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Medizin

Voll auf den Magen

10.08.2006 08:58:42
Erbsensuppe mit Würstchen, Kaiserschmarrn mit Apfelmus, Röstkartoffeln mit Speck, Brettljause mit Käsebrot und Schinkenspeck - das sind die Zutaten einer typischen Berghütten-Speisekarte. Natürlich darf das Flüssige nicht fehlen: Almdudler, Hefeweizen, Radlermaß und Obstler.
Naja, nach einer so anstrengenden Tour hat man sich doch "was gscheits" verdient. Prost! Und die Erkenntnis über eine ausgewogene und gesunde Sportlerkost wird gleich mit runtergespült.
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Kleine, schnelle Energie. Aber zu viel des Guten kann sich fatal auf die Verdauung auswirken.
Nicht selten folgt Montezumas Rache. Durchfall oder Verstopfung auf Tour kann viele Ursachen haben. Die Folgen sind fast immer die gleichen: Krämpfe, Leistungseinbruch, Mattigkeit. All das kann man auf einer Mehrtagestour am wenigsten gebrauchen. Und so ist es besonders wichtig, sich unterwegs richtig zu ernähren.

Richtig heißt natürlich in erster Linie nach persönlichem Geschmack und Essgewohnheiten. Denn es macht wenig Sinn, sich unterwegs Nahrung reinzuquälen, die nicht schmeckt. Selbst wenn man plant, sich von Tütenkost zu ernähren, sollte man das eine oder andere Gericht vorher probiert haben: Nur was schmeckt, rutscht auch unter erschwerten Bedingungen runter. Alles was bläht, klebt oder reizt, kommt gar nicht erst in den Rucksack.

Damit wären wir schon beim nächsten Thema: Das Gewicht ist auf vielen Touren ausschlaggebend für die Auswahl von Riegeln, Getränken und sonstigem. Viel Energie muss leicht und handlich verpackt sein und soll auch noch schmecken. Eine große Herausforderung für die Lebensmittel-Industrie und unseren Magen. Denn nicht immer kommt er mit so geballter Energie zurecht. Es gibt auch "zu viel des Guten": Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate müssen richtig dosiert sein, sonst können sie durchaus unangenehme Nebenwirkungen haben - meist sind es Durchfall oder Verstopfung.

Es gibt noch andere Ursachen für Verdauungsprobleme

Nervosität oder der Ekel vor der Hüttentoilette, Bakterien, Viren oder einzellige Lebewesen, die durch verunreinigte Lebensmittel oder Getränke aufgenommen wurden. Hat man sich einen Durchfall eingefangen, sollte man gründlich überlegen, was die Ursache sein könnte. Mit einem Durchfall will der Körper etwas loswerden, das ihm schadet. Gleichzeitig gehen aber auch viele Mineralstoffe und Flüssigkeit verloren. Und die müssen schnell und ausreichend ersetzt werden.

Schwarzer Tee, leicht gesüßt, eignet sich dafür besonders gut. Erst wenn gar nichts mehr drin bleibt, sind entsprechende Medikamente (Loperarmid, Imodium) sinnvoll, um unterwegs einen zu starken Leistungseinbruch zu verhindern. Bei gleichzeitig auftretendem Fieber und Erbrechen ist allerdings Alarmstufe Rot angesagt. Ab zum Arzt, es könnte eine Lebensmittelvergiftung dahinter stecken.

Voll verstopft

Heftig deftig: Wer sich auf der Tour nicht richtig ernährt kann Probleme mit der Verdauung bekommen. Man sollte seine gewohnte Ernährung beibehalten.
Mindestens genauso unangenehm wie Durchfall kann eine auftretende Verstopfung sein. Bei vielen reicht schon eine Änderung im morgendlichen Rhythmus aus, um den Toilettenbesuch komplett ausfallen zu lassen. Fehlte der Kaffee am Morgen oder gab's am Abend zuvor zu viel Rotwein, oder haben Sie unterwegs viel zu wenig getrunken? Oder hat man Hemmungen, auf die nicht gewohnte Toilette zu gehen?

Wenn der überschüssige Ballast im Darm drückt, aber partout nicht rauskommt, helfen kleine "Abführmittel": getrocknete Pflaumen oder lauwarmes Wasser in kleinen Schlucken getrunken helfen. In beiden Fällen gilt: Nach überstandener Qual unbedingt richtig Essen und ausreichend trinken. Calcium- und magnesiumreiche Mineralwässer (am besten im Verhältnis 2:1, Magnesium 100 Milligramm/ Liter) mit einem Schuss Fruchtsaft (3:1) gemischt. Das liefert gut verwertbare Flüssigkeit, Mineralstoffe, Vitamine und Kohlenhydrate (aber Vorsicht: auch zu viel Magnesium hat schon wieder abführende Wirkung).

Bei Kälte sind warme, leicht gesüßte Kräutertees eine gute Alternative - oder füllen Sie doch mal eine Gemüsebrühe in die Thermosflasche! Diese Energie in flüssiger Form rutscht immer und sollte daher auch reichlich, das heißt jede Viertelstunde getrunken werden. Auch dann, wenn der Körper noch kein Durstgefühl meldet. Kleine Schlucke kann er besser verwerten als einen halben Liter Flüssigkeit auf einmal.

Hüttenessen light

Und so könnte nun die Essens-Wahl von der Speisekarte aussehen: Eine Suppe (zum Beispiel Minestrone) liefert viel Flüssigkeit, Spaghetti Bolognese sind eine gute Portion Kohlenhydrate, ein Tomaten- oder Gurkensalat enthält ebenfalls viel Flüssigkeit und Vitamine. Dazu eine Saftschorle oder ein alkoholfreies Bier. Und schon sind alle Ernährungsgrundsätze wieder eingehalten und man kann sich gelassen der Hüttengemütlichkeit hingeben.

Text: Silke Meusel (Text gekürzt)

Aus ALPIN 10/2006
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