Markus Bock ist einer der besten Kletterer Deutschlands. Ein Porträt des 33-jährigen Metal-Fans finden Sie im aktuellen ALPIN-Heft. In unserem Interview verrät Markus Bock, wie er zum Klettern kam, was seine Meilensteine waren und wie seine Eltern auf seine Kletter-Leidenschaft reagierten...

Im ALPIN-Interview: Hündin Ruby (li.) und Markus Bock (m.).
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ALPIN: In Deinem heimischen Klettergebiet steht ein Kletter-Großereignis ins Haus, das Kletterfestival Frankenjura. Wie stehst Du zu dem Mega-Event?

Markus Bock: Ich bin kein großer Freund des Ganzen, zumindest bin ich zwiegespalten. Ich will niemandem etwas vermiesen und niemandem sagen, dass er nicht zu uns zum Klettern kommen soll. Das Problem ist aber, dass viele Klettergebiete in Deutschland zwecks Regenerierung gesperrt sind. Im Frankenjura schauen wir seit vielen Jahren darauf, dass wir Regenerierungs-Konzepte haben, deswegen haben wir Freiheiten, die es woanders längst nicht mehr gibt. Und wenn so ein Festival nun immer mehr Kletterer ins Frankenkura lockt, wird umso mehr in die Wälder geschissen, es wird umso mehr Lärm gemacht und die Leidtragenden sind dann wir einheimischen Kletterer, weil Sperrungen etc. drohen.

Viele sehen auch gar nicht, dass sie wahnsinnig viele gute Touren, auch Klassiker, kaputt machen. Das sind nicht die Einheimischen. Die Leute, die kommen haben einen richtigen Bohrwahn entwickelt. Es gab auch schon Situationen, in denen die Bohrhaken einfach wieder rausgeflext wurden. Wenn es meine Touren betrifft, dann bin ich da ganz rigoros und auch bei Routen die den Kurt (Albert, d. Red.) oder den Wolfgang (Güllich, d. Red.) betreffen. Denn die können sich nicht mehr wehren und ich weiß ganz genau, dass auch der Kurt jemand war, der hin und wieder mal einen Haken rausgedreht hat.

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Summa Sumarum: Meiner Ansicht nach muss man das Klettern im Frankenjura nicht noch weiterpuschen! Mein Arbeitgeber Marmot tritt allerdings als Titelsponsor auf. Ich habe meine Einstellung intern erklärt und im Moment schaut es so aus, als wenn ich persönlich relativ wenig mit dem ganzen Festival zu tun haben werde. Zahlen, Daten, Fakten: Markus Bock kompakt ALPIN: Wirst Du hingehen, Dich da mal sehen lassen?

Markus Bock: Ähm, das kommt darauf an, inwieweit ich Marmot da gegenüber verpflichtet bin. Vielleicht mach ich mich lieber auf nach Arco.

ALPIN: Stefan Glowacz ist ja auch ein kritischer Geist und der wird beim Frankenjura Kletterfestival vor Ort sein.

Markus Bock: Dazu muss man aber auch sagen, dass Marmot der Hauptsponsor ist und der Stefan nicht aus dem Frankenjura kommt. Ich will damit nicht sagen, dass es ihm scheißegal wäre, was mit dem Frankenjura passiert, aber so sehr wie mich betrifft ihn das Thema natürlich nicht.

ALPIN: Wie hast Du so Kontakt zum Stefan?

Markus Bock: Zum einen sind der Holger (Heuber, d. Red.) und der Stefan ja Athleten von uns. Seit die Marmot sind, mache ich auch regelmäßig was mit dem Stefan, da wir gemerkt haben, dass wir neben dem Klettern auch auf einer persönlichen Ebene gut mit einander klar kommen.>

Klicken Sie sich durch eine kleine Slideshow zu Markus Bock.

ALPIN: Täuscht der Eindruck, dass sich manche Umweltschützer besonders gerne über Kletterer aufregen?

Markus Bock: Sicher sind wir die, die Du am leichtesten angreifen kannst, am leichtesten packen kannst. Also da hat jeder Jäger eine größere Lobby als wir. Aber ich denke man muss das Ganze nicht noch anheizen, indem man die Leute herbei karrt.

ALPIN: Bist Du aktiv in der IG Klettern im Frankenjura ?

Markus Bock: Ich bin Mitglied und es gibt einen regen Kontakt.

ALPIN: Du gehörst ja mittlerweile mit zu DEN Namen aus dem Frankenjura. Einen Namen gibt es seit einiger Zeit nicht mehr… Hast du Kontakt gehabt zu Kurt Albert?

Markus Bock: Ja. Wir waren zwar nicht zusammen klettern oder trainieren, aber wenn wir uns gesehen haben, dann war es immer nett.

ALPIN: War er auch so etwas wie ein Vorbild?

