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Medizin

Wohl dosiert in die Höhe - So geht's

08.10.2012 10:31:39
Höhe macht krank - wenn man es falsch angeht. ALPIN sagt Ihnen, was im Organismus in großer Höhe geschieht und wie Sie der Höhenkrankheit vorbeugen.
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Eine französische Bergsteigerin steht auf dem Gipfel des Kilimandscharo . (Foto: picture-alliance.com)
Auf den gefährlichsten Berg der Welt zu kommen, ist ein Kinderspiel. Sanft windet sich der Pfad durch verschiedene Vegetationsstufen zum Gipfel. „Der Aufstieg zum Kilimandscharo ist einfach. Was ihn für normale Touristen so gefährlich macht, ist die Höhe“, sagt Professor Thomas Küpper von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH Aachen).

Der Sport- und Reisemediziner, der das Buch „Moderne Berg- und Höhenmedizin“ herausgegeben hat, erklärt sich die Sorglosigkeit vieler Kilimandscharo-Touristen mit den günstigen Reiseangeboten:
„Sie werden mit dem Versprechen angelockt, dass der Gipfel in vier Tagen zu erreichen ist. Dass dies nur einem von vier Bergsteigern tatsächlich gelingt, verschweigen die Reiseveranstalter.“

Die miserable Quote lässt sich erklären: in vier Tagen vom üblichen Ausgangspunkt auf rund 2000 Meter Höhe bis hinauf auf knapp 5900 Meter überfordert den menschlichen Körper. Küpper: „Er hat keine Zeit, sich an die große Höhe zu gewöhnen. Das muss einfach schiefgehen.“

Prof. Thomas Küpper ist Autor des Buches "Moderne Berg- und Höhenmedizin".
Tatsache ist: ab 2500 Metern macht die Höhe dem menschlichen Körper zu schaffen. ein Großteil der Belastung wird durch den geringeren Sauerstoffdruck in der Luft hervorgerufen.
„Allerdings ist bis heute noch nicht wirklich geklärt, was genau die Höhe im Körper anrichtet und wie sie gesundheitliche Probleme hervorruft“, räumt der Aachener Mediziner ein.
Doch sie tut es, und dies sogar bei ziemlich vielen:

Ab 2800 Metern spüren knapp die Hälfte der Bergsteiger Symptome der „acute mountain sickness“, der akuten Höhenkrankheit.

Ab 4500 Metern treten sogar bei 85 Prozent die typischen Beschwerden auf wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen.

Ob Höhe krank macht, hängt dabei nicht von den am Tag bewältigten Höhenmetern ab, sondern vom Unterschied der Schlafhöhe von einem Tag zum nächsten. „Pro Nacht sollten nicht mehr als maximal 500 Höhenmeter hinzukommen“, erklärt Küpper. Das bedeutet nicht, dass es tagsüber nicht höher hinaufgehen darf. Doch ausruhen tut man sich abends eben weiter unten.

Die Höhenkrankheit ist tückisch, denn sie macht sich nicht sofort, sondern mit Verzögerung von vier bis acht Stunden bemerkbar. „Das führt dazu, dass die Betroffenen nach einem zu raschen Aufstieg nachts die Quittung bekommen.“ Verzögert treten auch die anderen, heftigeren Gesundheitsprobleme auf, die Aufenthalte in der Höhe ebenfalls hervorrufen können: So spüren Bergsteiger ein Lungenödem (Wasser in der Lunge), das ab 4000 Metern droht, erst nach 12 bis 24 Stunden.

Das Gehirnödem, bei dem sich Flüssigkeit in den Nervenzellen ansammelt und das ab Höhen von 5000 Metern häufiger auftritt, hat sogar eine Vorlaufzeit von 96 Stunden.

Typisch für das Lungenödem sind starke Atembeschwerden und eine verminderte Belastbarkeit. „Ein Hirnödem macht sich in der Frühphase mit rasenden Kopfschmerzen, die nicht auf Medikamente ansprechen, und Gleichgewichtsstörungen bemerkbar“, sagt Höhenspezialist Küpper. „Das Problem lässt sich daher auch von Laien meist gut erkennen.“ Lungen- und Hirnödem sind medizinische Notfälle, die sofort behandelt werden müssen – auch wenn kein Arzt in der Nähe ist.

Da die Betroffenen ohne Verzögerung Medikamente benötigen, müssen im Notfall begleitende Bergsteiger in die Arztrolle schlüpfen und entsprechende Mittel verabreichen.

Bei Touren in große Höhen sollte daher immer ein Nifedipin-Präparat (mit verzögerter Freisetzung) und ein Kortison-Mittel wie Dexamethason eingepackt werden. Denn Nifedipin weitet die Blutgefäße, auch jene in der Lunge. Das bessert das Lungenödem und die Betroffenen können wieder besser atmen.

Kortison wiederum hilft bei einem Hirnödem: Es bremst die Flüssigkeitseinlagerung im Gehirn. „Die medikamentöse Behandlung ist nur der erste Schritt“, sagt Küpper. „Im zweiten müssen die Betroffenen in deutlich tiefere Lagen evakuiert werden.“ Nach unten sollte es auch bei der akuten Höhenkrankheit gehen. Allerdings nur vorübergehend, schränkt der Sportmediziner ein: „Im Idealfall gehen Betroffene auf die Höhe runter, auf der sie sich zuletzt wohlgefühlt haben.

Dort bleiben sie dann mindestens einen Tag, bevor sie ihre Tour fortsetzen.“ Gegen die Beschwerden hilft auch in diesem Fall die Reiseapotheke: Mittel gegen Übelkeit und gegen Schmerzen sind ein Muss auf jeder Tour. Kaum eine Rolle spielt der aktuelle Trainingszustand. Denn selbst sehr fitte Menschen werden höhenkrank, wenn sie zu schnell aufsteigen. Einzige Vorbeugung ist ein langsamer und gemächlicher Aufstieg.

Text: Dr. Ralph Müller-Gesser

Aus ALPIN 10/2012
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