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Das hat einen entscheidenden Vorteil: Da die Strukturen flexibler als Knochen sind, ermöglichen sie eine außergewöhnliche Bewegungsfreiheit. Der Nachteil: Da sie weicher sind, bieten sie dem Gelenk bei ungewöhnlichen Belastungen wenig Rückhalt. Aus diesem Grund ist die Schulter - wie kein anderes Gelenk - besonders anfällig, Verrenkungen zu erleiden. "Die Schulter auskugeln", sagen Laien dazu; Mediziner sprechen von einer Luxation.
Nicht nur beim Sport, auch im Alltag kommen Luxationen vor
"Kontaktsportarten wie Handball oder Fussball sind in der Hinsicht besonders verletzungsträchtig. Im Winter passiert es häufig beim Snowboarden", sagt Hoppert. Aber auch im Alltag kommen Luxationen vor: Mitunter reicht es, unglücklich auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf die Schulter zu fallen.
Manchmal drückt die Wucht des Aufpralls den Oberarm aus der kleinen Gelenkpfanne, manchmal sind es die über den Arm wirkenden Hebelkräfte. Die Folge: Der Oberarmkopf rutscht vor das Schulterblatt. "Vor allem bei jüngeren Menschen ist die vordere Luxation deutlich häufiger als die hintere", erklärt Hoppert. Dabei werden Bänder, Muskeln und Gelenkkapsel stark gedehnt - insbesondere bei einer ersten Verrenkung.
Teilweise reißt sogar Gewebe ein, sodass feine Blutgefäße und auch Nerven beschädigt werden. Zu den starken Schmerzen und der Schwellung kann sich ein Kribbeln oder ein Taubheitsgefühl in den Fingern gesellen, wenn Nerven verletzt sind. Auch wenn rasches Handeln nun wichtig ist, so gilt es doch, nichts zu überstürzen.
Oft kann man den Oberarmkopf nur unter Narkose zurückschieben
"Das Gelenk sollte immer ein Arzt einrenken", mahnt Hoppert zur Vorsicht. Denn unkontrolliertes Herumdrücken am Gelenk ist nicht nur schmerzhaft, sondern erhöht auch die Gefahr weiterer Schäden. Manchmal sind die Schultermuskeln derart verkrampft, dass der Arzt den Oberarmkopf erst wieder ins Gelenk zurückschieben kann, wenn der Betroffene eine kurze Narkose erhält.
"Ohne Operation wächst der Knorpel nicht an der richtigen Stelle an, was die Stabilität beeinträchtigt", sagt Hoppert. Die Folge: Mit hoher Wahrscheinlichkeit folgen weitere Luxationen. Daher haben Ärzte ihre frühere Zurückhaltung aufgegeben: Heute raten sie jungen und aktiven Menschen frühzeitig zu einer Operation. Besser zu früh als zu spät.
Zehn Prozent der Operierten erwischt es wieder
Außerdem: Je öfter das Gelenk herausspringt, desto umfangreicher ist der Gewebeschaden, der behoben werden muss. Mitunter kann dann der Eingriff nicht mehr in schonender Schlüsselloch-Technik (minimal- invasiv) erfolgen, sondern es ist eine offene Operation nötig, die eine entsprechend längere Ruhigstellung nach sich zieht.
Egal, welche Methode zum Einsatz kommt, Ziel des Eingriffs ist immer, die Schulter zu stabilisieren: Dazu nähen die Ärzte das abgebrochene Knorpelstück an und straffen den Kapsel- Band-Apparat.
Völlig gebannt ist damit die Gefahr einer erneuten Verrenkung aber nicht. Immerhin zehn Prozent der Operierten erwischt es wieder. "Die Gefahr eines Rückfalls ist umso größer, je öfter das Gelenk zuvor bereits ausgekugelt war", erklärt Hoppert. Mit ein Grund, sich frühzeitig operieren zu lassen.
Text: Dr. Ralph Müller-Gesser
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