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Bergsport mit einem künstlichen Gelenk - Wie geht das?

Es ist kein Geheimnis: Die Menschen werden immer älter – und sind im Alter immer fitter. Mehr Senioren als jemals zuvor treiben regelmäßig Sport, wie Mitgliederzahlen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) belegen. Demnach machen 3,8 Millionen Deutsche über 60 Jahren Sport.
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Bergsport ist auch mit künstlichen Gelenken möglich. (Foto: picture-alliance.com)
Aktives Altern fördert Gesundheit und Wohlbefinden. "Voraussetzung ist ein intakter Bewegungsapparat", erklärt Dr. Bernhard Huter, Orthopäde aus Innsbruck.
Doch die großen Gelenke des Körpers, Knie und Hüfte, sind im Lauf des Lebens großen Belastungen ausgesetzt. Nicht selten macht sich im Alter Verschleiß bemerkbar." Angesichts der demographischen Entwicklung kommt schmerzhafte Arthrose immer häufiger vor. Wirksame Behandlungen fehlen.

Huter: "Wenn die Beschwerden die Lebensqualität beeinträchtigen, sollte an ein künstliches Gelenk gedacht werden." Dazu entschließen sich immer mehr Menschen. Die Zahl der Prothesen-Operationen nimmt in Deutschland stetig zu:
Inzwischen werden mehr als 250 000 künstliche Hüften und Knie pro Jahr implantiert.

"Wird ein Gelenk durch eine Prothese ersetzt, geht es in erster Linie darum, Schmerzen zu beseitigen", stellt der Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie fest.
Huter ist selbst Bergsteiger und kann daher gut verstehen, dass sich Bergsport-Begeisterte einige Zeit nach der Operation - wenn die Schmerzen verschwunden sind und die Beweglichkeit wieder da ist - wieder mehr belasten wollen. "Viele meiner Patienten fragen mich, ob sie mit dem künstlichen Gelenk wieder in die Berge gehen können", berichtet Huter.

Dr. Bernhard Huter aktiver Bergsteiger und Orthopäde.
Der Orthopäde gibt zu, dass die Studienlage zur sportlichen Belastbarkeit von Prothesen wenig überzeugend ist: "In den wenigen Untersuchungen, die es gibt, kommt Bergsport nicht vor."
Die Empfehlungen für Bergsportler mit künstlichen Gelenken beruhen daher vor allem auf Erfahrungswerten. Grundsätzlich aber gilt: Moderate und wohl dosierte sportliche Aktivität beeinflusst vermutlich die Lebensdauer eines künstlichen Gelenkes positiv. Das bedeutet: Die Haltbarkeit verlängert sich. Voraussetzung dafür sind eine gute Nachbehandlung nach der Operation sowie eine starke und gut funktionierende Muskulatur. "Koordination und Kraft sind die entscheidenden Faktoren", sagt Huter.

Der Orthopäde rät seinen Patienten daher, Sportarten wieder aufzunehmen, die sie vor der Operation schon betrieben haben. "Wenn man einen Sport beherrscht, lässt sich die Belastung auf die Gelenke besser einschätzen und vor allem mindern." Ungünstig für künstliche Gelenke sind Stoßbelastungen, wie sie bei Sportarten mit Sprüngen oder abrupten Richtungswechseln vorkommen. Diese Belastungen können dazu beitragen, dass sich eine Prothese im Knochen schneller lockert.

Ab in die Berge

Wandern gilt unter diesen Gesichtspunkten als idealer Sport für Menschen mit künstlichem Gelenk: Die Belastungen sind moderat, eher sanft und Stoßbelastung kommen praktisch kaum vor.

"Wandern ist ausgezeichnet für die Knochenqualität, den Körper und die Psyche – und damit auch für die Prothese", fasst Huter zusammen. Fürs Bergsteigen, womöglich sogar mit Steigeisen, sieht er mehr Risiken als Vorteile: "Aus ärztlicher Sicht kann ich diesen Sport Menschen mit künstlichem Gelenk nicht wirklich empfehlen. Letztlich muss aber jeder für sich die Risiken abwägen."

Daher gibt der Orthopäde erfahrenen Bergsteigern schon mal grünes Licht. Eher selten stellen Patienten die Frage, ob auch Klettern möglich ist. Huter rät davon ab, wegen des hohen Sturzrisikos: "Bricht der Knochen, in dem die Prothese sitzt, ist die Versorgung meist recht problematisch." Schon scheinbar unproblematische Stürze ins Seil und der nachfolgende Aufschlag auf die Wand bergen diese Gefahr.

Ausgezeichneten Kletterern mit Hüftprothese, die unbedingt wieder ihren Sport machen wollen, empfiehlt er Klettern im Nachstieg. Trekkingtouren sind dagegen auch mit Prothesen möglich. "Allerdings frühestens zwölf Monate nach der Operation", schränkt Huter ein. Während der Orthopäde Menschen mit Knieprothesen nur leichtere Touren empfiehlt, sieht er für jene mit einer künstlichen Hüfte weniger Einschränkungen.

Vorsicht jedoch vor Infektionen: Die Keime, die einen eitrigen Zahn oder eine Lungenentzündung auslösen, können in die Blutbahn gelangen und sich in der Folge am künstlichen Material der Prothese festsetzen. "Unter Umständen macht es bei längeren Touren daher Sinn, Antibiotika einzupacken" sagt Huter.

Text: Ralph Müller-Gesser

Aus ALPIN 09/2012
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31.10.2014 15:51:24