Zwischenzweitlich hatte es so ausgesehen, als ob es nichts mehr werden würde mit Achtausender Nummer fünf für Alix von Melle und Luis Stitzinger. Ursprünglich sollte das deutsche Bergsteigerpaar im Rahmen der "Broad Peak Expedition 2011" des DAV Summit Club den 8051 Meter hohen Berg bezwingen. Doch ein erster Versuch schlug fehl, das DAV Team reiste ab, von Melle und Stitzinger aber blieben...und wurden dafür belohnt.

Am Gipfel des Broad Peak (Foto: goclimbamountain.de)
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25.07., Montag - Gipfeltag

"Um 22.00 Uhr stehen wir gestiefelt und gespornt, ohne nennenswertes Frühstück, vor dem Zelt. Sogleich geht es los in die sternenklare Nacht hinein. Einige der Schnelleren übernehmen die Spurarbeit, die zunächst auf der windgepressten Schneedecke und der alten Spur relativ unanstrengend ausfällt, nach der ersten Stunde aber wieder intensiver wird. Die Fixseile der ersten Serac-Barriere sind tief im Schnee verborgen, zum Glück kennen wir durch den Versuch am 14. genau deren Lage und können sie nach einigem Graben an der Randspalte ausmachen."

"Die zweite Serac-Stufe ist gegen 4.30 Uhr erreicht und kurz danach überwunden. Die Spurarbeit ist nun wieder deutlich anstrengender und zu unserem Pech ziehen die beiden High Altitude Porter (HAPs) der Taiwanesen nicht mit, da sie "aus Sicherheitsgründen" lieber bei ihrer Gruppe (mit einigem "Sicherheitsabstand" zur spurenden ersten Gruppe) bleiben wollen, die beiden HAPs von Field Touring bereits am Vorabend klar gemacht hatten, dass sie nicht mit von der Partie sind. So bleibt es vorwiegend uns vorbehalten, die Spur zu eröffnen."

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Alix von Melle im Aufstieg zu Camp III (Foto: goclimbamountain.de)

An Traumtag zum Gipfel

"Der ca. 200m hohe Steilhang bis ins Col 7850 m ist um 9.00 Uhr überwunden, hinter der scharf eingeschnittenen Felsscharte erwartet uns die wärmende Sonne. Wir haben wirklich Glück und einen Traumtag erwischt. Zwar zieht zwischen den nun folgenden Felstürmen des exponierten Gipfelgrats immer wieder die eine oder andere Böe hinauf, doch ist es im wesentlichen so ruhig und schwachwindig wie im Wetterbericht versprochen."

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"Immer wieder geht es auf und ab, felsige Passagen im I. und II. Schwierigkeitsbereich wechseln mit kurzen, steilen Firnhängen ab. Um 11.20 Uhr ist der Vorgipfel erreicht, an dem es viele Gipfelaspiranten gut sein lassen. Warum sehen wir deutlich, der weitere Weg bis zum Haupftgipfel ist noch irrsinnig weit. Nach einigen Aufschwüngen erreichen wir gegen 13.30 Uhr den schneebedeckten Zentralgipfel und marschieren zügig weiter."

"Zum Glück geht es relativ geradlinig, ohne viel auf und ab, und aper über den schmalen Grat hinweg, so dass wir schon eine halbe Stunde später am höchsten Punkt des Broad Peak, 8051 m, ankommen. Zeitgleich mit uns, Alix und Luis, erreichen der Brite Scott, der Baske Javi, die Französin Sophie und der Belgier Vim den Gipfel. Wir erlauben uns nur eine kurze Zeit für Ausblick und Glücksgefühle, da wir wissen, dass die Zeit drängt und der Abstieg noch lang ist."

Am langen Gipfelgrat zum Hauptgipfel (Foto: goclimbamountain.de)

Abfahrt mit Ski

"Die Gegenanstiege auf dem Rückweg fallen uns zunehmend schwerer, zum Glück hält das Wetter und die Sonne wärmt uns, wenn wir eine kurze Verschnaufpause einlegen müssen. Um 17.30 Uhr sind wir wieder im Col 7850m zurück. Alle machen sich zum Abseilen bereit und Luis legt die Ski an, die er über den gesamten steilen Aufstieg hinaufgeschleppt hat."

"Vom skitechnisch höchstmöglichen Punkt der Route, dem Col 7850m, fährt er zunächst auf der Aufstiegsroute, dann im Abfahrtssinne weiter links auf der "rechten Aufstiegsvariante" hinab, um die Fixseile der Serac-Barrieren zu vermeiden. Nach einer Stunde ist er um 18.45 Uhr im C3, alle anderen Gipfelgänger laufen einige Stunden später sicher im Hochlager ein. Ein langer Tag geht zu Ende."

Umkehr am K2

Zeit um sich zu erholen gönnte sich das Bergsteigerpaar nicht. Bereits zwei Tage nach ihrem Erfolg am Broad Peak waren Alix von Melle - nun offiziell Deutschlands erfolgreichste Höhenbergsteigerin - und Luis Stitzinger in das zwei Stunden entfernte Basislager des K2 "umgezogen". Am 02. August starteten die beiden zusammen mit einem knappen Dutzend anderer Bergsteiger aus USA, Österreich, Spanien, Frankreich, Polen, Nepal, der Schweiz, Pakistan und Deutschland zum bislang einzigen Gipfelversuch in der Saison.

Von Melle entschied sich, auf einen Gipfelversuch zu verzichten. Nachdem die Bergsteiger in den Folgetagen bei anstrengenden Bedingungen über die Cesen-Route bis ins letzte Hochlager, Camp 4 (7900 m), auf der sogenannten "Schulter" gelangt waren, ließ sie am Gipfeltag das Wetterglück im Stich. Starke Höhenwinde und Bewölkung um den Gipfelaufbau verhinderten eine erfolgreiche Gipfeletappe, die Truppe zog geschlossen den Rückzug ins Basislager an.

Die Ski immer mit dabei

Stitzinger, der seine Ski bislang als Zusatzgewicht mit nach oben schleppen musste, kam nun in den Genuss, sie im Abstieg einsetzen zu können: Über eine neue Linie durch das zentrale Schneecouloir der Schulter hinab bis zum zweiten Hängegletscher, dann über die Kukuczka-Route auf dem der Cesen-Route benachbarten Pfeiler, fuhr er bis hinab zum Fuß des Berges - 2800 Meter Skiabfahrt in einem Stück. Lediglich die Schlüsselstelle der Kukuczka-Route, ein ca. 200 Meter langer, exponierter Felsgrat musste zwingend abgeklettert werden, alle anderen Passagen (bis 55 Grad) konnten frei befahren werden.

Text: Stitzinger / Melle / goclimbamountain.de

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