Markus Bock: Ja sicher. Die Bescheidenheit vom Kurt, wie er gelebt hat und auch, wie er das Ganze rübergebracht hat, das war schon beeindruckend. Dem war's halt immer wichtig, dass er authentisch bleibt.

ALPIN: Welche alpinen Spielarten reizen Dich denn noch neben dem Sportklettern?

Markus Bock: Ich bin jemand, der rein aufs Sportklettern fixiert ist. Sportklettern und Bouldern sind die zwei Spielarten, die mich interessieren. Ich bin mir nicht sicher, ob sich das jemals ändern wird. Was ich mir irgendwann einmal vorstellen könnte ist, sportkletter-mäßig Mehrseillängentouren anzugehen. Was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann, ist, hohe Berge zu besteigen, zum Beispiel Achttausender. Ich bin niemand, der sich vier Wochen in irgendein Basislager setzen kann. Was mich am ehesten mal noch interessieren könnte, wäre irgendwo in Patagonien an die Wände zu gehen.

ALPIN: Wenn der Stefan jetzt anrufen würde, und sagen würde: "Du wir haben ein Projekt in Patagonien" würdest du mitgehen?

Markus Bock: Der Stefan hat schon ein paar Mal angefragt. Aber irgendwas war immer und ich muss immer sagen: "Das machen wir ein paar Jahre später". Aber irgendwann wird es klappen!

ALPIN: Was würdest du sagen, waren so Deine Meilensteine?

Markus Bock: Bei der "Action Directe" hat wirklich ein Riesendruck auf mir gelastet, da kein Franke bis dahin die Tour wiederholt hat. Ich wollte sie wirklich klettern und von den Touren die ich wiederholt habe, ist sie definitiv der Meilenstein. Aber es gibt andere Touren, die mir deutlich mehr bedeuten, wie zum Beispiel "Corona". Ich glaube, da sind auch viele Leute wach geworden, weil das auch eine der Top-Touren in diesem Schwierigkeitsgrad ist.

Zahlen, Daten, Fakten: Markus Bock kompakt ALPIN: Was sind Deine nächsten Ziele?

Markus Bock: Das werdet ihr dann schon sehen!

ALPIN: Wie bist Du eigentlich zum Klettern gekommen?

Markus Bock: Meine Eltern sind auch über viele Jahre klettern gegangen. Da gab es später auch eine richtige Kletter-Clique, wo die Kinder immer mitgenommen wurden. Wir haben immer unten gesessen und gespielt und erstaunlicherweise haben dann viele der Kids, mich eingeschlossen, dann selber angefangen zu klettern und ein paar machen es heute immer noch. Mein Vater kommt aus dem Frankenwald und somit waren wir im Winter immer Skifahren und im Sommer eben klettern. Irgendwann hat sich dann herauskristallisiert, dass ich lieber klettern gehe.

ALPIN: Das setzt ja eigentlich voraus, dass Du ein gutes Verhältnis zu Deiner Familie hast.

Markus Bock: Ja anfänglich schon, es gab aber Zeiten in denen es auch Spannungen gab. Sie haben zwar immer alles unterstützt, was ich gemacht habe - gerade wenn es ums Klettern ging. Aber als sich dann gezeigt hat, dass ich wirklich so radikal in diesen Sport einsteige, da hat es doch gekriselt. Sie haben sich, wie alle Eltern, einfach Sorgen gemacht und konnten sich nicht vorstellen, dass ich damit auskomme. Angst, dass mir etwas zustößt, hatten sie, glaube ich, weniger. Da vertrauen sie mir. Und die haben es ja früher selber gemacht.

Kraftvoll: Markus Bock am Fels.

ALPIN: Sie wollten also dass Du was Gescheites lernst?

Markus Bock: Ja genau. Mein Vater wollte unbedingt, dass ich eine Lehre mache. Das hab ich dann auch und eine Schreinerlehre angefangen bis mir dann klar geworden ist, dass ich mir da die Finger abschneiden könnte. Das hab ich vorher gar nicht bedacht und so hab ich die Lehre nach anderthalb Jahren geschmissen. Dann habe ich eine Einzelhandelskaufmannlehre gemacht, was mir jetzt auch wirklich nützt.

ALPIN: Was genau machst Du bei Marmot?

Markus Bock: Ich kümmere mich um die Athleten. Da gibt es doch immer ganz schön viel, was geregelt werden muss. Vorordern, 1 - 2 Meetings im Jahr mit den Athleten, zusehen, dass die ihr Zeug bekommen; nachordern usw. es ist erstaunlich viel zu tun. Ich bin 3 Tage die Woche im Büro und die sind auch immer voll mit Arbeit.

ALPIN: Das bedeutet drei Tage Arbeit und vier Tage klettern?

Markus Bock: Genau. Und am Wochenende geht es oftmals noch mit dem Auto weg.

ALPIN: Könntest du dir vorstellen, rein vom Klettern leben zu können?

