Eine weite Reise ist für viele das Highlight des Jahres. Dumm, wenn man da krank wird. Doch manch ein Problem lässt sich im Vorfeld vermeiden.

Wer Angst hat vor klassischen Reisekrankheiten, sollte nach Australien oder Neuseeland fliegen. Dort gibt es keine der üblichen Krankheiten wie zum Beispiel Hepatitis A oder Malaria. Dass Krankheiten während oder nach Fernreisen keine Ausnahme sind, wird jeder bestätigen können, der schon öfters in fernen Ländern unterwegs war. Und da ist der klassische Durchfall noch eine der harmloseren Erscheinungen. 

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Eine Kühlkette für Lebensmittel wie in Mitteleuropa (und wie sie für viele Lebensmittel vorgeschrieben ist) gibt es in vielen anderen Regionen nicht.

| © Bernd Ritschel

Der Kilimandscharo-Reisende, der schon in den letzten Tagen in Afrika einen entzündeten Zeh hatte, stellt erst zu Hause fest, dass da offensichtlich irgendetwas nicht stimmt unter dem Zehennagel seines Mittelzehs. Nach einem Stich mit der Nadel quellen kleine weiße Teile unter dem Zehennagel hervor, die sich bei genauerem Betrachten als Larven erweisen. 

Nicht appetitlich, aber ein typischer Fall. Fliegen, die im afrikanischen Sand vorkommen, legen ihre Larven gerne unter die Haut ihrer Wirte. Kein Drama, da sich die Sache schnell und einfach chirurgisch behandeln lässt. Das ist nicht immer der Fall.

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Um seine Reise genießen zu können, sollte man schon im Vorfeld einiges beachten. Das fängt bei Trekkings schon bei der Richtung an, in der man die Runde geht. Ist man schon nach wenigen Tagen auf dem Pass, der 5100 Meter hoch ist, oder erst am Ende der Reise? Eine ausreichende Akklimatisation ist ein wichtiger Faktor, um seine Trekkingreise genießen zu können. Schnell und hoch ist nicht gut. 

Leider gibt es nach wie vor Anbieter, die beispielsweise den Ararat mit An- und Abreise in einer Woche anbieten. Auch private Gruppen planen häufig so. Wie man sich da ausreichend akklimatisieren soll, scheint dabei wenig zu interessieren. Gleiches gilt für Trekkings im Himalaja, bei denen hohe Pässe früh überschritten werden oder Trekkinggipfel gleich zu Beginn der Runde anstehen. 

Manchmal hat man den Eindruck, es ist nicht unbedingt ausgemachtes Ziel, dass viele Teilnehmer den Gipfel erreichen. Wer wirklich nicht mehr Zeit aufbringen kann, sollte sich in einem solchen Fall überlegen, ob er sich zu Hause vorakklimatisiert. 

Dafür gibt es inzwischen immer mehr Anbieter, die mit verschiedenen Systemen arbeiten. Das geht von der Unterdruckkammer über ein Ergometer mit Maske bis hin zu einem Hypoxiezelt für das heimische Bett. Diese Form der Vorakklimatisation funktioniert. Ob man den Aufwand betreiben möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. 

Ansonsten ist die beste Vorbeugung, sich vor Ort ausreichend und gezielt zu akklimatisieren. Welche Mittel und Medikamente man für Akklimatisationsprobleme im Reiseland mitnehmen sollte, überlassen wir einer professionellen Beratung durch den Hausarzt oder den Reisemediziner.

Den Trend, bei Trekkings in große Höhen spezielle Medikamente gegen Höhenkrankheit schon prophylaktisch einzusetzen, halten Kritiker für problematisch. Bei Fernreisen meist mehr im Fokus stehen klassische Reisekrankheiten. Wer sich hier früh genug für sein Reiseziel entscheidet und sich dann bei geeigneten Medizinern (oder dem erfahrenen Reiseveranstalter) darüber informiert, welche Krankheiten in dem Zielland vorherrschen, kann sich für fast alle Fälle wappnen.

Hepatitis

Bei den verschiedenen Formen der Hepatitis steht für Reisende Hepatitis B im Vordergrund. Hepatitis B ist eine der Krankheiten, die am häufigsten auftritt und am gefährlichsten ist. Sie ist weltweit verbreitet und ihr auslösender Virus wird über alle Körperflüssigkeiten übertragen, vornehmlich über Blut und Sperma.

Beschwerden treten nach einer Ansteckung nach 45 bis 180 Tagen auf. Hepatitis B erhöht vor allem das Leberkrebsrisiko. Gegen diese klassische Reisekrankheit kann man zu Hause gut mittels einer Impfung vorsorgen. Und natürlich durch entsprechendes Verhalten auf Reisen! Sexuelle Kontakte in exotischen Urlaubsländern sind aus dieser Sicht tabu!

Malaria

Die wohl bekannteste Reisekrankheit ist Malaria. Sie wird durch die Anophelesmücke übertragen, weshalb der beste Schutz darin besteht, nicht gestochen zu werden. Getreu der alten Weisheit: Kein Stich, keine Infektion. Wer in Malariagebiete fährt, sollte schon daheim vorsorgen. Lange, aber luftige Bekleidung oder direkt mückendichte Bekleidung, im Idealfall noch mit geeigneten Insektiziden imprägniert, gehört unbedingt ins Reisegepäck. 

Auch die Knöchel müssen geschützt werden. Zusätzlich macht es Sinn, wirksame Mückenmittel auf die Haut aufzutragen. Schlafräume sind oftmals nicht mückendicht. Ein Reise-Moskitonetz, ebenfalls mit Insektiziden behandelt, sorgt für eine mückenfreie Nacht. Die Maschendichte sollte dabei auf das Reiseland abgestimmt sein. Sehr dichte Netze lassen leider auch wenig Luftzirkulation zu, Netze mit zu weiten Maschen hingegen lassen Mücken durch.

