekunden Dauer, dann Wechsel.


Aus ALPIN 08/2004
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