Markus Bock: Nein! Ich hab einmal ein Jahr lang gar nichts gemacht und war eigentlich jeden Tag klettern, aber ich hab schnell gemerkt, ich brauch ein bisschen den Druck Arbeiten/Klettern. Nur so bin ich an den Kletter-Tagen 100 prozentig motiviert.

ALPIN: Bücherschreiben und Vorträge - wär das was für dich?

Markus Bock: Nein überhaupt nicht. Erst einmal würden die Bilder fehlen. Ich hab gar nicht so viele Bilder von meinen Touren. Und außerdem bin ich überhaupt keiner, der sich gerne vor ein Publikum stellt. Auch wenn ich glaube, dass man damit wirklich gutes Geld verdienen kann - dafür muss man gemacht sein. Nicht jeder kann einen guten Vortrag halten. Jetzt momentan kann ich mir auch nicht vorstellen ein Buch zu schreiben. Aber was ich mir vorstellen könnte wäre, irgendwann einmal herunter zu schreiben, warum man das macht. Warum man klettern geht… Insgesamt muss ich einfach sagen, dass ich sehr zufrieden mit meiner jetzigen Situation bin.

ALPIN: Gehst Du Laufen oder irgendwie so was?

Markus Bock: Mh… also früher bin ich noch regelmäßig Skifahren gegangen, aber das ist mir dann zu teuer geworden. Letztes Jahr habe ich mal angefangen mit Skaten im Winter, das mache ich auch immer noch ab und zu. Aber eigentlich bin ich komplett beim Klettern angekommen.

ALPIN: Muss eine potentielle Partnerin unbedingt klettern?

Markus Bock: Nicht unbedingt. Es wäre schon gut, aber es ist keine Voraussetzung. Was wichtig ist, ist dass sie Verständnis fürs Klettern hat. Meine Freundin klettert aber auch, wir haben uns bei klettern kennen gelernt…

ALPIN: Apropos Partnerin: gibt es eine Familienplanung?

Markus Bock: Irgendwann mal bestimmt, aber jetzt würd es noch nicht passen.

Einzelkämpfer: Markus Bock.

ALPIN: Bist Du eher der Teamplayer oder der Einzelkämpfer?

Markus Bock: Ich glaube ich bin mehr Einzelkämpfer - aber wohl fühle ich mich auch in einer kleinen Gruppe. Ich bin gerne mit Leuten zusammen. Ich habe auch meine kleine Gruppe aus wirklich engen Freunden, mit denen ich regelmäßig gemeinsam unterwegs bin. Beim Bouldern zum Beispiel, da sind wir oft zu dritt oder viert unterwegs.

ALPIN: Welche Musik hörst Du so?

Markus Bock: Ich höre seit vielen Jahren eigentlich alles was mit härterer Musik zu tun hat. In den letzten Jahren sehr viel alten Metall.

ALPIN: Kino?

Markus Bock: Och bunt gemixt… aber auf keinen Fall Romanzen.

ALPIN: Private Unternehmungen?

Markus Bock: Mit dem Hund was machen. Ich hab auch mal angefangen, Gitarre zu spielen - ich würd auch gerne besser spielen können. Aber irgendwie bin ich da nicht ganz so ehrgeizig, wie beim Klettern.

ALPIN: Der DAV will ja unbedingt, dass Klettern olympisch wird…

Markus Bock: Ich finde nicht, dass jetzt Klettern olympisch werden muss. Ich bin auch eine ganze Zeit lang Wettkämpfe geklettert. Und was viele nicht wissen, ich war auch einmal Jugendweltmeister in Moskau. Ich finde beim Wettkampfklettern muss man echt aufpassen, dass man seine besten Jahre nicht vergeudet. Nimm doch einfach mal die Wettkampfkletterer von vor 6 Jahren zum Beispiel, die kennt heute keine Sau mehr. Außerdem ist Klettern einfach kein Sport für den Fernseher. Ich hab mir neulich einen Kletterfilm angeschaut und war begeistert wie gut der gemacht war. Danach hab ich mir aber ein Snowboard- Video angeschaut… Tja und das Klettervideo war dagegen langweilig. Sollte Klettern olympisch werden, werden sich die Leute langweilen.

ALPIN: Bist du ein schneller Autofahrer?

Markus Bock: Ja hin und wieder schon. Also normalerweise nicht, wenn jemand mit im Auto sitzt.

ALPIN: Was hältst Du von so "Wunderkindern", wie der kleinen Ashima?

Markus Bock: An sich habe ich damit kein Problem. Ich finde es gut, wenn auch schon Kinder Spaß am Bouldern oder Klettern entdecken. Was ich nicht gut finde, ist wenn das ganze medienmäßig so ausgeschlachtet wird. Weil dadurch entsteht natürlich auch ein tierischer Druck. Und den einen oder anderen hat man ja auch wieder gehen sehen.

In ALPIN 05/2012 finden Sie ein vierseitiges Porträt von Markus Bock. Das Heft können Sie hier bestellen.

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