- Anzeige -
So ist zum Beispiel das dynamische Dehnen, das "Wippen", durch neueste Erkenntnisse rehabilitiert. Wichtig ist die richtige Mischung und die Übungen maß- und sinnvoll einzusetzen. Beachtet man diesen Grundsatz, verbessert sich die Beweglichkeit, der Spaß am Sport treiben und die Lebensqualität steigen merklich.
Für alle Übungen gilt:
- Dehnen Sie die Muskulatur erst nach vorherigem Aufwärmen
- Sorgen Sie für eine sichere Ausgangs- und Endstellung
- Dehnen Sie schonungsvoll und kontrolliert, das heißt langsam und gleichmäßig
- Dynamisches Dehnen: Wippen Sie 8 - 10 mal, Seitenwechsel, je vier Wiederholungen
- Statisches Dehnen: 4 - 5 Wiederholungen an derselben Extremität von jeweils acht Sekunden Dauer, dann Seitenwechsel
Erst aufwärmen, dann dehnen
Knut Stamer, Cheftherapeut an der Fachklinik für Orthopädie und Sportmedizin Medical Park in Bad Wiessee arbeitet täglich mit verletzten Spitzensportlern - Fußballern, Leichtathleten, Skirennläufern, Radsportlern.Die oberste Prämisse ist es immer, die Muskulatur ausgiebig und gezielt auf die Belastungen im Wettkampf vorzubereiten. Nun ist eine Wanderung kein Wettkampf, aber es ist definitiv Sport - und eine Mehrtagestour bedeutet für den ganzen Körper eine Höchstleistung. Und so empfiehlt Stamer jedem, nicht nur dem Rekonvaleszenten, seinen Muskelapparat aufzuwärmen.
Wie sieht vernünftiges Aufwärmen aus? "Wichtig ist, dass nicht nur gedehnt wird", erklärt Stamer. "Wer nach einer längeren Autofahrt sein Ziel erreicht, wärmt sich auf, indem er erst mal locker losläuft. Erst dann ist das Dehnen der Muskulatur sinnvoll."
Vor dem Dehnen den ganzen Körper belasten
Das ist auch der Tenor der neuesten Studien an der Bergischen Universität in Wuppertal. "Dehnübungen als alleiniger Inhalt eignen sich nicht zum Aufwärmen", schlussfolgert Prof. Dr. Jürgen Freiwald aus seinen Untersuchungen.Vor dem Dehnen sollte man einige Minuten den ganzen Körper belasten. Freiwald nennt es allgemeines Aufwärmen, bei dem sich die Körpertemperatur leicht erhöht. Die Stoffwechselprozesse werden beschleunigt und die angeregte Muskulatur wird geschmeidig. Zudem vertieft sich die Atmung und mehr Sauerstoff gelangt in den Körper - der ganze Organismus, auch die Psyche, stellt sich auf Aktivität ein. Der Alltagsstress verflüchtigt sich in der frischen Bergluft und die Bewegungen werden flüssig.
Das dynamische Dehnen ist rehabilitiert
Das Dehnen ist aber immer noch ein zentrales Element, um die Muskulatur auf die Belastung vorzubereiten. Freiwald bezeichnet es als das spezielle Aufwärmen und ordnet es dem allgemeinen unter. Es richtet sich gezielt an "Muskelgruppen, die an der späteren Bewegung vorrangig beteiligt sind", so Freiwald.Bei Wanderern sind das vor allem die Muskeln der Oberschenkel und Waden. Jeder, der mit Rucksack unterwegs ist, sollte auch an die Rumpf-, Schulter- und Nackenmuskulatur denken. Je nach Konstitution ist es wichtig, sich anschließend individuell aufzuwärmen, zum Beispiel nach Verletzungen oder bei Personen mit künstlichen Gelenken.
Das dynamische Dehnen ist also nach zwei Jahrzehnten der Verdammung rehabilitiert. Denn wer speziell vor der Belastung seine Muskeln sanft dynamisch dehnt, macht sie dadurch leistungssfähiger und sie erhalten die optimale Länge, die sie für die Anstrengung brauchen.
Aus ALPIN 07/2004
Zur Einzelheftbestellung
Alle auf alpin.de veröffentlichten Medizin-Artikel finden Sie hier.
Das aktuelle Heft

Seite versenden
Seite drucken
Sitemap 