Video: Ralf Dujmovits, Deutschlands erfolgreichster Höhenbergsteiger, über die richtige Akklimatisierung.

Neben dieser Möglichkeit der Stich-Vorsorge sollte man in Malaria-Ländern aber auch geeignete medikamentöse Prophylaxe betreiben. In Gebieten mit hohem Infektionsrisiko empfiehlt sich eventuell die Einnahme geeigneter Medikamente im Vorfeld. Details dazu finden Sie bei Reisemedizinern, beim Tropeninstitut oder auf der Homepage der Weltgesundheitsorganisation (euro.who.int/de). Auf jeden Fall sollte man ein Notfallmedikament dabei haben, das man einnimmt, wenn man glaubt, infiziert zu sein.

Durchfallerkrankungen

Ein anderer Klassiker bei Reisen in exotische Länder ist eine der vielen Formen von Durchfallerkrankungen. Das Immunsystem von Westeuropäern ist durch die gute (manchmal auch übertriebene) Hygiene nicht mehr gewöhnt, mit Keimen umzugehen, die in Entwicklungsländern z.B. häufig im Wasser vorkommen. Einheimische haben damit oftmals keine Probleme (oder sind chronisch erkrankt). 

Vom Reisedurchfall in tropischen oder subtropischen Ländern sind 30 bis 50 Prozent der Reisenden früher oder später betroffen. Meist tritt eine Erkrankung zwischen dem dritten und dem neunten Tag auf. In aller Regel sind diese Durchfallerkrankungen heute nicht mehr gefährlich, lästig sind sie allemal – besonders wenn man bei einem Trekking wegen ihnen geschwächt ist. 

Besonders auf zwar sehr schönen, aber nicht immer hygienisch einwandfreien Märkten muss man sich mit Nahrungsmitteln sehr zurückhalten.

| © Andrea Rudolf

Die Vorsichtsmaßnahmen sind einfach: Jeden Kontakt zu nicht abgekochtem Wasser vermeiden. Das gilt auch für das Zähneputzen oder wenn man nur den Mund ausspülen will. Aber besonders beim Essen muss man aufpassen. Es gibt einen Merkspruch, der das Problem sehr gut beschreibt: Cook it, peel it, boil it or forget it. Von allem, was nicht gekocht oder geschält ist, sollte man also die Finger lassen. Das ist der Salat genauso wie ein nicht geschälter Apfel, der beim Frühstücksbuffet so verlockend auf dem Tisch liegt. 

Auch Eiswürfel in Erfrischungsgetränken sind ein No-Go – vor allem muss man beim Bestellen oft nachdrücklich darauf hinweisen, dass man kein Eis in seiner Cola möchte. Auch bei Softdrinks oder Wasser in Flaschen, die schon geöffnet sind, sollte man skeptisch sein. Nur wer diese Maßnahmen konsequent befolgt, hat gute Chancen, seinen Urlaub ohne Diarrhö zu überstehen. Kunden von erfahrenen Trekking-Veranstaltern haben es hier meist einfacher als Individualtouristen: Die Anbieter arbeiten oft mit Personal, das für den Umgang mit den Speisen und Getränken von Touristen geschult ist.

Und was, wenn es einen doch erwischt? In mehr als 90 Prozent der Fälle verläuft eine Reise-Diarrhö harmlos und klingt nach wenigen Tagen ab. Dazwischen sollte man versuchen, so viele elektrolythaltige Getränke wie möglich zu sich zu nehmen, um den hohen Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust zu kompensieren. In akuten Phasen kann man auch Medikamente einnehmen. Allerdings sorgen diese Medikamente häufig auch für eine längere Verweildauer der Keime im Verdauungstrakt. Wenn der Durchfall trotz entsprechender Maßnahmen nach drei bis fünf Tagen nicht besser wird, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Reiseübelkeit

Wer mit einem der oben aufgeführten Probleme zu tun hat, hat einen Vorteil: Er ist schon mal an seinem Reiseziel angekommen. Doch allein die Anreise lässt viele schon schaudern. Egal, ob auf der Fähre, im Flugzeug oder einem Bus: Sobald es in irgendeiner Form schaukelt, wird vielen Menschen schlecht. 

Frauen sind von dieser Form der Reiseübelkeit öfter betroffen als Männer. Es handelt sich um eine natürliche Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Informationen von Auge, Muskeln und Gleichgewichtsorganen. Während am Auge Bilder vorbeifliegen und das Gleichgewichtsorgan im Ohr Formen von Kurven wahrnimmt, haben die Muskeln nichts zu tun. 

Reisende, die mit heftigen Formen dieser Übelkeit zu kämpfen haben, können Medikamente dagegen nehmen. Diese Mittel drosseln die Reize, die am Gleichgewichtsorgan ankommen. Je nach Präparat werden die Medikamente am Abend vor oder unmittelbar vor Antritt der Reise eingenommen. Es gibt sie in Form von Sirup und Kaugummi oder auch als Tabletten.

EXPERTEN-TIPP

Ihr kommt von einer Reise aus einem exotischen Land und leidet unter merkwürdigen Symptomen? Geht auf jeden Fall zu einem Arzt, der sich gut mit Reisekrankheiten auskennt. Das ist in vielen Fällen nicht der Hausarzt um die Ecke. Das Verschleppen von Krankheiten kann zu langwierigen und/oder gefährlichen Erkrankungen führen. Wo sich ein Spezialist in Eurer Nähe befindet, erfahrt Ihr bei der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (dtg.org).

Text von Olaf Perwitzschky

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