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Medizin

Kontaktpflege

29.08.2008 09:47:00
Schnell eine Runde auf dem Rad drehen oder joggen gehen, ein paar Hanteln stemmen - oft reicht die Zeit gerade dafür noch aus. Auf- und Abwärmen kommen meist schon zu kurz und die Wenigsten nehmen sich Zeit für reines Koordinationstraining oder Beweglichkeitsübungen. Ein Fauxpas, denn ohne unsere koordinativen Fähigkeiten können wir uns nicht sicher im Gelände bewegen.
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Slack- und Highline verlangen ein Höchstmaß an Koordination.
Gezieltes Training ermöglicht einen ökonomischeren, schnelleren und zielgerichteteren Bewegungsablauf. Diese Erkenntnis haben wir bereits mit in die Wiege gelegt bekommen. Babies üben ständig, nach Dingen zu greifen, bis sie ihre Händchen gezielt nach etwas ausstrecken, es tatsächlich erwischen und geradewegs in ihren Mund befördern.

Viele Jahre ist das menschliche Gehirn besonders empfänglich für diese Reize, wir trainieren sie meist spielerisch. Im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren klappt das besonders gut. Danach ist es auch weiterhin möglich, neue Bewegungsabläufe zu verinnerlichen, alte Muster aufzubrechen um die Details zu verbessern: Feinmotorik, Reaktionsvermögen, Beweglichkeit.

Schmale Wege, lockere Steine, Wurzeln, Geröllfelder, Kletterpassagen im Fels - hier muss alles perfekt zusammenspielen: Die Augen erkennen die Situation, die Meldung geht an das Gehirn und überträgt über Rückenmark und Nerven die Reaktion an die Muskeln. Klappt alles, weichen wir aus, fangen uns ab oder ergreifen schnell das Seil. Klappt es nicht, stolpern oder stürzen wir. Bergführer Günter Durner empfiehlt daher jedem, sein Koordinationsvermögen zu schulen.
Der Körper und seine Kraft: zum Artikel
"Ich stelle leider vermehrt fest, dass auch schon junge Menschen Koordinations-Schwächen haben. Dabei lässt sich das gut trainieren: Balancieren Sie auf wackeligen Holzklötzen, Baumstämmen oder durchqueren Sie ein Geröllfeld. So schärfen Sie Ihre Sinne." Selbstverständlich sollten Sie dabei gefährliche Situationen vermeiden.

Doch jeder Absprung von einem wackeligen Brett oder einem Baumstamm trainiert wiederum das Reaktionsvermögen und das richtige Landen. Wem das für den Anfang zu heikel ist, der kann sich das Seil auch als Acht auf den Boden legen und darauf spazieren gehen (die liegende Acht unterstützt das Zusammenspiel von linker und rechter Gehirnhälfte).

Eine gute Koordination ermöglich zügiges Vorankommen ohne Unsicherheit.
Besonders geeignet für den "Hausgebrauch" sind sogenannte Wackelbretter, zum Beispiel von MFT (Multifunktionale Trainingsgeräte). Diese Discs kann man sich ins Wohnzimmer legen oder sich beim Zähneputzen draufstellen. Durch Verlagern des Körperschwerpunkts, lässt sich die Scheibe in alle Richtungen bewegen, durch wechselnde Beinbelastung kann sie sich drehen. Die Übungsvielfalt ist groß - je nach Sportart und Trainingsziel kann man schon mit einem minimalen täglichen Zeitaufwand von 15 Minuten koordinativ besser werden.

"Sie werden sehen"", sagt Durner, "auf einem gespannten Seil oder auf einer Slackline können nicht nur die Profis balancieren." Denn mit jeder Trainingseinheit, egal wo und wie man sich sein Pensum arrangiert, verbessern sich die neuronalen Schaltungen auf spinalem, supraspinalem und kortikalem Niveau: Die neuen Bewegungsmuster werden erlernt und gespeichert. Sobald sie bekannt sind kann sich der Körper darauf konzentrieren, das Zusammenspiel der Muskeln zu verbessern, dadurch werden Bewegungsabläufe ökonomischer, wir verbrauchen weniger Energie.
Tipps zum Koordinationstraining
Gibt es dann im "tatsächlichen Leben" - also außerhalb des Trainings - Abweichungen vom abgespeicherten Muster, kann unser Gehirn schneller darauf reagieren. Diese Reaktionsgeschwindigkeit lässt sich auch steigern, indem man sich mental auf die Anstrengung vorbereitet. Das findet bei einem ausgiebigen Aufwärmen automatisch statt.

Für eine solch schwere Route ist ein Zusammenspiel aus Kraft, Ausdauer und Koordination gefragt.
Nicht nur die Muskeln werden besser durchblutet. Auch unser Gehirn kommt in die Gänge. Es empfängt Reize, wie bei der echten Belastung. Danach sind alle beteiligten Muskeln aufgewärmt, Sehnen und Bänder sind elastischer, die Verknüpfungen zwischen den Nerven funktionieren rascher, leiten die Reize schneller weiter, leistungsfördernde Hormone werden ausgeschüttet. Wir fühlen uns wach und aufnahmebereit.

Das Dehnen nach der Belastung unterstützt diesen positiven körperlichen Effekt. Denn Ausdauer- und Krafttraining verkürzen die Strukturen, da sie tatsächlich nur einen Teil des möglichen Anspannungsweges beanspruchen. Gelenke, Sehnen, Bänder und Muskeln werden durch Dehnen wieder frei beweglich. Regelmäßig durchgeführte mobilisierende Übungen halten sie bis ins hohe Alter flexibel. So wird beim Wandern nicht jeder lockere Stein gleich zum Stolperstein.
Zum Artikel Fit für den Berg
Und auf das Klettern bezogen, schreibt Wolfgang Güllich in seinem Buch "Sportklettern heute": "Sieht man das Klettern als einen künstlerischen Akt, so ist die Koordination dessen Lebensader!"

Infos: www.mft.at

Text: Silke Meusel

Aus ALPIN 08/07
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