Bergtouren brauchen häufig gutes, stabiles Wetter. Eine sorgfältige
Planung schließt das Abrufen eines Wetterberichts ein. Aber was tun,
wenn man trotzdem auf Tour von schlechtem Wetter überrascht wird?
Zu jeder Jahreszeit, diesmal im Sommer. Irgendwo
in den Alpen. Vielleicht im Rätikon oder auch in
den Lechtalern.
Die kühle Morgenluft und der blaue
Himmel locken und wir steigen mit langen Schritten der
Ostwand entgegen. Die Luft erwärmt sich viel schneller, als wir
es gerne hätten. Verschwitzt erreichen wir den Einstieg der
geplanten Klettertour.
Gestern Abend war es wieder mal gut, in
aller Ruhe ein Bier zu trinken und mit den anderen Bergsteigern
auf der Hütte in Erinnerungen zu schwelgen.
Die müden
Beine und der schwere Kopf haben uns dann vergessen
lassen, dass wir eigentlich noch den aktuellen Wetterbericht
im Radio hören wollten.
Na ja, wir (Hobby-)Meteorologen
können uns ja auch gut eine eigene Meinung bilden –
kein Wölkchen am Himmel – passt schon!
Der warme Fels und die gewaltige Motivation im Ärmel
ergeben schnell ein paar Seillängen, und als sich das erste
kühle Lüftchen regt, wirft sich die Frage auf, ob es
eine gute Idee war, den Anorak im Rucksack
am Einstieg zu deponieren - die faustgroße Windjacke am
Gurt hat ja bisher immer gereicht.
Aber bis den Wind sieht das Wetter immer noch sehr stabil aus.
Noch zwei Seillängen und wir erreichen den Grat, dann
sehen wir, wie es im Nordwesten wettermäßig aussieht.
Der Blick hat sich rasch erübrigt. Nach fünf Minuten hüllt uns
eine Wolke ein. Der Regen geht schnell in Hagel über. Wo war
noch der Anorak?
Der Wind bläst in Sturmstärke, die Temperatur
ist um mindestens fünfzehn Grad gefallen, der Wind kühlt
uns so stark aus, dass wir uns kaum noch bewegen können.
Die Donnerschläge werden immer heftiger und das
Leuchten der Blitze macht die bedrohliche Stimmung
nicht fröhlicher. Jetzt bloß keine Sekunde ungesichert sein,
die rutschigen Felsen und die Wucht eines Blitzeinschlags
reichen für einen Absturz aus.
Das Hantieren
mit dem gefrorenen Material und den klammen Fingern wird
zur Tortur. Alles dauert viel zu lange. Mist! Abseilgerät aus den
Händen gerutscht. Es kommt aber auch immer alles zugleich.
Die Abseilaktion für die neun Seillängen dauert ungefähr zwei
Stunden.
Mit Erreichen des Wandfußes sind auch Front und
Gewitter durchgezogen. Es bleibt sehr kalt und es
schneit. Der Schnee liegt schon schienbeinhoch.
Völlig ausgekühlt und nass bis auf die Knochen erreichen
wir die Hütte.
Fazit: Glück gehabt! Auch wenn im Vorfeld, bei der Planung
und bei der Tour selbst einiges schief gelaufen ist: In der
Situation vor Ort am Berg haben die Kletterer die Nerven
behalten und so dafür gesorgt, dass es nicht zu einer Katastrophe
kam.
Aus ALPIN 08/08
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