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ALPIN-Marktübersicht aus ALPIN 09/2010

Das können Sie unterwegs kochen

24.09.2010 10:02:32
Ob GR 20 auf Korsika, Kanutour in Schweden oder Ama Dablam in Nepal: Wer auch am nächsten Tag noch Gas geben will, muss seine Energiezufuhr im Auge behalten. ALPIN hat sich auf dem Markt der Outdoor-Nahrung umgeschaut.
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Bergsteigen, Klettern, Trekken, Radfahren und andere Fortbewegungsarten haben eines gemeinsam: Sie machen Hunger. Vor allem, wenn schweres Gepäck, große Höhen, lange Distanzen und extreme klimatische Bedingungen dazukommen. Fernab jeglicher Zivilisation und Hütten- Bergsteigeressen wird die Ernährung zum Balanceakt zwischen Gewicht und Brennwert. Wer dabei Fehler macht, verringert seine Leistungsfähigkeit und gefährdet seine Tour.

Seit vielen Jahren wird hier hochkonzentrierte gefriergetrocknete Outdoor-Nahrung eingesetzt. Mittlerweile ist die Auswahl an Menüs groß. Firmen wie Simpert & Reiter (Travellunch), Katadyn (Trek’n Eat, früher Trekkingmahlzeiten), Globetrotter (Globetrotter Lunch) und Farmer’s Outdoor (Farmer’s Outdoor) bieten auf dem deutschen Markt eine Produktpalette, die von Suppen, Fleisch-, Nudelund Reisgerichten, vegetarischen Mahlzeiten bis hin zum Frühstück und Dessert reicht.

1. Zeile Produktname, 2. Vertrieb. 3. Gerichte, 4. Auswahl, 5. Gesamturteil.
Alle Hersteller stellen ihre Gerichte nach den aktuellen Standards der Ernährungswissenschaft zusammen und verwenden bei der Auswahl hochwertige, zum Teil sogar biologisch angebaute Zutaten.

Sie verfügen über alle wichtigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralien. Bei der richtigen Zusammenstellung der "Outdoor- Speisekarte" kann man Mangelernährung oder Monotonie sehr gut verhindern.

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Tüte auf, heiß Wasser drauf

Das Prinzip der Zubereitung ist bei allen gleich und extrem einfach. Kocher anschmeißen, heißes Wasser in den aufgeklappten, selbst stehenden Beutel füllen, ein paar Minuten warten, ab und zu umrühren und fertig.

"Schatz, heute koche ich mal." Was am heimischen Herd nicht recht gelingen will, hier in der Wildnis überrascht der Gefährte seine Holde mit Curryhuhn an Cashew und Rosinen, einem indischen Kichererbsen-Reistopf oder Chili con Carne. Zum Nachtisch wird eine Mousse au Chocolat gereicht. Alles in allem wesentlich einfacher und ungefährlicher, als für das Hackfleisch des Chili stundenlang auf Jagd zu gehen.

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Weitere Vorteile dieser Gerichte sind durch ihre Herstellung bedingt: das niedrige Transportgewicht, der geringe Qualitäts- und Geschmacksverlust und die Brennstoffersparnis beim Kochen. Schon die alten Inkas nutzten vor Jahrhunderten die Gefriertrocknung als Methode, Nahrungsmittel zu konservieren. Ihre hoch oben in den Bergen um Machu Picchu gelagerten Erntefrüchte hielten sich länger, waren leichter und dadurch einfacher zu transportieren als herkömmlich aufbewahrte Lebensmittel.

Das physikalische Phänomen, das diesem Prozess zu Grunde liegt, ist folgendes: Im gefrorenen Zustand verdunstet Wasser, ohne dabei aufzutauen. Wer es schon einmal ausprobiert hat weiß, dass beispielsweise auch im tiefsten Winter Wäsche auf der Leine trocknet. Zunächst gefriert das Wasser, um dann, ohne noch einmal flüssig zu werden, zu verdunsten.

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Bei der industriellen Herstellung von gefriergetrockneter Nahrung geht man genauso vor. Die Lebensmittel werden tiefgefroren und in einem Vakuum unter Zufuhr von Wärme getrocknet. Dabei verdampft das als Eis ausgefrorene Wasser ohne aufzutauen.

Den Lebensmitteln werden dabei rund 95 Prozent des Wassers entzogen. Dieses Verfahren ist aufwendig und die schonendste Möglichkeit, Lebensmittel ohne große Produktveränderungen haltbar zu machen.

Allerdings nicht die billigste, was sich am Preis der Outdoor-Gerichte bemerkbar macht. Rund fünf bis acht Euro muss man pro Portion schon berappen.

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Unter normalen Verhältnissen benötigt ein Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht 2000 bis 2500 Kcal Energie oder anders ausgedrückt 50 bis 70 Gramm Eiweiß, 60 bis 80 Gramm Fett und 250 bis 350 Gramm Kohlenhydrate pro Tag.

Unternehmungen mit lang dauernden Belastungen wie Expeditionen, mehrtägige Berg- und Klettertouren etc. verursachen natürlich einen deutlich erhöhten Energieverbrauch. 3000 bis 4000 Kcal benötigt der Körper dann, bei schweren Expeditionen sogar doppelt so viel.

Tipps von Stefan Glowacz und Walter Treibel

Daher ist es unerlässlich, einen täglichen Ernährungsplan zu erstellen. "So richtig spannend wird die Zusammenstellung bei der Expeditionsvorbereitung", erklärt der Extremsportler Stefan Glowacz aus Grainau. "Von ihr hängt nicht nur der Erfolg ab, sondern sie hat entscheidenden Einfluss auf die Moral des Teams." Da sei Fingerspitzengefühl gefragt.

Man solle auch daran denken, dass manche Gerichte wie beispielsweise der Kaiserschmarrn oder Bratkartoffeln koch- und putzintensiver seien als Eintöpfe. Für die braucht man eine Pfanne, die gespült werden muss. Manches, wie das Chili con Carne, kocht man am besten etwas länger und im Topf, da es viele festere Bestandteile enthält, die Zeit brauchen.

Für die Tipps von Stefan Glowacz klicken sie auf das Bild.
Für Walter Treibel, Orthopäde und Expeditionsarzt, ist Vielseitigkeit bei der Auswahl gefragt. "Am besten, man probiert Produkte verschiedener Hersteller vorher aus und stellt sich dann seine individuelle Speisekarte zusammen", so der Mediziner. Jeder Hersteller habe eine eigene Geschmacksnote. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Da bleibt tatsächlich nur eines: Vor der Reise wird getestet.

Bei besonderen Belastungen kann man den erhöhten Fettbedarf beispielsweise mit dem alt bewährten Pemmikan decken. Die Firma Cathay bietet von dieser hochkalorischen Mischung aus Fleisch, Speck, Öl, Trockengemüse, Haferflocken und anderen Zutaten verschiedene Geschmacksrichtungen an. Wer noch Platz im Gepäck hat, sollte getrost noch etwas anderes einpacken: ein Stück Salami oder Parmesan.

Einen Praxis-Tipp zum Packen hat Walter Treibel noch parat: Wenn’s ganz hoch rauf geht, am besten mit einer Stecknadel ein Loch in die Verpackung des Trockengerichts stechen. Denn durch den abnehmenden Luftdruck blähen sich die Tüten sonst auf und brauchen deutlich mehr Platz im Rucksack.


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Glowacz in Kenia: Erstbegehung des Mount Poi
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