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Medizin

Schmerz lass nach!

12.10.2005 14:30:01
Nach einer Bergtour schmerzen ohne ersichtlichen Grund die Knochen. Keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Viele Bergenthusiasten kennen den Schmerz hinter der Kniescheibe, der auch noch Tage nach der Wanderung ständig zu spüren ist. Überlastungsschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden, unter denen Bergsportler leiden. Eine Überlastung kann im Extremfall bis zu einem Bruch führen, dem so genannten Ermüdungsbruch.
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Neuralgische Punkte beim Bergsteigen
Nur selten sind es schwere Stürze, die Bergenthusiasten zum Pausieren zwingen. Viel häufiger sind es die schleichenden Schmerzen, die sich im Knie, im Handgelenk oder den Fingern festsetzen.

Zunächst spürt man sie nur beim Sport, dann auch noch Tage danach, irgendwann plagen sie einen auch nachts: Bergwanderern schmerzt meist die Kniescheibe oder der Fuß, Kletterer haben Finger- und Mountainbiker Handgelenksschmerzen, Skitourengeher leiden unter gereizten Schienbeinen.


"Ein Überlastungsschaden ist nicht schicksalhaft"

Dr. Ludwig V. Geiger ist Facharzt für Sportmedizin und Mannschaftsarzt des Deutschen Skiverbandes. Er ist Autor des Buches "Überlastungsschäden im Sport" (BLV-Verlag) und weiß: "Ein Überlastungsschaden ist nicht schicksalhaft. Häufig liegen Faktoren zugrunde, denen vorgebeugt werden kann.
Dr. Ludwig Geiger ist Mannschaftsarzt des Deutschen Skiverbandes
Das heißt, Überlastungsschmerzen können durch angeborene Fehlstellungen verursacht werden zum Beispiel X- oder O-Beine, Beinlängendifferenz, muskuläres Ungleichgewicht oder andere anatomische Probleme.
Häufig werden sie aber auch durch Trainingsfehler, fehlerhafte Technik oder eine falsche Ausrüstung provoziert: Ist der Wanderschuh zu hart, zu weich oder zu alt, der Skischuh zu eng oder die Klickpedale am Mountainbike zu starr eingestellt, beschweren sich Sehnen, Knorpel und Schleimbeutel."

Studien zufolge, leiden 67 Prozent aller Bergsteiger unter Knieproblemen. "Nach unseren Erhebungen", sagt Geiger, "weisen zirka zehn Prozent der Bergwanderer/Bergsteiger über 50 Jahren einen Knorpelschaden der Kniescheibenrückseite auf."

Irgendwann knackt es

Im Extremfall kommt es durch Überlastung zum Ermüdungsbruch (oder Stressfraktur). Das heißt, der Knochen bricht, ohne äußere Einwirkung. Vorausgegangen ist meist eine falsche oder zu hohe Belastung der Extremität. Zwar kann jeder aktive Mensch jeden Alters einen Ermüdungsbruch erleiden, besonders gefährdet sind allerdings Personen mit einer Beinlängendifferenz oder einem zu hohen oder zu niedrigen Fußgewölbe.

Geiger warnt: "Stressfrakturen spielen sich bei Bergsteigern häufig im Mittelfußbereich ab - man spricht von der so genannten Marschfraktur - selten auch im Bereich der Schienbeine. Häufig liegt eine Fehlstatik zugrunde (Senkspreizfuß o.ä.), die unbedingt über Einlagen ausgeglichen werden sollte."

Wer sich in ärztliche Behandlung begibt sollte den Arzt immer darüber informieren, ob und wenn ja wie er sein Training verändert hat. Das ist insofern wichtig, da eine Stressfraktur in den ersten Tagen meist nicht auf dem Röntgenbild zu erkennen ist. Um Fehlhaltungen durch Beinlängendifferenzen oder Muskelungleichgewichte zu erkennen, ist eine Analyse im Bewegungslabor hilfreich. Denn wie so oft, sitzt die Ursache an ganz anderer Stelle als der Schmerz selbst. So können nicht nur Fehlhaltungen und Veränderungen im Fuß- und Sprunggelenk zu einer Überlastung der Achillessehne führen, sondern auch Muskelungleichgewichte im Becken.

Eine Becken- und Wirbelsäulenanalyse kann darüber Aufschluss geben. Auch Knieschmerzen können ihre Ursache im Fuß- oder Hüftgelenk haben. Wer schon länger unter diffusen Schmerzen beim Sport leidet, sollte eine Bewegungsanalyse durchführen lassen. Die meisten Überlastungsschmerzen lassen sich aber bereits durch ein angemessenes Training und gute Ausrüstung vermeiden.

Silke Meusel

Aus ALPIN 09/2005
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