Es hat nicht sollen sein. David Lama, Peter Ortner und Hansjörg Auer haben ihre gemeinsame Expedition am Masherbrum angebrochen. Das Trio wollte die noch undurchstiegene Nordostwand des pakistanischen Siebentausenders "knacken". Anhaltende Lawinenabgänge ließen das Vorhaben jedoch frühzeitig scheitern.

Gigant im Nebel: Der 7821 Meter hohe Masherbrum (Foto: picture-alliance.com).

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7821 Meter ist er hoch, der Masherbrum, und damit die siebthöchste Erhebung des Karakorum-Gebirges. Knapp einem Monat nachdem mit dem Dhaulagiri (8167m) der letzte Achttausender "geknackt" worden war, glückte einer amerikanisch-pakistanischen Expedition die Erstbesteigung über den Südgrat: Am 06. Juli 1960 standen George Bell und Willi Unsoeld auf dem Gipfel des ursprünglich von seinem Entdecker Thomas George Montgomerie K1 benannten Berges.

Es sollten 21 Jahre vergehen, ehe es einer polnischen Dreierseilschaft gelang, an dem Siebentausender erneut erfolreich zu sein. Während Marek Malatynski und Przemyslaw Nowacki ein Notbiwak am Südwestgrat nicht überlebten, schaffte es Andrzej Heinrich unbeschadet ins Basislager. Ein Wunder, denn der erfolgreiche Höhenbergsteiger war während des Abstiegs rund 300 Meter in die Tiefe gestürzt.

1985 gelang einer japanischen Expedition erstmals der Aufstieg auf der Nordseite. Nur einen Tag nach den Asiaten, am 24. Juli, standen Michi Larcher, Andi Orgler und Robert Renzler auf den Gipfel des Masherbrum. Die Route der österreichischen Expedition führte ebenfalls durch die Nordwestwand des Berges.

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Die Nordostwand des Masherbrum wartet bis heute auf ihre Erstdurchsteigung. Während Steve House offensichtlich mit dem Projekt lange Zeit geliebäugelt hatte, wagte eine russische Mannschaft einen ersten ernstzunehmenden Versuch. Weit sind sie nicht gekommen. Im Herbst 2013 machten sich David Lama und Peter Ortner Richtung Pakistan auf. Beflügelt von ihrem gemeinsamen Erfolg am Cerro Torre wollte das Duo den zweiten "unmöglichen" Berg in Angriff nehmen.

Eingepackt: Hansjörg Auer, David Lama und Peter Ortner bei der Materialauswahl für Pakistan (Foto: #karakorumgiantsarewaiting )

Die dreitausend Meter hohe Wand nötigte den beiden Extrembergsteigern gehörig Respekt ab. "Eine Wand wie diese hatten wir noch nicht gesehen. Vor uns stand eine Eiger Nordwand und auf der drauf ein Granitmonolith, der mich mehr an einen Cerro Torre erinnerte, als dass er zu den Gipfelaufbauten der anderen Himalayariesen passt," so David Lama auf seiner Homepage .

Während einer Akklimatisierungstour verletzte sich Ortner jedoch am Knie. Der Traum von der Erstdurchsteigung war geplatzt, ehe die beiden Profialpinisten überhaupt nur einen einzigen Meter der Nordostwand klettern konnten. In diesem Jahr möchten sie es daher erneut Versuchen. Lama und Ortner werden diesmal von Hansjörg Auer begleitet werden. Dass man gemeinsam klettern kann, hat das Tiroler Trio mit der Wintererstbegehung des "Schiefen Risses" an der Sagwandspitze bereits unter Beweis gestellt.

Können miteinander: Peter Ortner, David Lama und Hansjörg Auer (v. li. / Foto: hansjoerg-auer.at).

Ein Dreitausender ist das eine, die Nordostwand des Masherbrum das andere. Das weiß auch Auer. "Uns ist durchaus bewusst, dass wir uns hier in absolut lebensgefährliche Situationen bringen. Vor allem im unteren Teil der Wand ist die Lawinen- und Steinschlaggefahr eklatant. Obwohl in einem gewissen Maße unvernünftig, reizt uns doch die Gratwanderung zwischen Leidenschaft und Vernunft, und wir vertrauen nicht zuletzt auf unsere Fähigkeit, den 'Berg zu lesen'. Eine Expedition hat die Masherbrum-Wand in den vergangenen Jahren versucht und ist schon zu Beginn gescheitert. Es gibt also null Informationen für uns", so der Extrembergsteiger in der Onlineausgabe der Bezirksblätter

Lawinen machen Trio Strich durch die Rechnung Seit Mitte Mai war das Trio vor Ort. Die Akklimatisierungstouren am 8051 Meter hohen Broad Peak liefen wie geplant, Auer, Lama und Ortner waren bereit für den Masherbrum. Nach einem ersten "Erkundungsgang" in der Nordwestwand anfang Juli schlug das Wetter um. Der Berg sollte eine Lawine nach der anderen über seine Flanken ins Tal schicken - unablässig, Tag für Tag. Keine Chance für die drei Tiroler, überhaupt bis zum Fuß der gewaltigen Wand zu gelangen. Für Lama, Ortner und Auer machte nur noch die Abreise Sinn.

"Unfortunately Peter, David and I failed to climb Masherbrum Northeastface. We were quite disappointed when we had to accept that the mountain won´t give us a second chance to get on it´s face. A thriller on the fine line between success, defeat and a lot more", so Hansjörg Auer in einem Post vom 23. Juli auf seiner Facebook-Seite.

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