Der streibare Politiker, CDU-Querdenker und passionierte Bergsteiger ist am 12. September im Alter von 87 Jahren gestorben.

Mainstream war seine Sache nicht. Heiner Geißler wusste mit Nachdruck und klaren Worten für seine Überzeugungen einzutreten - und musste dafür im Laufe seiner langen politischen Karriere immer wieder heftige Prügel einstecken: nicht nur vom politischen Gegner, sondern auch von den eigenen Parteifreunden.

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Seinen Ruf als Querdenker wurde der am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar geborene, promovierte Jurist auch in seiner Rolle als Schlichter im Konflikt um das Bahnhofsbauprojekt Stuttgart 21 gerecht.

Heller Kopf: Heiner Geißler.

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In einem Interview mit dem "Münchner Merkur" verriet Geißler 2010, dass er bei der nächsten Schlichtung mal in die Runde fragen werde, "ob jemand Lust auf eine Bergtour hat". Er wisse zwar nicht, ob alle dazu in der Lage wären, aber "einige Sportler sind schon dabei", so der frühere CDU-Generalsekretär.

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Sein Hobby hätte ihn "innerlich unabhängig" werden lassen. Ein Kriterium, dass ihm bei seinem Beruf als Politiker durchaus geholfen habe. Ein Leben ohne Politik wäre für ihn vorstellbar gewesen, ein Leben ohne Berge nicht, verriet der damals 80-Jährige: "Wenn ich mit der Politik hätte aufhören müssen, wäre ich nicht unglücklich geworden. Wenn ich nicht mehr in die Berge hätte gehen können, schon."

Der Bergsteiger Geißler

Geißlers Liebe zu den Bergen wurde nach eigenen Bekunden im Alter von neun Jahren an den heimischen Kalkfelsen des Donautals geweckt. So oft es ging verbrachte der Baden-Württemberger nun seine Zeit beim Klettern. Auch Studium und politische Karriere konnten den Schwaben nicht von seiner Passion abbringen.

Im Fels unterwegs: Der begeisterte Kletterer Heiner Geißler

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Geißler galt als sehr guter Allround-Bergsteiger, dem in den Alpen - häufig auch in Seilschaft mit seinen drei Söhnen - viele äußerst anspruchsvolle Touren gelungen sind. Selbst Reinhold Messner zollte Geißlers bergsteigerischen Fähigkeiten seine Anerkennung.

Ein schwerer Unfall beim Gleitschirmfliegen, seiner zweiten Leidenschaft, wurde dem Ex-Bundesminister 1992 fast zum Verhängnis."Ich hatte monatelang Angst, dass ich querschnittgelähmt bleibe. Zum Glück wurde ich wieder so hergestellt, dass ich den Klettersport und alles andere wieder machen konnte.", so Geißler im Interview mit dem "Merkur".

Ökologisches Engagement und Thema Berg

Aus dem bloßen Hobby-Bergsteiger wurde im Laufe der Zeit auch ein engagierter Streiter für Natur und Umwelt. 1992 gründete das ATAC-Mitglied das Kuratorium Sport und Natur e. V., einen Zusammenschluss aller Natursportverbände auf Bundesebene.

Seit 2008 engagierte sich Geißler auch im Patronatskomitees der Stiftung UNESCO Welterbe Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch. 2010 wurde der ehemalige CDU-Generalsekretär für sein jahrelanges Engagement mit dem Umweltpreis "Goldener Baum" der Stiftung für Ökologie und Demokratie geehrt.

Engagierter Schirmherr in Tegernsee

Das Thema Mensch und Berg versuchte Geißler in seiner 1997 erschienenen "Kleinen Philosophie der Passionen" literarisch zu ergründen. 2003 wurde Geißler mit dem Bergverlagspreis des Deutschen Alpenvereins ausgezeichnet. Im selben Jahr übernahm er auch die Schirmherrschaft des Internationalen Bergfilmfestivals Tegernsee, die er bis zu seinem Tode innehatte.

Michael Pause, der künstlerische Leiter des Bergfilm-Festivals, erinnerte an einen "sehr guten Freund, der immer, wenn er gekommen ist, sich bei diesem Festival unter Bergsteigern wohlgefühlt hatte. Vor allem auch, weil ihm die Bergsteiger-Gemeinschaft so wichtig war. Diesen Spirit hat er in diesem Kreis gefühlt. Das war für uns alle inspirierend. Wir haben nicht seine politische, aber seine ideelle Unterstützung gebraucht. Das war für uns großartig", so Pause gegenüber tegernseerstimme.de.

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1 Kommentar

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Dr.M.H.Schifko-Kassekert

Bin Österreicherin, aber war eine begeisterte Anhängerin von H. Geißler. Brillant, sarkastisch, voller Humor, geistreich. Ein Mensch mit Seltenheitswert. Die 3 Söhne können sich glücklich schätzen, so einen Mann als Vater gehabt zu haben. Ob seine Frau sehr zufrieden war sei dahingestellt.
Wie sehr mir dieser große Geist abgehen wird kann ich gar nicht in Worte fassen. Die Familie und Europa haben einen ganz großen Menschen verloren.