- Anzeige -
"Das Skelett sorgt dabei nur zu einem kleinen Teil für die nötige Stabilität. Überragende Bedeutung hat die Muskulatur. "Messungen zeigen, dass bereits beim Heben eines Getränkekastens die Belastung zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel 20 Mal höher ist, als Knochen- und Bindegewebe alleine - ohne Muskulatur - halten können.
Damit die wichtigen Muskeln kräftig bleiben, müssen sie gefordert werden. - Im Alltag vieler Menschen findet die dafür nötige Bewegung allerdings nicht statt", stellt Waizenhöfer tagtäglich fest.
"Wenn dann in der Freizeit kein Sport getrieben wird, sind Rückenschmerzen fast vorprogrammiert." Der Prozess verläuft oft nach folgendem Schema: Bei schwacher Muskulatur ist die Belastung der knorpeligen Gewebescheiben zwischen den Wirbeln, der Bandscheiben, höher.
Diese büßen an Höhe ein und verlieren ihre Funktion als Stoßdämpfer. Damit erhöht sich die Belastung der Facettengelenke, kleiner Verbindungen zwischen den Wirbeln. Wenn sie verschleißen, werden Rückenbeschwerden schnell zum dauerhaften Begleiter.
Die Abnutzung
der Facettengelenke der Wirbel ist einer der häufigsten Gründe für Kreuzschmerzen - für akute wie chronische. Waizenhöfer rät, bei örtlich begrenzten Rückenproblemen nicht länger als drei bis vier Tage zu warten, bevor ein Arzt aufgesucht wird."Klingen die Probleme in dem Zeitraum nicht ab, ist meist eine ärztliche Therapie sinnvoll." Bisweilen reicht eine einzige Betäubungsspritze. "Gelingt es, die Verspannung der Rückenmuskulatur mit dieser Infiltration zu lösen, verschwinden die Schmerzen." Massagen, Wärmeanwendungen und Krankengymnastik ergänzen die Behandlung.
Nur wenn die genannten Maßnahmen keinen Erfolg bringen, sollte an eine Operation gedacht werden. Zuvor jedoch kann es bei manchen dieser Patienten sinnvoll sein, eine spezielle Therapie – die Thermokoagulation – anzuwenden.
"Dabei wird eine Sonde unter Röntgenkontrolle am Facettengelenk platziert und auf 85 Grad erhitzt. Damit lässt sich der schmerzleitende Nerv langfristig ausschalten."
Auch „klassische“ Bandscheibenvorfälle
lassen sich nach Waizenhöfers Erfahrung in bis zu 85 Prozent der Fälle gut ohne Operation behandeln. „Krankengymnastik, physikalische Therapiemaßnahmen, die kurzzeitige Einnahme von Medikamenten reichen hier meist aus.“Allerdings ist bei Menschen, bei denen der Bandscheibenvorfall mit Taubheitsgefühlen oder Muskelschwächen in den Beinen einhergeht, häufig eine rasche Operation nötig.
Vorbeugen ist wichtig
Egal, ob Operation oder konservative Therapie: Dauerhaft bekommen fast alle Rückenschmerz- Geplagten ihre Beschwerden nur mit aktiver Vorbeugung in den Griff. Dazu gehört: Übergewicht reduzieren und trainieren. „Es klingt paradox, aber es stimmt: Einen schmerzenden Rücken sollte man nicht schonen, sondern man muss ihn bewegen“, sagt Experte Waizenhöfer.Wie Sie Rückenschmerzen im Alltag vermeiden, erfahren Sie hier.
Dabei geht es nicht nur um die Muskeln des Rückens. „Entlastet wird die Wirbelsäule nur, wenn die Muskulatur sowohl vorne als auch hinten am Körper kräftig genug ist. Zusammen mit dem Rücken muss daher immer auch der Bauch trainiert werden.“
Anfangs lohnt es sich, mit einem Physiotherapeuten zu arbeiten, um die Übungsreihen genau zu erlernen. Anschließend kann man das Training alleine durchführen. Entscheidend sind Konsequenz und Durchhaltevermögen. Waizenhöfer: „Wer mit dem Training wieder aufhört, läuft Gefahr, dass die Schmerzen bald wiederkommen.“
Text: Ralph Müller-Gesser
Aus ALPIN 10/09
Zur Einzelheftbestellung
Alle auf alpin.de veröffentlichten Medizin-Artikel finden Sie hier.
Das aktuelle Heft

Seite versenden
Seite drucken
Sitemap 




