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Medizin

Atem frei - trotz Asthma

18.10.2005 12:11:32
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Wer bergauf geht, muss seine Muskeln mit Sauerstoff versorgen. Tiefes Ein- und Ausatmen ist dafür notwendig. Nur: Was soll man tun, wenn man nicht in der Lage ist, tief einzuatmen, weil die Bronchien aufgrund von Asthma verengt sind und somit nicht genügend Luft in die Lungen gelangt? Mit dem Bergsteigen aufhören?
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Asthmatiker und Silbermedaillen-Gewinner: Peter Schlickenrieder
Damit siehst du zwar aus wie ein Astronaut, aber man sollte sich einfach nicht schämen, diese Atemmasken zu tragen! Denn Peter Schlickenrieder wurde mehrfach deutscher Meister, gewann Weltcup-Rennen und krönte seine Karriere mit der Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City. Beim Training in extremer winterlicher Kälte trug er stets seine Maske. "Die erwärmt die Luft wunderbar, und zwar um fünf bis zehn Temperaturgrade. Das tut der Lunge gut."

Sport als Bedrohung und Heilmittel in einem

Warum Schlickenrieder so besorgt um sein Atemorgan war? Der Schlierseer litt unter Asthma bronchiale - wie in Deutschland inzwischen jeder zwanzigste Erwachsene und jedes zehnte Kind. "Asthma ist mit Abstand die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter und nimmt in allen Industrieländern weiter zu, vor allem bei unter 20-Jährigen", weiß Professor Dieter Kiosz aus Kiel.

Wie der Asthma-Experte betont, "besteht bei mindestens 80 Prozent der Asthmatiker eine deutliche Belastungs-Komponente." Will heißen: Fast jeder, der unter Asthma leidet, tut dies unter körperlicher Anstrengung erst recht. Aber regelmäßiges Training bietet auch eine gute therapeutische Chance, so Kiosz. "Sportliche Aktivität als Bedrohung und Heilmittel in einem!"

Körperliche Aktivität zur Verringerung der Medikamentenmenge

Auch Schlickenrieder fühlte sich als Jugendlicher bedroht: "Die Diagnose Asthma war niederschmetternd für mich. Ich rechnete damit, nie im Leben richtig Leistungssport machen zu können."

Dass Sport in wohl dosierter und gut geplanter Form zum Heilmittel werden könnte, lernte der passionierte Wintersportler bei Dr. Josef Lecheler (s. Interview).

Der Facharzt für innere Medizin lebt und arbeitet in Berchtesgaden, und zwar als Chefarzt des dortigen Asthmazentrums. Lecheler propagiert schon seit Jahren den breiten Einsatz körperlicher Aktivität - als Ergänzung und langfristig sogar zur Verringerung der Medikamentenmenge, die Asthmakranke einnehmen müssen.

"Es ist nicht nur möglich, dass Asthmatiker Sport treiben, sondern sogar sehr wichtig!", mahnt Lecheler. Im Vordergrund sollten seiner Empfehlung nach Ausdauersportarten stehen, was ja für fast alle Bergaktivitäten zutrifft. "Vorsicht geboten ist jedoch bei plötzlichen und maximalen Anstrengungen, zumal wenn es kalt ist oder in großer Höhe."

Damit spricht Lecheler gleich drei bergtypische Problempunkte an: Erstens ist für Asthmakranke ein "Losrennen" ohne jedes Aufwärmen absolut tabu. Die Lunge braucht ein sorgfältiges Warmlaufen. Zweitens reagieren Asthma-Lungen auf Temperaturen unter fünf Grad minus äußerst empfindlich, was sich aber - Schlickenrieder lässt grüßen - durch den Einsatz von Atemmasken abmildern lässt. Drittens kann auch der in großen Höhen stark verringerte Sauerstoffgehalt der Luft die Aktivität von Asthmatikern einschränken.

Trinken, tinken, trinken

Gerade im Winter haben es Asthmatiker wegen der kalten und trockenen Luft schwer.
Obwohl Schlickenrieder, damals immerhin im dritten von vier Asthma-Schweregraden erkrankt, davon gar nichts hören will: "Probleme in der Höhe habe ich nicht gehabt. Im Gegenteil: Ich habe sehr gerne weit oben trainiert; und bin gerade im Frühjahr oft auf Skitour gegangen."

Der Langläufer mahnt eher noch einen von Lecheler noch nicht angesprochenen, vierten Aspekt an: die Austrocknung. "Man muss sich einbläuen, schon dann zu trinken, wenn man längst noch keinen Durst hat. Ich bin immer mit Trinkgurt gelaufen, bereits als Jugendlicher." Den Rat, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sollten Asthmatiker besonders berücksichtigen, denn Dehydrierung verschlimmert das Asthma, insbesondere in der Höhe.

Apropos Höhe: Die ist für Asthmakranke fast schon eine Medizin für sich. "Es gibt oben kaum Allergene wie Hausstaubmilben, Pollen oder Schimmelpilze. Hinzu kommt die positive Wirkung auf den gesamten Organismus, z.B. die vermehrte Blutbildung durch den verringerten Sauerstoffpartialdruck", erinnert Lecheler. "Die optimalen Höhen liegen zwischen 1000 und 1200 Meter Meereshöhe."

Also keine zu ambitionierten Ziele, was die Höhe angeht! Auch nicht, wenn es um rein medizinische Vorwände geht. Denn immerhin liegt das höchstgelegene Asthma-Sanatorium der Welt 3500 Meter hoch - in Tadschikistan.

Martin Roos

Auf den nächsten Seiten finden Sie neben dem Interview mit Dr. Lecheler auch einen kurzen Artikel, in dem wir die wichtigsten Tipps für Bergsteiger mit Asthma zusammengefasst haben.

Aus ALPIN 04/2004
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